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Die NFL drängt nach England

Die NFL war lange ein nordamerikanisches Phänomen. Doch während die Popularität in den USA schwindet, wird American Football in Europa immer beliebter. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur wann ein Team nach London verschoben wird.
Nicola Berger
Spektakel in London: Dwayne Harris (Oakland, links) gegen Shaquill Griffin (Seattle). (Bild: James Chance/Getty (14. Oktober 2018))

Spektakel in London: Dwayne Harris (Oakland, links) gegen Shaquill Griffin (Seattle). (Bild: James Chance/Getty (14. Oktober 2018))

Die National Football League (NFL) ist die profitabelste und populärste Profiliga Nordamerikas, ihre 30 Teams setzten pro Saison über acht Milliarden Dollar um. Doch der Sport steckt in den USA gerade in einer Imagekrise: Manchen ist American Football zu gewalttätig, zu rassistisch, anderen zu verlogen, und wieder anderen zu wenig patriotisch, zu gesundheitsgefährdend, zu teuer.

In Europa dagegen boomt die Liga. In Deutschland sind die Einschaltquoten für die NFL inzwischen besser als für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL), für Handball oder Basketball; die Super Bowl vom Februar zwischen den Philadelphia Eagles und den New England Patriots erreichte auf ProSieben einen Marktanteil von mehr als 36 Prozent. Doch nirgendwo auf dem alten Kontinent ist die Begeisterung für American Football so gross wie im Vereinigten Königreich. Der «Telegraph» schrieb vergangene Woche, es sei in London inzwischen schwieriger, sich ein Ticket für ein NFL-Spiel zu sichern als für ein Konzert von Beyoncé.

Grosse Nachfrage nach NFL-Tickets in London

Seit 2007 werden in der englischen Hauptstadt NFL-Partien ausgetragen; das Duell zwischen den Tennessee Titans und den Los Angeles Chargers im Wembley-Stadion vom Sonntag ist das zweite von drei Spielen in diesem Herbst. Die 90'000 Tickets waren innert Sekunden vergriffen, die Händlerplattform «Stubhub» hat vorgerechnet, dass die Nachfrage in den letzten fünf Jahren um 333 Prozent gestiegen sei, und alleine von 2017 zu 2018 um 40 Prozent. Das Vereinigte Königreich fliegt in diesen Tagen auf die NFL. Der Bezahlsender «Sky Sports» überträgt inzwischen pro Woche gleich viele Partien der NFL wie von der Premiere League im englischen Fussball. Das hat gute Gründe: Insgesamt interessieren sich gemäss Studien 13 Millionen Menschen für die Liga. 48'000 Fans zählt die NFL de facto als Saisonkartenbesitzer, weil sie sich zu jeder Partie Tickets kaufen, unabhängig davon, wer spielt. Mark Waller, der für internationale Angelegenheiten zuständige Vize-Präsident der NFL, sagte gegenüber «Forbes», dass London «definitiv bereit sei», um ein NFL-Team zu beherbergen. Er sagt: «Die Infrastruktur, der Fan-Support, die Unterstützung der Regierung: Es ist alles da.» Die Frage ist darum nicht mehr ob, sondern nur noch wann das geschehen wird – obwohl die Logistik eine Herausforderung sein wird. Doch auch andere Ligen haben diese Probleme überwunden: Seit 2017/18 etwa spielt mit Kunlun Red Star (heute Shenzhen Vanke Rays) ein chinesisches Team in der kanadischen Fraueneishockey-Profiliga CWHL.

Khan und der amerikanische Traum

Erster Kandidat für die Verpflanzung eines NFL-Teams bleiben die Jacksonville Jaguars, so etwas wie «Londons Team», weil sie seit 2013 jedes Jahr in der Stadt antreten. Die Jaguars gehören Shahid Khan, einem pakistanisch-stämmigen Milliardär, der wie eine Werbefigur des amerikanischen Traums wirkt. Khan wanderte 1967 als 16-Jähriger in die USA aus, um in Illinois zu studieren. Die ersten Nächte im Land verbrachte er im Massenschlag in einer YMCA-Jugendherberge für zwei US-Dollar pro Übernachtung. Die Erfindung einer Stossstange machte ihn reich – sein Vermögen wird inzwischen auf fast neun Milliarden beziffert.

Khan hat eine Beziehung zu London – ihm gehört auch der Premier-League-Klub Fulham FC, bei dem einst der frühere FCL-Profi Pajtim Kasami spielte. Und er hegte Kaufpläne für das Londoner Wembley-Stadion, in welchem auch die Jaguars spielen. Doch diese Woche zog er sein Kaufangebot zurück, wie der englische Fussballverband mitteilte. Was das für die Jaguars bedeutet, ist unklar. Khan sagt zwar, er plane, das Team in Jacksonville zu belassen, aber das muss wenig bedeuten. Vor 2022 dürfte ein Transfer nicht zu realisieren sein – da wäre es unklug, das zahlende Publikum in Florida schon vier Jahre vorher ohne Not zu vergraulen.

Der Meister kommt ins Wembley-Stadion

Vorerst bleibt London so jedoch nur das Warten – und die jährlichen Stippvisiten von bis zu sechs NFL-Mannschaften. Am Sonntag in einer Woche kommt der britische Anhang in den Genuss der besten Affiche der letzten Jahre: Die Jacksonville Jaguars treffen im Wembley auf die Philadelphia Eagles, den Super-Bowl-Titelhalter. Der Auftritt des Meisters, des ersten England-Gastspiels Philadelphias überhaupt, dürfte den britischen Hunger auf eine NFL-Franchise nur noch weiter anheizen.

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