Volleyball
Die Ruhige trifft auf die Emotionale: Zwei Innerschweizerinnen stehen sich im Volleyball-Cupfinal gegenüber

Der Cupfinal zwischen Neuchâtel und Schaffhausen ist auch das Duell einer Obwaldnerin und einer Luzernerin: Martina Halter gegen Korina Perkovac. Die eine hat schon Titel gesammelt, die andere wartet auf die Premiere.

Stephan Santschi
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Martina Halter (oben) trifft im Cupfinal auf Korina Perkovac.

Martina Halter (oben) trifft im Cupfinal auf Korina Perkovac.

Keystone/Freshfocus

Beide sanken am Mittwoch vor Freude auf die Knie. Korina Perkovac, die 21-jährige Luzernerin von Kanti Schaffhausen, bejubelte so den Satzausgleich zum 2:2, nachdem man 0:2 zurückgelegen hatte. Martina Halter, die 26-jährige Obwaldnerin bei Neuchâtel UC, feierte allerdings ganz am Schluss, denn das Tiebreak im fünften und letzten Spiel dieser NLA-Playoff-Halbfinalserie ging mit 15:10 an Neuenburg. «Ich war erschöpft und erleichtert, mir viel ein Stein vom Herzen», frohlockte Halter und Perkovac hielt fest: «Es war brutal. Während den ersten beiden Sätzen sassen wir wohl noch im Bus. Dann kämpften wir uns zurück, doch den schlechten Start ins Tiebreak konnten wir nicht mehr korrigieren.»

Lange hadern muss Perkovac indes nicht, denn bereits am Samstag treffen die beiden Teams wieder aufeinander und zwar im Cupfinal in Winterthur (17.30 Uhr, live auf SRF info). «Wir sind heiss auf die Revanche. Nach der Meisterschaft wollen wir Neuchâtel nicht auch noch im Cup den Vortritt überlassen», zeigt sich Perkovac angriffig, während Halter sagt: «Es wird wiederum ein enges Spiel.»

Korina Perkovac will ihren ersten Titel

Dass sich Schaffhausen in dieser Saison an der Schweizer Spitze etabliert hat, liegt auch an den Leistungen von Korina Perkovac. Die 1,84 Meter grosse Aussenangreiferin kommt «nonstop zu Spielzeit», wie sie sagt und gefällt dabei mit dynamischem Angriffsspiel, zuverlässiger Blockarbeit und einer emotionalen Leaderrolle. «Wenn es nicht so läuft und sich meine Teamkolleginnen Gedanken machen, versuche ich sie aufzumuntern.» Die grosse Stärke Schaffhausens ist die Blockarbeit am Netz und die Ausgewogenheit im Kader. «Bei uns können im Angriff alle Spielerinnen gefährlich werden», erklärt Perkovac. Schon der Einzug in den Cupfinal bezeichnet die Stadtluzernerin als grossen Erfolg, weil er im Halbfinal auswärts gegen Qualifikationssieger Pfeffingen eher unerwartet zu Stande gekommen war. «Wenn wir den Cup auch noch gewinnen, wäre dies das absolute Highlight.» Sowohl für den Verein, der noch nie Meister war und seit 12 Jahren auf den nächsten Cupsieg wartet. Und für sie persönlich, weil in ihrem Palmarès ein Titel noch fehlt. Sollte es nicht klappen, bleiben der Pharmaziestudentin zwei weitere Jahre Zeit. Die Schweizer Nationalspielerin (14 Länderspiele), die 2018 definitiv von Volley Luzern nach Schaffhausen wechselte, hat ihren Vertrag bis 2023 verlängert.

Für Martina Halter wäre ein Titel keine Premiere, sie gewann mit NUC 2019 sogar das Triple aus Meisterschaft, Cup und Supercup. «Das war wunderschön, während der Saison hätten wir das nicht gedacht», erzählt die Alpnacherin. Das Team brauchte Zeit, um die Ideen von Lauren Bertolacci, die davor Luzerns Männer trainiert hatte, zu verinnerlichen. «In den Playoffs kamen wir richtig auf Touren. Wir brauchen den Druck des Siegenmüssens.»

Martina Halter mit «stabilisierender Rolle»

Bertolacci hat in Neuenburg ein schnelles und variantenreiches Angriffsspiel installiert. Gute Annahme, schnelles Umschalten, harter Abschluss – wenn NUC sein Potenzial ausschöpft, tut sich die Konkurrenz sehr schwer, mit dem Block die Lücke am Netz zu schliessen. «Wir leben von den Emotionen, geben nie auf, auch nicht wenn wir klar im Rückstand liegen. Wir möchten punkten, egal ob schön oder mit einem Glücksball.» Halter wirkt dabei mit ihrer ruhigen Art als Gegenpol, «ich bin nun in meiner siebten Saison in Neuenburg, nehme eine stabilisierende Rolle ein», erklärt die 1,89 Meter grosse Mittespielerin mit Stärken im Service und Block.

Ihre Treue für NUC erklärt sie mit dem familiären Umfeld, «hier steht das Wohl der Spielerin im Zentrum». 2014 verliess sie den FC Luzern, mit dem sie in die NLA aufgestiegen war, und entwickelte sich zur Meister- und Nationalspielern (42 Länderspiele). Der Schweiz steht sie mittlerweile nicht mehr zur Verfügung, die studierte Rechtswissenschaftlerin arbeitet an ihrer Anwaltskarriere. Und möchte mit Neuenburg nochmals das Double gewinnen.

Volleyball. Cupfinals.Samstag, 13.30 Uhr, Männer: Schönenwerd – Jona. – 17.30 Uhr, Frauen: Neuchâtel – Schaffhausen (jeweils live auf SRF info).