Kolumne

Langenthal – Die Stadt der Sportfeinde

Wie heisst ist die sportfeindlichste Stadt der Schweiz? Seit dem letzten Sonntag wissen wir es: Langenthal. Diese Behauptung ist sozusagen amtlich besiegelt und vom Volk in einer Abstimmung am Sonntag abgesegnet worden.

Klaus Zaugg
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Wir kennen alle die Sonntagsreden über die Wichtigkeit der Jugendarbeit im Sport. Da und dort wird die sportliche Jugendarbeit durch Steuergelder unterstützt. Zum Beispiel durch Investitionen in die Infrastrukturen. Und landesweit wird die Ausbildung der Jugendtrainer durch Gelder des Bundes gefördert. Nützlichkeit und Segen sportlicher Tätigkeit für die Jugend ­werden also nicht bestritten.

Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Ob eine Stadt für oder gegen Sport ist, lässt sich nicht unbedingt an den Zuschauerzahlen im Profisport ablesen. Sport ist ja viel mehr als bloss Eis­hockey oder Fussball, vorgeführt auf hohem Niveau von jungen Männern, die fürstlich honoriert werden um zu spielen statt zu arbeiten. Ob eine Stadt für oder gegen Sport ist, zeigt sich hingegen an ihrem Verständnis für Jugendarbeit.

Langenthal ist eine wohl­habende Stadt mit rund 16’000 Einwohnerinnen und Ein­wohnern. Sie gehört zu den finanzstärksten im Kanton Bern. Am Sonntag hat das Stimmvolk eine Vergünstigung der Eismiete für die Nachwuchsabteilung des heimischen Hockeyklubs in der stadt­eigenen Eissportanlage um 125’000 Franken pro Jahr abgelehnt. Für eine Nachwuchsabteilung, die von der Liga schon mehrfach für hohe Qualität prämiert worden ist.

Der dazugehörige Hockeyklub, der SC Langenthal, hat der Stadt in den letzten Jahren zudem durch den Gewinn der Meisterschaft in der zweithöchsten Liga in den Jahren 2012, 2017 und 2019 viel Ruhm und Ehre beschert. Aber die Jugendarbeit dieses Hockeyklubs ist den Langenthalerinnen und Langenthalern rein gar nichts wert. Nicht einmal 0,02 Rappen im Tag. So viel hätte die ­Vergünstigung ausgemacht.

Langenthal ist aber nicht nur die sportfeindlichste Stadt. Langenthal ist auch die Stadt der letzten wahren Eishockey-­Romantiker. Noch immer träumen die Hockey-­Verant­wortlichen von einem neuen Stadion. Sie werden die letzten Einsprachever­handlungen erst beenden, wenn der jüngste Tag ausgerufen wird.