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Die Magie des ersten Spiels

Zum achten Mal bestreitet Roger Federer (36) heute in Wimbledon die Startpartie auf dem unberührten Centre Court. Ein Vorteil für den Titelverteidiger, der nicht zu unterschätzen ist.
Jörg Allmeroth, London
Ist bereit für seinen ersten Auftritt: Roger Federer.(Bild: Sven Thomann/blick/freshfocus)

Ist bereit für seinen ersten Auftritt: Roger Federer.
(Bild: Sven Thomann/blick/freshfocus)

Wenn Roger Federer heute um 13 Uhr Ortszeit (14 Uhr Schweizer Zeit, SRF zwei) hineinschreitet ins Theater der Tennisträume, hat Wimbledon schon längst begonnen. Auf den Aussenplätzen könnten einige Matches bereits entschieden sein, beim Rasentennis gibt es schliesslich keine stundenlangen Geduldsübungen, so wie zuletzt noch bei den French Open in Paris. Aber so richtig eröffnet ist das berühmteste Grand-Slam-Turnier der Welt erst dann, wenn auch auf dem heiligen Rasen des Centre Court der Ball fliegt.

Es ist ein einzigartiges Privileg im weltweiten Wanderzirkus, das Vorrecht des Titelverteidigers, auf dem Tennis-Grün den ersten Match zu bestreiten. «Das ist immer wieder ein Wahnsinnsgefühl, hier im Auftaktspiel zu stehen. Auf dem Centre Court, auf dem ich meine schönsten Momente als Spieler erlebt habe», sagt Federer, der 2018 zum Rendezvous mit dem Serben Dusan Lajovic verabredet ist, «es ist ein erhabenes Gefühl. Betrittst du den Rasen, schlägt dein Herz schneller, der Puls geht hoch. Dieses Kribbeln geht nie weg.»

Achtmal hat sich Federer diese aussergewöhnliche Vergünstigung erkämpft, 2003 zum ersten Mal, in einem Moment, da seine junge Karriere ihre erste grosse Krise erlebte. Und 2017 zum letzten Mal, nun als vierfacher Familienvater – und als Comeback-Phänomen, als Mann, der in den ersten sieben Monaten der Spielserie praktisch jedes grosse Turnier gewann, das er bestritt. Aber Wimbledon war unter den vielen grossen, aussergewöhnlichen Siegen der verrückten Saison 2017 wie immer noch ein Stückchen grösser für Federer. Denn wenn eine Saison beginnt für den Maestro, dann steht auch nach all den Jahren auf der Tour immer noch ein Leitsatz wie in Stein gemeisselt fest: Gewinnt er Wimbledon, in seiner Lieblingsrolle als eleganter Rasenflüsterer, dann ist es eine gute Saison. Scheitert er, ist der verpatzte Sprung auf den Thron nur schwer mit anderen Triumphen und Trophäen aufzuwiegen. «Wimbledon ist nun mal das definierende Turnier für mich», sagt Federer.

Die Besonderheiten von Wimbledon

Wimbledon ist anders, es hat seine eigenen Gesetze und Regeln. Jeder kennt das, jeder weiss, wie sehr sie auf die ehernen Traditionen im All England Lawn Tennis Club achten. Die vorwiegend weisse Kleidung, der Verzicht auf Werbung, die Royal Box. Und eben auch der bis heute, Schlag 13 Uhr, völlig unberührte Centre Court. Bei den French Open, bei den US Open und auch bei den Australian Open spielen sich alle, die Stars und die Sternchen, auch auf dem Hauptplatz warm, sie bekommen ein Gefühl für die Schnelligkeit, für den Ballabsprung. Aber in Wimbledon, wo der Centre Court sich erfahrungsgemäss völlig anders spielt als die meisten Plätze um ihn herum, wissen erst die Protagonisten des Premierenduells, woran sie sind mit dem Rasen. Schneller, langsamer, stumpfer? Die Frage stellt sich auch, weil das Tempo in den letzten Jahren immer wieder verändert worden ist: Wimbledon wurde, kurz gesagt, langsamer. Während beispielsweise die Sandplätze in Paris immer schneller wurden.

Federer, der Routinier der Wimbledon-Eröffnungen, weiss seit der Installierung eines mobilen Centre-Court-Daches inzwischen auch, dass sich an der obligatorischen Startzeit um 13 Uhr auch nichts mehr verändert. Die nervtötenden Wartestunden im Regen kennt der Schweizer inzwischen gar nicht mehr, er spielt praktisch immer auf dem Hauptplatz, auch weil es die internationalen Fernsehanstalten so wollen. Federer bedeutet Quote, Federer bedeutet Gegenwert für investiertes Geld.

Einige erstaunliche Zahlen

Der erste Punkt, den Federer im Match gegen Lajovic spielen wird, ist zugleich sein 20 855 Punkt – seit er 1999 zum ersten Mal als Professional die Tennis-Kathedrale im Südwesten Londons betrat. 20 Jahre hintereinander spielt er hier nun, er hat bisher 3032 eigene Gewinnschläge vom Racket gezaubert, 1285 Asse geschlagen und 102 Partien bestritten. Erstaunlich erscheint auf den ersten Blick die Quote von nur 55 Prozent gewonnenen Punkten, 11 510 gegen 9344. Aber wie kaum anderswo kommt es beim Rasentennis auf wenige, entscheidende Punkte an, die Big Points. Und da ist Federer der Meister aller Klassen.

Die wichtigsten Startpartien. Männer:Federer (Setznummer 1/ATP 2/Titelverteidiger) – Lajovic (SRB/ATP 57), Montag, 14.00 Uhr. Wawrinka (ATP 225) – Dimitrov (BUL/6/ATP 6), Montag, zirka 17.30 Uhr. Nadal (ESP/2) – Sela (ISR). Cilic (CRO/3) – Nishioka (JPN). Alexander Zverev (GER/4) – Duckworth (AUS). Del Potro (ARG/5) – Gojowczyk (GER). Thiem (AUT/7) – Baghdatis (CYP). Anderson (RSA/8) – Gombis (SVK/Q). Isner (USA/9) – Maden (GER/Q). Goffin (BEL/10) – Ebden (AUS). Djokovic (SRB/12) – Sandgren (USA). – Bemerkung: Andy Murray (GBR) verzichtet.

Frauen:Bencic (WTA 61) – Garcia (FRA/6/WTA 6), am Dienstag. Vögele (WTA 95) – Barty (AUS/17/WTA 17), am Dienstag. Golubic (WTA 100) – Jabeur (TUN/WTA 130/WC), am Montag. Halep (ROU/1) – Nara (JPN). Wozniacki (DEN/2) – Lepchenko (USA). Muguruza (ESP/3/Titelverteidigerin) – Broady (GBR/WC). Stephens (USA/4) – Vekic (CRO). Switolina (UKR/5) – Maria (GER). Karolina Pliskova (CZE/7) – Dart (GBR/WC). Kvitova (CZE/8) – Sasnowitsch (BLR). Venus Williams (USA/9) – Larsson (SWE). Keys (USA/10) – Tomljanovic (AUS).

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