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Die Schweizer Hallenhockeyaner sind alles Aufsteigerjungs

Die Schweizer Hallenhockeyaner sind wieder A-klassig. Sie gewinnen das EM-Turnier in Luzern vor grosser Kulisse.

René Barmettler
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Unbändige Freude bei den Schweizern nach dem Sieg im Finalspiel
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Sebastian Schneider und Torhüter Lars Kleikemper. Der Goalie trug massgebend zum Sieg bei.
1400 Zuschauer waren vor Ort in der Maihofhalle.
Der Schweizer Torhüter Lars Kleikemper brachte die Portugiesen mit seinen Paraden zur Verzweiflung.
Pascal Knabenhans schoss das 1:1.
Boris Stomps erlöst die Schweizer drei Sekunden vor Ende.
Boris Stomps und der Portugiese Ivo Moreira im Duell
Boris Stomps nach seinem Treffer im Freudentaumel mit Martin Greder.
Pascal Knabenhans jubelt.
Gute Beinarbeit ist gefragt

Unbändige Freude bei den Schweizern nach dem Sieg im Finalspiel

Pius Amrein, Luzern, 19. Januar 2020

Ein letztes Aufbäumen der wegen einer Strafe auf vier Feldspieler dezimierten Portugiesen. Dann ein Konter der Schweizer, Boris Stomps schiesst den Ball ein, es steht 2:1. 2:1 für die Schweiz. Es ist geschafft. Die 1400 Zuschauer, mehr passen gar nicht in die Maihofhalle, «toben» minutenlang. Die Spieler liegen sich in den Armen. Die überwältigende Freude dieser jungen Schweizer Equipe wirkt ansteckend. Lars Kleikemper, der Luzerner, der das Tor der Schweizer hütet, sagt:

«Das bedeutet mir alles, dass wir Gold hier in Luzern geholt haben.»

Und dass es Gold geworden ist, haben die Schweizer Spieler auch ihrem Torhüter zu verdanken. Im abschliessenden Aufstiegsspiel gegen Portugal verhindert er nach dem 0:1 in der 29. Minute noch Schlimmeres. Zu diesem Zeitpunkt heissen die Aufsteiger Portugal und Weissrussland. Doch dann treibt der 23-jährige Kleikemper die Portugiesen zur schieren Verzweiflung. Eine Parade folgt der nächsten. So ermöglicht er seinen Vorderleuten das Comeback im Aufstiegsrennen. Kaum hat der Luzerner das fast sicher scheinende 0:2 verhindert, schliesst Pascal Knabenhans nach schönem Querpass von Fabio Marelli zum 1:1 ein. 17 Sekunden im dritten Viertel stehen noch auf der Uhr.

Erlösung drei Sekunden vor Schluss

Im letzten Spielabschnitt laufen die letzten zwei Minuten. Kleikemper gelingt nochmals eine unfassbare Parade. Und dann noch eine nach der anschliessenden Ecke. Es folgt die erwähnte Strafe gegen die Portugiesen, ehe Stomps die Schweizer drei Sekunden vor Ende erlöst: Aufstieg, EM-Turniersieg. Die Fans stürmen das Feld, rührende Szenen spielen sich ab. Als wieder Ordnung auf dem Feld herrscht, müssen sich die Schweizer gedulden, bis sie ihre Goldmedaillen überstreifen können. Als es dann so weit ist, brüllen alle: «Aufsteigerjungs, wir sind alles Aufsteigerjungs.»

Dieses letzte Spiel, in dem es um Alles oder Nichts ging, verkam zur unerwarteten Knacknuss für die Schweizer. 20 Spiele wurden an der B-EM ausgetragen, in keinem wurde so viel taktiert. Portugal versuchte mit Ballgeschiebe der Verteidiger, die Schweizer aus dem Verbund zu locken. Vergeblich. Die Schweizer liessen das Geduldspiel über sich ergehen. «Wir haben defensiv sehr gut gearbeitet. Trotzdem hofften die Portugiesen bis zuletzt auf einen Lucky Punch. Wir haben dieses Spiel spannender gemacht, als wir vorhatten», so Kleikemper, der seit seinem vierten Lebensjahr dem Landhockeysport frönt.

