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Die Schweizer Nationalmannschaft und ihre schwelenden Brandherde

Das sind die brennenden Fragen rund um die Schweizer Nationalmannschaft vor dem Start in die entscheidende Phase der EM-Qualifikation in Irland.
Etienne Wuillemin und Christian Brägger aus Dublin
Gute Laune vor dem Charaktertest: Nationaltrainer Vladimir Petkovic schaut Manuel Akanji beim Einwärmen zu. (Bild: Keystone)

Gute Laune vor dem Charaktertest: Nationaltrainer Vladimir Petkovic schaut Manuel Akanji beim Einwärmen zu. (Bild: Keystone)

Der Wind bläst kräftig an diesem Mittwoch. Immer wieder kommen kurze, dafür intensive Regengüsse dazu. Der Herbst in Dublin kündigt sich an, als die Schweizer Nationalmannschaft ihre Aufwartung macht. Irland gegen die Schweiz heisst es heute Abend. Es ist der erste echte (sportliche) Charaktertest für Vladimir Petkovic und Co. seit der WM 2018. Es kann in diesem Herbst nur ein Ziel geben: Die direkte Qualifikation für die EM im nächsten Sommer. Rang zwei würde dafür reichen. Auf eine Zitterpartie wie vor zwei Jahren mit der Barrage gegen Nordirland hat selbstredend niemand Lust. Darum sind die Schweizer gut beraten, in Irland nicht zu verlieren. Es würden unruhige Wochen folgen.

Wie sehr ist Trainer Vladimir Petkovic mit Nebenschauplätzen beschäftigt?

Der Trainer und sein neuer Chef: Pierluigi Tami (links) wird in den nächsten Monaten entscheiden müssen, ob die Schweiz mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic weiterarbeiten will. (Bild: Keystone)

Der Trainer und sein neuer Chef: Pierluigi Tami (links) wird in den nächsten Monaten entscheiden müssen, ob die Schweiz mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic weiterarbeiten will. (Bild: Keystone)

Als Vladimir Petkovic Platz nimmt im Aviva-Stadion, um seine Gedanken einen Tag vor dem Spiel darzulegen, kommt er sich vor wie im falschen Film. Der irische Verband hat einen Übersetzer engagiert, der zwar einiges zur Unterhaltung beiträgt, aber eines ganz bestimmt nicht kann: übersetzen. Und darum Petkovic immer wieder stört.

Vielleicht passt das ja ganz gut. Petkovic ist nun seit Sommer 2014 Schweizer Nationaltrainer. Und irgendwie hat man noch immer das Gefühl, er meint vieles gut – wird aber doch immer wieder gestört. Es vergeht kaum ein halbes Jahr, ohne dass ein neuer Brennpunkt auftaucht, den Petkovic nicht löschen kann. Selten geht es dabei um den Fussball. Häufig um das Miteinander und die Kommunikation. Beim letzten Gastspiel in Irland im März 2016 war die Mannschaft gespalten wegen des Balkan-Grabens, Im November 2017 tat er sich schwer, einen Umgang mit den Pfiffen gegen Haris Seferovic zu finden. An der WM lief mit der Doppel-Adler-Affäre alles aus dem Ruder. Und danach moderierte er den Abschied von Behrami, Dzemaili, Djourou und Co. ziemlich unglücklich.

Jetzt rückt der Umgang mit dem Noch-Captain Stephan Lichtsteiner in den Vordergrund. Und am Horizont braut sich ein Gewitter zusammen betreffend Xherdan Shaqiri. Kurz: Petkovic ist wieder einmal unter Druck, er muss sich erneut beweisen, wenn er seine neuen Chefs (allen voran Pierluigi Tami) überzeugen will, länger als bis zur EM 2020 mit ihm zusammenzuarbeiten. Aus sportlicher Sicht muss das kein Nachteil sein. Petkovic hat mehrfach bewiesen, dann er am besten ist, wenn er unter Druck ist. An seiner Fussballkompetenz zweifelt ohnehin niemand. Ein Schweizer Sieg in Irland würde darum kaum überraschen.

Besteht Granit Xhaka die nächste Prüfung?

