Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vor den Schweizer Meisterschaften in St.Gallen: Warum Judo in der Schweiz um Beachtung kämpfen muss

Weltweit ist es eine der meist ausgeübten Sportarten – in der Schweiz gilt Judo dennoch als Randsportart. Vor den Schweizer Meisterschaften im Athletik Zentrum St. Gallen sagen zwei Kenner, warum das «Raufen im gepflegten Rahmen» mehr Beachtung verdient hätte.
Ralf Streule
Zwei, die den Schweizer Meisterschaften in St. Gallen Vorschub leisteten: Marco Peter (links), Präsident des Judoverbandes St. Gallen-Thurgau-AR, und Marcel Burkhard, zweifacher Olympiateilnehmer und heute Leiter des regionalen Leistungszentrums St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Zwei, die den Schweizer Meisterschaften in St. Gallen Vorschub leisteten: Marco Peter (links), Präsident des Judoverbandes St. Gallen-Thurgau-AR, und Marcel Burkhard, zweifacher Olympiateilnehmer und heute Leiter des regionalen Leistungszentrums St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Es sind schöne Sätze, welche die Judoka formulieren. «Bevor man beim Judo werfen lernt, lernt man fallen», sagt Marco Peter. «Judoprofi sein heisst: Als Profi leben, aber nicht wie ein Profi verdienen», sagt Marcel Burkhard. Schnell wird im Gespräch mit den beiden klar: Judo hat nicht nur eine kämpferische Seite, sondern eben auch eine feinfühlige, eine voller Werte und Haltungen. Peter und Burkhard sind mitverantwortlich, dass die Schweizer Einzel-Meisterschaften am kommenden Wochen­ende im St. Galler Athletik-Zentrum stattfinden (Kasten). Peter ist Präsident des Judoverbandes St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden. Und nun OK-Präsident der Schweizer Meisterschaften. Burkhard, zweimaliger Olympia-Teilnehmer 1972 und 1980, mehrfacher Schweizer Meister und nun Leiter des regionalen Leistungszentrums St. Gallen, gehört ebenfalls zum OK.

Zwei Tage Spitzensport im Athletik-Zentrum

Die Schweizer Einzelmeisterschaften im Judo werden im St. Galler Athletik-Zentrum am Samstag und Sonntag durchgeführt. Gekämpft wird ab 9 Uhr in den Kategorien U18, U21, Elite und Veteranen. Rund 450 Athleten werden teilnehmen, «etwa die doppelte Zahl an Zuschauern erhoffen wir uns», sagt OK-Präsident Marco Peter. Am Eliteturnier vom Samstagnachmittag werden unter anderen die Olympia-Teilnehmer von Rio, Ciril Grossklaus und Evelyne Tschopp, mit von der Partie sein. Aus Ostschweizer Sicht sind Timo Allemann und Carina Hildbrand in ihren Kategorien Favoriten auf den Elitetitel. (rst)

Schweizer Meisterschaften in einer olympischen Sportart? Da rechnet man doch mit vielen Zuschauern? Mitnichten. «Es wird fast nur das Fachpublikum da sein», sagt Burkhard.

Eine Sportart zwischen Erfolg und Nichtbeachtung

Judo hat es schwer in der Schweiz. Während die Kampfsportart in osteuropäischen Ländern oder Japan, ja auch in Brasilien, Ägypten oder Frankreich zu den Volkssportarten zählt, macht ihr hierzulande wohl auch das populärere Schwingen das Leben schwer. Zwar wird man als olympische Sportart von Swiss Olympic gefördert: Die Tradition ist gross, dank regelmässiger Olympia-Teilnahmen von Schweizer Athleten wie zuletzt Ciril Grossklaus und Evelyne Tschopp, dank des Olympiasiegs Jürg Röthlisbergers 1980 oder der Bronzemedaille von Sergei Aschwanden 2008. Und man zählt immerhin rund 20 000 Aktive in der Schweiz - drei Mal mehr als die Schwinger. Andererseits wird man aber vom hiesigen Sportpublikum kaum wahrgenommen. Auch die fehlende mediale Unterstützung spiele da wohl mit, sagt Burkhard. Das Schweizer Fernsehen werde an den Meisterschaften in St. Gallen nicht vor Ort sein. Immerhin: Die Aktivenzahlen blieben zuletzt stabil. Einen kleinen Rückgang hatte man im vergangenen Jahrzehnt zwar zu verzeichnen, 2018 stieg die Zahl aber wieder. Zuletzt wurde viel Aufwand betrieben, nationale Leistungszentren wurden aufgebaut. In der Ostschweiz besuchen rund 20 Judoka die Sportschule. Zwei haben es ins nationale Leistungszentrum geschafft und träumen von Olympia: Der Wiler Timo Allemann, der aktuell die Spitzensport-RS absolviert, und die Oberuzwilerin Carina Hildbrand. Beide werden an den Schweizer Meisterschaften teilnehmen.

