Matchbericht & Noten

Die starke Reaktion – wie die Schweiz beim 1:1 den Rivalen Deutschland fast stürzt

Drei Tage nach der 1:2-Niederlage in der Ukraine setzt die Schweiz ein kleines Ausrufezeichen. Beim Unentschieden gegen Deutschland gelingt ihr ein toller Auftritt, der Mut macht für die Zukunft.

Etienne Wuillemin
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Das Schweizer Highlight des Abends: Silvan Widmer trifft zum 1:1. Die Schweiz steht dem Sieg danach näher als Rivale Deutschland.

Das Schweizer Highlight des Abends: Silvan Widmer trifft zum 1:1. Die Schweiz steht dem Sieg danach näher als Rivale Deutschland.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Ist plötzlich sogar der Sieg möglich? Es laufen die letzten Sekunden, die Schweizer spüren noch einmal Aufwind, Akanjis Freistoss fliegt in die Mauer, Xhakas Kopfball knapp neben das Tor. «Kommt noch einmal», ruft derweil Deutschland-Trainer Jogi Löw an der Seitenlinie.

Kurz darauf ist Schluss, es bleibt beim 1:1. Die Schweiz trotzt Deutschland ein Unentschieden ab. Es ist für die Gäste sogar schmeichelhaft. Der Lohn für Vladimir Petkovic und seine Equipe ist zu gering für diesen couragierten, über weite Strecken überzeugenden Auftritt.

Die Schweizer haben sich im Vergleich zum 1:2 in der Ukraine erheblich gesteigert. Sie haben einen Auftritt gezeigt, der gewiss mehr als ein leeres Stadion verdient gehabt hätte.

Der Kaltstart, die Reaktion und Sommers grosse Parade

Was bleibt nach diesem Abend von Basel? Nicht neu ist die Erkenntnis, dass ihnen Gegner wie Deutschland besser liegen, die auch nach vorne spielen und darum Räume offen lassen. Erfreulich war aber auch, wie sehr sich die Schweizer in ihrem Pressing verbesserten. Sie fanden eine gute Balance zwischen forschem Pressing und dezentem Zurückziehen. Sie vermieden es, allzu grosses Risiko einzugehen, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, nur abzuwarten. Und vor allem verzeichneten sie keine leichtsinnigen Fehler.

Petkovic besetzte die Seiten neu. Und die Wechsel gingen auf. Sowohl Benito als auch Widmer überzeugten. Letzterer nicht nur wegen seines Tores. Der Kampf mit Mbabu um die Nachfolge von Lichtsteiners Platz ist lanciert. Dazu überzeugte auch Renato Steffen. Er war bissig, suchte und fand mehrfach die Zwischenräume. Setzte immer wieder Seferovic und Embolo ein. Ihm gelang ein Auftritt, der zeigte, dass es künftig durchaus möglich wäre, Shaqiri auch positionsgetreu zu ersetzen.

Erneut ein früher Schweizer Rückschlag: Bereits nach 14 Minuten bringt Gündogan Deutschland in Führung. Doch die Schweiz erholt sich davon gut.

Erneut ein früher Schweizer Rückschlag: Bereits nach 14 Minuten bringt Gündogan Deutschland in Führung. Doch die Schweiz erholt sich davon gut.

Urs Lindt / freshfocus

Zwanzig Minuten dauerte es, bis das Spiel richtig Fahrt aufgenommen hatte. Zwanzig Minuten, bis es den Schweizern gelang, ihren Respekt abzulegen. Dass es schon 0:1 stand, war nicht zwingend, überhaupt nicht, und doch mussten sie bereits wieder einem Rückstand hinterher laufen. Allein, es hemmte sie nicht. Im Gegenteil. Von Minute zu Minute kamen sie dem Ausgleich näher. Steffen und Seferovic hatten dabei die grössten Chancen. Zwischendurch war es Sommers grosser Reaktion gegen Draxler zu verdanken, dass es nicht plötzlich 0:2 stand.

Der Lohn für das Feuerwerk kam in der 57. Minute, als Widmer die Vorarbeit von Embolo veredelte. Dieser betrieb einen grossen Aufwand, scheiterte zuvor noch mehrfach am Rasen und sich selbst, ehe einer seiner Rushes doch noch von Erfolg gekrönt wurde. Embolo musste später verletzt ausgewechselt werden. Es war die einzige schlechte Nachricht an diesem unterhaltsamen und tollen Fussballabend im leeren Stadion von Basel.

Muss verletzt ausgewechselt werden: Breel Embolo.

Muss verletzt ausgewechselt werden: Breel Embolo.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Die Tore

14. Minute, 0:1, Gündogan: Die Schweizer bringen den Ball im Strafraum nicht weg, aus der zweiten Reihe kommt Ilkay Gündogan und bringt Deutschland mit dem ersten Schuss des Spiels gleich in Führung.

57. Minute, 1:1, Widmer: Der Rechtsverteidiger belohnt sich für seinen couragierten, tollen Auftritt. Embolo trägt den Ball nach vorne und spielt ihn quer in die gefährliche Zone, wo Widmer direkt und ziemlich sehenswert in die untere Ecke verwertet.


Das gab zu reden

Es wäre wahrscheinlich eines der schönsten Eigentore der Geschichte geworden – zum Glück für Djibril Sow landete sein Rückpass, der zum Lob geriet im Aussennetz statt im Tor.

In Zeiten von Corona, wo jedes noch so kleine Geräusch auf dem Platz wegen der fehlenden Zuschauer bestens zu hören ist, fällt auch auf, was die Spieler einander so zurufen. Beispiel: Captain Xhaka weist Embolo mehrfach darauf hin, dass sich dieser doch bitte ein bisschen mehr in der Defensive engagieren soll.

Breel Embolo zeigte einen sehr engagierten Auftritt. Nicht immer gelang ihm alles, aber die Tendenz ist erfreulich. Doch in der 70. Minute endete das Spiel für ihn abrupt, als ihn Ginter, Teamkollege bei Mönchengladbach, rüde foulte und er ausgewechselt werden musste.

Schmerz, Schmerz, Schmerz: Hoffentlich verletzte sich Embolo nicht schlimmer.

Schmerz, Schmerz, Schmerz: Hoffentlich verletzte sich Embolo nicht schlimmer.

Peter Klaunzer / EPA
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