Die neue Chefin der Schweizer Fussballerinnen sorgt für Ordnung – auf und neben dem Spielfeld

Die Schweizer Frauennationalmannschaft trifft heute Abend im vierten EM-Qualifikationsspiel auf Rumänien. In einer Hauptrolle ist eine Spielerin, die gerne für Ordnung sorgt: Captain Lia Wälti.

Alessandro Crippa
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Stammkraft bei Arsenal, als Captain gesetzt in der Nationalmannschaft: Lia Wälti. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Stammkraft bei Arsenal, als Captain gesetzt in der Nationalmannschaft: Lia Wälti. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Die Sonne scheint an diesem Nachmittag nicht mehr in den Lipopark hinein, bereits um 16 Uhr ist es bitterkalt. Das Gespräch mit Lia Wälti findet deshalb in der Loge des Schaffhauser Stadions statt. In diesem Stadion trifft die Schweiz heute Abend in ihrem vierten Qualifikationsspiel für die EM 2021 auf Rumänien.

Wälti spielt seit Sommer 2018 bei Arsenal London in der Premier League und gehört dort zum unbestrittenen Stammpersonal. Neben dem Fussballplatz besucht sie die Uni, studiert Sportmanagement. Einen Tag in London vergleicht sie mit einem gewöhnlichen Arbeitstag, nur etwas kürzer: «Von etwa 9 bis 16 Uhr widme ich mich voll und ganz dem Fussball, danach nehme ich mir Zeit für die Uni und auch für meine Schwester, die meine Mitbewohnerin ist.» Das Leben in London steht im krassen Gegensatz zu dem in der Schweiz, als sie noch bei YB spielte, arbeitete und erst am Abend trainierte. «Da war der Tag natürlich gelaufen», sagt sie.

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Feels great to have these CL-nights back! 🤩

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Auch mit den Spielern der Herrenmannschaft von Arsenal gebe es immer wieder Kontakt, gerade auch mit Granit Xhaka oder letzte Saison mit Stephan Lichtsteiner. «Ein bisschen Schweizer Luft tut immer gut», sagt Wälti. Den aktuellen Eklat um Xhaka habe sie aber nur über die Medien mitbekommen, erklärt sie.

Dass Schweizerinnen bei Topklubs wie Arsenal (momentan Meisterschaftszweiter und Champions-League-Teilnehmer) spielen, hängt eng mit der allgemeinen Entwicklung des Schweizer Frauenfussballs zusammen. Die gebürtige Emmentalerin erachtet diese als «sehr positiv». Wälti freut sich über das gestiegene Medieninteresse – auch an der Nati – und auch darüber, dass die Heimspiele häufig gut besucht sind. «Hier liegt es auch an uns, mit guten Resultaten das Interesse hochzuhalten.» Gerade auch darum versuchen die Frauen, jeder Medienanfrage nachzukommen. Weil sie das Interesse an der Mannschaft sehr schätzen.

Lia Wälti gibt den Medien gerne Auskunft (Bild: Keystone)

Lia Wälti gibt den Medien gerne Auskunft (Bild: Keystone)

«Die Jungen dürfen nicht nur hochschauen»

Nach dem Rücktritt von Lara Dickenmann ist die 26-Jährige zum Captain aufgestiegen und trägt dementsprechend mehr Verantwortung. Grosse Änderungen erfährt sie deshalb nicht, es entspreche ihrem Naturell, Verantwortung zu übernehmen. «Ich rede gerne mit allen und sorge auf und neben dem Feld für Ordnung.» Das zeige sich zum Beispiel, wenn sie an einer Teamsitzung gewisse interne Regeln einführe, damit alle Spielerinnen am gleichen Strick ziehen.

Wälti ist innerhalb des Teams aber auch ein Vorbild, an dem sich junge Spielerinnen, die neu zur Nati stossen, orientieren. Das ist ihr nur bedingt recht:

«Ich höre es eigentlich nicht so gerne, dass Leute zu mir hinaufschauen. Das ist nach wie vor surreal für mich.»

In Momenten der Nervosität lege sie deshalb auch mal die Hand auf die Schulter einer Teamkameradin und versuche, ihr die Angst zu nehmen. «Die jungen Spielerinnen dürfen nicht nur hochschauen.» Sie müssten sich auch bewusst sein, dass sie ihre Nomination verdient haben und nicht umsonst im Kreise der Nationalmannschaft sind. Und darum dürfen sie sich etwas zutrauen.

Svenja Fölmli (17) von den FC Luzern Frauen gehört zu den jungen, aufstrebenden Spielerinnen im Schweizer Nationalteam. (Bild: SFV)

Svenja Fölmli (17) von den FC Luzern Frauen gehört zu den jungen, aufstrebenden Spielerinnen im Schweizer Nationalteam. (Bild: SFV) 

Für Ordnung sorgt Lia Wälti aber auch auf dem Platz. Auch heute Abend gegen die Rumäninnen. Sie sieht die Schweiz, die Weltnummer 19, in der Favoritenrolle, wenn auch das Spiel zur Knacknuss werden kann:

«Wir sind meiner Meinung nach fussballerisch besser, und darum finde ich, dass wir die Punkte holen müssen.»

Rumänien, die Nummer 42 der Weltrangliste, werde unbequem zu bespielen sein. «Den Rhythmus schnell zu finden, ist deshalb wichtig», sagt die Mittelfeldspielerin. Dann könne man die offensiven Stärken wie schon in den bisherigen drei Qualifikationsspielen gegen Litauen und Kroatien ausspielen und den vierten Sieg landen. Rumänien wird zwar ein richtiger Härtetest, die beiden – wohl entscheidenden Partien – stehen dann im neuen Jahr gegen Belgien an.