Im Klub in der Kritik, in der Nationalmannschaft der Steuermann: Granit Xhaka (Bild: Keystone)

Im Klub in der Kritik, in der Nationalmannschaft der Steuermann: Granit Xhaka (Bild: Keystone)

Im Klub bei Arsenal ist Granit Xhaka wieder einmal heftiger Kritik ausgesetzt. Er antwortet kurz und prägnant: «Ich gebe niemals auf». Es ist eine Attitüde, die auch dem Nationalteam für die nahe Zukunft nur hilfreich sein kann. 3:0 führte die Schweiz im EM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark in diesem März. Dann musste der Captain angeschlagen vom Feld und das Team brach ohne seinen Leitwolf mit drei Gegentreffern in den Schlussminuten völlig ein. «Das Spiel haben wir nochmals in voller Länge angeschaut, es war eine neue Erfahrung für uns, ist aber abgehakt.» Das Nationalteam ist dadurch ein wenig in Rücklage, mit den Auftritten im Final-Four-Turnier im Juni seit drei Pflichtspielen ohne Sieg. Und so steht Xhaka, dem es nie an Selbstbewusstsein fehlt, gegen die kampfstarken Iren vielleicht mehr denn je in der Pflicht. Kann er sie als Captain wieder in die Spur führen? Er sagt: «Wir gehen mit einem guten Gefühl in die Partie.»

Wie viel Selbstvertrauen hat Gegner Irland?

Die Stärke der Iren? Das Toreschiessen eher nicht, dafür sind sie für ihre Fighter-Qualitäten bekannt – wie hier Captain Seamus Coleman im Spiel gegen Dänemark (Bild: Keystone)

Die Stärke der Iren? Das Toreschiessen eher nicht, dafür sind sie für ihre Fighter-Qualitäten bekannt – wie hier Captain Seamus Coleman im Spiel gegen Dänemark (Bild: Keystone)

Das bevorstehende Final-Wiederholungsspiel im Gaelic Football oder die Rugby-WM Ende September, das fasziniert die Iren – hier sind sie ja auch Weltklasse. Unlängst zeigten die irischen Fussballer, die Besten sind in mittelmässigen Klubs der Premier League engagiert, indes Aufwärtstendenz und schöpften Selbstvertrauen. Nach zwei einfallslosen Siegen gegen Gibraltar (1:0, 2:0), dem souveränen Erfolg gegen Georgien (1:0) und dem glückhaften Bonuspunkt in Dänemark (1:1) kämen sie mit einem Heimsieg gegen die Schweiz der EM-Endrunde ein schönes Schrittchen näher. Nationaltrainer Mick McCarthy sagt: «Die Schweiz ist schlagbar, wir wollen gewinnen. Wenn dann ein Punkt herausschaut, bin ich wohl zufrieden.»

Fragt sich einfach, wer die Tore schiessen soll. Denn damit hat Irland seine liebe Mühe. Von nominell vier Stürmern im Kader, die Callum Robinson oder David McGoldrick heissen, hat auf A-Stufe noch keiner getroffen. Und natürlich ist die Absenz von Xherdan Shaqiri auch im irischen Lager Thema. Die Schweiz sei ein anderes Team ohne den Liverpooler, sagt McCarthy. Captain Seamus Coleman spricht gar von einem Schub für seine Mannschaft, als er von der Absage hörte. Doch vielleicht wären die «Boys in Green» nicht schlecht beraten, wenn sie sich diese Frage eines irischen Journalisten an Vladimir Petkovic zu Herzen nämen: «Macht Irland einen Fehler, wenn es sich zu sehr auf das Fehlen Shaqiris konzentriert?»

Wie sieht die Zukunft mit Xherdan Shaqiri aus?

Wann sehen die Fans Xherdan Shaqiri wieder im Schweizer Dress wirbeln? Weitet sich sein Verzicht zur Affäre aus? Es ist Diplomatie gefragt. (Bild: Keystone)

Wann sehen die Fans Xherdan Shaqiri wieder im Schweizer Dress wirbeln? Weitet sich sein Verzicht zur Affäre aus? Es ist Diplomatie gefragt. (Bild: Keystone)

Vielleicht liegt Xherdan Shaqiri am Donnerstag Abend in seinem Bett und schaltet den Fernseher ein, um seinen Teamkollegen beim Spielen zuzuschauen. Die Frage ist: Bleibt seine Absenz eine einmalige Angelegenheit oder weitet sich die Geschichte in diesem Herbst gar noch zur Affäre aus? Es ist Petkovic und Shaqiri zuzutrauen, das nötige Fingerspitzengefühl aufzubringen, um dies zu verhindern. Offen ist aber, wie sehr Shaqiris Prioritäten im Team Wirbel verursachen.

Dass die Schweiz einen Shaqiri in guter Form sehr wohl gebrauchen kann, das steht ausser Frage. Genauso wie die Tatsache, dass er seit der WM in Russland und seinem Wechsel vom Flügel in die Mitte ein paar sehr ordentliche Auftritte im Schweizer Dress hingelegt hat. Nun aber fehlt er ausgerechnet zum Start in die heisse Phase der EM-Qualifikation, weil er sich leer fühlt. Seine Mitspieler haben es in der Hand, das Thema mit einem überzeugenden Sieg nicht noch grösser werden zu lassen. Und doch: Shaqiri und seine Leere wird im Oktober so oder so wieder über allem schweben.

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