«Judo ist eine Lebensschule»

Sicher ist: Reich wird kein Schweizer Judoka. «Das hat auch seine Vorteile: Bei uns rennt keiner dem Geld nach», sagt Peter. So bleiben am Ende die Tugenden, welche sich die Judoka auf die Fahne geschrieben haben. Peter spricht vom «Raufen im gepflegten Rahmen», das einer Lebensschule gleichkomme, vom Selbstbewusstsein, welches Judo fördere. «Judoka trainieren gemeinsam, müssen aber auf der Matte alleine Verantwortung übernehmen. Eine gute Mischung.» Judoka wirken auch ohne Ruhm zufrieden.

Evelyne Tschopp (links), die derzeit beste Schweizer Judoka, hier an der EM 2018 in Tel Aviv, wird ebenfalls an der Schweizer Meisterschaften im Athletik-Zentrum teilnehmen. (Bild: Ariel Schalit/AP)

Evelyne Tschopp (links), die derzeit beste Schweizer Judoka, hier an der EM 2018 in Tel Aviv, wird ebenfalls an der Schweizer Meisterschaften im Athletik-Zentrum teilnehmen. (Bild: Ariel Schalit/AP)

Was Judo filigraner macht als Schwingen

Schwingen und Judo gleichen sich in den Wurftechniken. «Ein Kniestich ist bei uns ein O-soto-gari, ein Hüfter ist ein O-goshi», erklärt der ehemalige Spitzenjudoka Marcel Burkhard. Unterschiede finden sich – natürlich – in der Unterlage und der Kleidung. Aber nicht nur. Dass Judo als filigraner gilt, hat andere Gründe. Erstens: Die Schwinger lässt man erst kämpfen, wenn sie die Zwilchhose des Gegners gefasst haben. Im Judo ist die Griffsuche hingegen ein Bestandteil des laufenden Kampfs. Meist wird an den Armen und Schultern gegriffen. Dadurch ist der Körperschwerpunkt bei den Würfen der Judoka meist viel höher – «im Judo ist somit die Technikkomponente wichtiger als die Kraft». Zweitens: Die Gewichtskategorien im Judo erlauben es auch leichteren Athleten, Spitzensport zu betreiben. Im Schwingen hingegen sind meist nur die Schwersten in den vordersten Rängen zu finden.

Drittens: Im Judo werden technisch gut ausgeführte Würfe mit Punkten belohnt, auch wenn der Gegner nicht auf dem Rücken zu liegen kommt. Dem Schwinger hingegen bringt ein technischer Topwurf wenig – wenn der Gegner am Ende nicht auf dem Rücken liegt. Auch diese Konstellation macht Judo technischer. Immerhin: Ein angriffiger Kampf wird auch im Schwingen mit Punkten belohnt. Viertens: Im Schwingen gilt die einfache Regel: Wer auf dem Rücken liegt, hat verloren. Anders im Judo. Ein Kampf ist zwar sofort beendet, wenn der Athlet mittels Wurftechnik direkt auf den Rücken befördert wird. Geht das Duell aber in den Bodenkampf, muss der Gegner für 20 Sekunden auf dem Rücken fixiert werden. Oder per Würge- oder Hebeltechnik zum Aufgeben gezwungen werden. «Der Bodenkampf wird somit interessanter», sagt Burkard. Trotz der Unterschiede gibt es Berührungspunkte der Sportarten. So begann Schwinger Armon Orlik als Judoka. Er stammt schliesslich aus einer Judo-Familie. Sein Bruder Flavio wird 2019 Judo-U21-Nationaltrainer. (rst)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.