«Mit meinen Kumpels diese Goldmedaille zu gewinnen, ist einfach nur geil. Wir sind ein sehr junges Team, und wir werden bestimmt noch sechs Jahre zusammen spielen können.»

In naher Zukunft werden die Gegner grössere Kaliber sein, darauf freut sich der Goalie des Luzerner SC: «Das sind dann Teams, die mitspielen. Gegen sie werden wir nicht unbedingt gezwungen sein, das Spiel zu machen.»

Die Freude des Schweizer Nationalteams kennt fast keine Grenzen (Bild oben). Lars Kleikemper, der Schweizer Torhüter (in Gelb), verhindert mit seinen Paraden einen Sieg der Portugiesen (unten links). Rechts: Der Schweizer Fabio Marelli behauptet gegen den Portugiesen Luis Tavares den Ball.

Die Freude des Schweizer Nationalteams kennt fast keine Grenzen (Bild oben). Lars Kleikemper, der Schweizer Torhüter (in Gelb), verhindert mit seinen Paraden einen Sieg der Portugiesen (unten links). Rechts: Der Schweizer Fabio Marelli behauptet gegen den Portugiesen Luis Tavares den Ball.

Bilder: Pius Amrein (Luzern, 19. Januar 2020)

Der Schweizer Verband will an die Olympischen Spiele

Die Schweizer Nationalmannschaft verfolgt in der Halle (fünf Feldspieler) wie auch draussen auf dem Kunstrasen (zehn Feldspieler) grosse Ziele. «LA 2028 – Bring it on!», lautet der Slogan von Swiss Hockey. Die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles sollen demnach mit der Schweiz stattfinden. Ein sehr hohes Ziel, das sich der Verband gesteckt hat. Aber sportliche Erfolge wie jener in der Luzerner Maihofhalle sind auf diesem Weg sicher hilfreich.

Eine EM zu organisieren, ist für den Schweizer Verband kein leichtes Unterfangen. Drei Tage vor Ablauf der Frist wurde Bruno Affentranger, Präsident des Luzerner SC, gebeten, diesen Anlass durchzuführen. Affentranger stellte ein OK mit rund 100 freiwilligen Helfern auf die Beine. Was dabei herauskam, durfte sich sehen lassen. Digitale Werbetafeln wurden montiert, die Luzerner Landhockeyfamilie hatte Grosses geleistet. Verdientermassen durfte sie nach geleisteter Arbeit mit den Aufsteigerjungs anstossen.

Hallenhockey-EM

Luzern, Maihofhalle. Männer. 2. Division. Aufstiegsrunde: Schweiz – Weissrussland 3:2. Kroatien – Portugal 4:6. Weissrussland – Kroatien 3:2. Schweiz – Portugal 2:1. – Rangliste (je 2 Spiele): 1. Schweiz 7. Weissrussland 6. 3. Portugal 3. 4. Kroatien 1. – Schweiz und Weissrussland steigen in die 1. Division auf.
Samstag. Gruppe A: Schweiz – Slowakei 6:2 – Schlussrangliste (je 3 Spiele): 1. Schweiz 7. 2. Kroatien 4 (7:6). 3. Slowakei 4 (10:13). 4. Italien 1.
Schweiz mit: Kleikemper/Schüpbach; Michel, Morard (1), Greder, Marelli (1), Stomps (3), Knabenhans (3), Brönnimann (2), Schneider, Horvath, Landtwing (1).

Wie funktioniert Landhockey eigentlich?

Am Freitag beginnt in Luzern die Hallenhockey-Europameisterschaft. Hallenhockey wird in den Wintermonaten betrieben, gehört jedoch in die Kategorie des Landhockey. Kennen Sie die Unterschiede?
Simon Wespi