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Doping-Experte zum Fall Grab: «Die Menge ist nicht relevant»

Dopingexperte Matthias Kamber hat mit Tamoxifen-Funden wie im Fall von Martin Grab schon mehrfach zu tun gehabt. Im Interview erklärt der Berner, warum das Medikament verboten ist.
Claudio Zanini
Martin Grab beteuert auch nach der positiven B-Probe, nicht gedopt zu haben. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Payerne, 27. August 2016))

Martin Grab beteuert auch nach der positiven B-Probe, nicht gedopt zu haben. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Payerne, 27. August 2016))

Matthias Kamber, in der B-Probe von Martin Grab konnte Tamoxifen nachgewiesen werden. Der Schwinger betonte, es sei nur eine «sehr geringe Menge» gewesen. Entlastet ihn das?

Diese Aussage ist nur teilweise zu beachten und für das Feststellen eines Dopingvergehens nicht von Bedeutung. Denn bei Tamoxifen gibt es keine Toleranzgrenze. Das heisst, es ist überhaupt nicht relevant, in welcher Menge die Substanz nachgewiesen werden kann. Bei einer geringen Menge muss man aber die Frage einer möglichen Kontamination in Betracht ziehen.

Matthias Kamber, ehemaliger Direktor von Antidoping Schweiz.

Matthias Kamber, ehemaliger Direktor von Antidoping Schweiz.

Tamoxifen ist ein Medikament, das Brustkrebs-Patientinnen verabreicht wird. Können Sie sich vorstellen, dass so etwas zufällig in den Körper eines Mannes gelangt?

Jein. Rein zufällig gerät das Medikament nicht in einen Körper. Kontaminationen haben wir in der Vergangenheit aber bei anderen Substanzen festgestellt. Doch dafür müsste der Athlet das Medikament mindestens in seinem Umfeld haben. Wenn man lückenlos nachweisen kann, dass das Medikament versehentlich in den Körper kam, würde das allfällige Sanktionen verringern können. Ohne Erklärungen ist für ein solches Vergehen, wie es im Fall von Martin Grab vorliegt, eine Sperre von vier Jahren vorgesehen.

Grab betont, dass Tamoxifen keine leistungssteigernde Substanz sei. Damit hat er ja recht. Dennoch: Deutet es nicht eindeutig auf den Einsatz von Anabolika hin?

In meinen Zeiten bei Antidoping Schweiz haben wir oftmals Päckchen vom Zoll erhalten, in denen nebst Anabolika auch Tamoxifen drin war – das ist eine bekannte Kombination, die von Dopern meist zusammen beschafft wird.

Ist es überhaupt einfach, an Tamoxifen zu kommen?

Nein, einfach ist es bestimmt nicht. Wir reden hier von einem speziellen rezeptpflichtigen Medikament.

Hätte ein gewöhnlicher Hausarzt so ein Medikament denn an Lager?

Ich denke nicht. Das müssten Sie aber einen Hausarzt fragen.

Wenn Grab tatsächlich ein Anabolikum genommen haben soll: Warum zeigt es dieses in der Urinprobe nicht an?

Es kommt darauf an, wie es angewendet wird. Schnell wirkende Anabolika werden rascher abgebaut als Tamoxifen, somit kann es sein, dass man bei einer kombinierten Anwendung keine Anabolika mehr findet, aber noch Tamoxifen in kleinen Konzentrationen. Deswegen wurde es um das Jahr 2000 auf die Doping- liste gesetzt.

Ist es nicht sinnlos, einen Sportler, der bereits zurückgetreten ist, für vier Jahre zu sperren?

Er wäre ja nicht nur für den Schwingsport gesperrt. Er dürfte nach einer solchen Sanktion weltweit keine Sportart wettkampfmässig ausüben. Er dürfte weder einen Bob anschieben noch Hornussen. Und andererseits müssen Sie bedenken, dass eine Dopingsperre oftmals mit einem riesigen Prestigeverlust für den Athleten verbunden ist.

Denken Sie, im Schwingen gibt es eine grosse Dunkelziffer von dopenden Athleten?

Darüber lässt sich keine verlässliche Aussage machen. Antidoping Schweiz verantwortet die Kontrollen seit 2017. Und seither gab es beinahe eine Verdreifachung der Proben. Der Schwingsport ist im Allgemeinen transparenter geworden und empfänglicher für die Dopingprävention. Ich mag mich erinnern, als ich nach dem Fall von Beat Abderhalen 2001 vom Eidgenössischen Schwingerverband eingeladen wurde, um in den Teilverbänden Vorträge zu halten. Damals wurde mir noch sehr viel Skepsis entgegengebracht, was den Antidoping-Kampf betrifft.

Zur Person

Matthias Kamber war von Sommer 2008 bis Frühling 2018 Direktor von Antidoping Schweiz. Der 63-jährige Berner gilt als international anerkannter Fachmann in der Dopingbekämpfung.

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