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Belinda Bencic ist in Paris
die letzte Schweizer Hoffnung

Aus der Schweiz schlägt in Paris nur noch Belinda Bencic auf. Die 21-jährige Ostschweizerin trifft am Donnerstag in der zweiten Runde auf die Slowakin Magdalena Rybarikova, die Nummer 18 der Weltrangliste.
Jörg Allmeroth, Paris
Paris ist für Belinda Bencic nur eine Zwischenstation. (Bild: Caroline Blumberg/EPA)

Paris ist für Belinda Bencic nur eine Zwischenstation. (Bild: Caroline Blumberg/EPA)

Eigentlich war schon alles vorbei für Belinda Bencic an den French Open 2018 in Paris. Im zweiten Satz, als Bencic in ihrer Auftaktpartie gegen die italienische Qualifikantin Deborah Chiesa drei Matchbällen hintereinander ins Auge sah. Doch Bencic raffte alle Energien zusammen, kämpfte plötzlich mit dem Mut der Verzweiflung und ohne jedes Nervenflattern. Bencic wehrte nicht nur diese drei Siegpunkte, sondern noch einmal zwei weitere Matchbälle ab.

Bencic stellte das Spiel auf den Kopf, drehte und wendete es wie eine Entfesselungskünstlerin. Und dann war sie, nach ihrem 3:6, 7:6 (7:2), 6:3-Erfolg, so kaputt und erschöpft, dass sie ihrer Freude nicht mal richtig Luft machen konnte: «Es war zu anstrengend, sich das Glück rauszuschreien», sagte die 21-jährige nach dem besonders wertvollen Pariser Erlebnis.

Bencic, ehedem als neue Miss Swiss und künftige Grösse im Welttennis gefeiert, hat keine leichte Zeit hinter sich. Es gab einen Abnabelungsprozess von Trainervater Ivan Bencic, der künftig eher nur noch Vater sein sollte. Es gab komplizierte Veränderungen im Management, der langjährige Protegé Marcel Niederer erhielt den Laufpass. Und es gab immer wieder Verletzungspech, so wie auch in diesem Frühling, als ein Ermüdungsbruch im rechten Fuss eine Zwangspause provozierte.

Verbissener Vergleich mit der French-Open-Siegerin

Mitte März hatte Bencic ihre letzte Partie bestritten. Sie spielte damals am Topturnier in Indian Wells in der zweiten Runde gegen Jelena Ostapenko, die amtierende French-Open-Siegerin. Bencic kämpfte verbissen, aber nach drei hart umkämpften Sätzen war das Millionenspiel in der kalifornischen Wüste vorbei. Und danach musste sie wieder von der Seitenlinie aus zusehen, wie die Tenniskarawane umherzog, zuletzt dann in der europäischen Sandplatzserie. «Es ist frustrierend, wenn du nicht spielen kannst. Und an Boden verlierst», sagt Bencic. Zuletzt hatte sie wieder in der Schweiz trainiert und sich auf die French Open vorbereitet – eher eine Ausnahme, denn meist schlug sie ihr Lager für Übungseinheiten kunterbunt und scheinbar überall auf. In Prag, in Monte Carlo, in Dubai, in den USA, in der Evert-Akademie. Sie finde es gut, «Abwechslung zu haben», sagt Bencic.

In Paris ist das Team Bencic überschaubar gross. Neben Manager Stuart Duguid ist nur der Konditionstrainer Martin Hromec dabei. Es fehlt offensichtlich der Coach Iain Hughes, von dem man nicht genau weiss, wie lange er dieses Amt überhaupt noch ausfüllen wird. Bencic äusserte sich dazu unklar, die Antworten zu diesem Thema waren nebulös. Das Turnier in Frankreichs Kapitale betrachtet Bencic ohnehin nur als Zwischenstation, mehr Aufmerksamkeit richtet sich auf die Rasenturniere und natürlich den Saisonhöhepunkt in Wimbledon. «Aber jeder Sieg ist natürlich schön und willkommen jetzt», sagt Bencic. Erst recht, wenn der Erfolg nach erheblichen Widerständen und grosser Dramatik wie im Spiel gegen Chiesa errungen wird. «Ich habe richtig gute Moral und Willen gezeigt», so Bencic, «spielerisch war das eher dünn. Da muss ich mich noch erheblich steigern.»

Gegnerin keine Sandplatzspezialistin

Die übliche Wettkampfpause an Grand-Slam-Turnieren nahm Bencic in Paris nun mehr als dankend an, «es war schon eine harte Belastungsprobe» gewesen nach der zweimonatigen Auszeit. In der zweiten Runde trifft die Ostschweizerin am Donnerstag auf die Slowakin Magdalena Rybarikova, die Nummer 18 der Welt, allerdings keine ausgewiesene Sandplatzspezialistin. Bencic hat nicht viel zu verlieren, aber einiges zu gewinnen – genau das könnte sie auch noch ein bisschen länger gefährlich machen in Paris.

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