Die Super League der Frauen spielt verrückt, und die FCL-Spielerin Flavia von Känel steht mittendrin

Der FC Luzern verliert gegen den FC Zürich 1:3. FCL-Innenverteidigerin Flavia von Känel sagt: «Offensiv müssen wir draufpacken.»

René Barmettler
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Die Luzerner Innenverteidigerin Flavia von Känel (rechts) versucht die Zürcher Stürmerin Meriame Terchoun abzuschütteln.

Die Luzerner Innenverteidigerin Flavia von Känel (rechts) versucht die Zürcher Stürmerin Meriame Terchoun abzuschütteln.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2021)

Es stand 1:1 gegen die Favoritinnen aus Zürich. Es lief die 88. Minute, die Luzerner Innenverteidigerin Chantal Ruf und Zürichs Riana Fischer lieferten sich ein Laufduell, das sich bis in den Strafraum hinzog. Dann, eine leichte Berührung am Rücken der eingewechselten Zürcherin, die sich sofort fallen liess. Für den Schiedsrichter reichte dies, um auf Foulpenalty zu entscheiden. Martina Moser, die knapp eine halbe Stunde zuvor einen Eckball direkt zum 1:0 verwandelt hatte, traf auch vom Elfmeterpunkt – 2:1. Das 3:1 durch Fabienne Humm in der Nachspielzeit war dann noch das Ergebnis eines Konterangriffs.

Bitter für die Luzernerinnen, die zuletzt einen Aufwärtstrend verzeichneten. Mindestens ein Punktgewinn hätte zu dieser Runde gepasst, denn die Super League spielt derzeit verrückt: Lugano holte beim 2:1 gegen die zuvor drittplatzierten Baslerinnen den ersten Saisonsieg – nach 20 Partien. Das vorletzte St.Gallen-Staad bezwang die Young Boys sogar mit 6:2. Die FCL-Innenverteidigerin Flavia von Känel sagt:

«In dieser Saison und Liga ist alles möglich.»

Schwächelnde Spitzenklubs, aufstrebende Luzernerinnen, die sich vom schwachen Saisonstart definitiv erholt und inzwischen gegen jeden Ligakonkurrenten schon gepunktet hatten. Das ist sicher auch das Verdienst der 22-Jährigen aus Otelfingen, einer Gemeinde unmittelbar in Zürichs Nachbarschaft. Begann sie die Saison im Mittelfeld, stellt sie nun mit Ruf die Innenverteidigung. Seit dem so ist, erhält der FCL nicht mehr viele Gegentore. Dass es bisher nicht zu mehr Zählern für die sechstplatzierten Luzernerinnen gereicht hat, ist der fehlenden Abschlussstärke geschuldet. «Defensiv halten wir gut mit, offensiv müssen wir draufpacken.» Ihr Team müsse noch konsequenter den Abschluss suchen, analysiert von Känel weiter.

Mit der U17 gewinnt von Känel EM-Silber

Flavia von Känel wuchs in einer sportbegeisterten Familie auf. Auch wenn sich ihr Vater und ihr Bruder dem Eishockey zugewandt hatten, verbrachte das Trio viel Zeit auf dem Fussballplatz. Von 2010 (U14) bis 2019 spielte sie beim Spitzenklub FC Zürich. Danach verschlug es sie für ein halbes Jahr nach Atlanta (Georgia), wo sie ein Sport-College besuchte. Nach ihrer Rückkehr empfahl ihr FCL-Mittelfeldspielerin Sabrina Jackson, sich doch bei Trainer Glenn Meier zu melden und in die Innerschweiz zu wechseln.

Gesagt, getan: Seither pendelt die ehemalige Nachwuchs-Internationale, die mit der U17 in Island EM-Silber gewann, mit dem Auto. Das Ziel war klar:

«Ich will in dieser Liga Fuss fassen.»

Den Schritt ins Ausland lässt sie sich offen, zurzeit macht es ihr in Luzern Spass und «mega Freude, dass wir in Zukunft die Infrastruktur des FC Luzern mitbenützen dürfen». Das zumindest hat Stefan Wolf, der neue Präsident der FCL-Männerprofis, für die Saison 2022/23 in Aussicht gestellt.

Flavia von Känel sucht eine Anspielstation.

Flavia von Känel sucht eine Anspielstation.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2021)

Flavia von Känel absolvierte eine KV-Lehre bei einer Versicherung, arbeitet derzeit bei einer Autofirma in Döttingen. Ihr Ziel ist eine Weiterbildung in Marketing, sportlich sieht sie sich dereinst durchaus als Fussballtrainerin, «um meine Erfahrungen weitergeben zu können». Seit November macht sie mit dem FCL die Erfahrung, Spitzenklubs zu ärgern. «Mir gefällt die Rolle des Underdogs. Nach den Siegen gegen St.Gallen-Staad und Young Boys wissen wir, dass wir etwas bewirken können.» Gegen den FCZ hat es um ein Haar nicht gereicht.

Luzern – Zürich 1:3 (0:0)
Leichtathletik-Stadion. – 0 Zuschauer.
Tore: 63. Moser 0:1. 65. Höltschi 1:1. 89. Moser (Foulpenalty) 1:2. 94. Humm 1:3.
Luzern: Romero; Sager, Ruf, von Känel, Klotz (92. Häring); Schnider (92. Scherer), Bienz; Höltschi (72. Graf), Jackson (59. Furger), Pando; Fölmli.
Zürich: Peng; Lempérière, Stierli, Mimoza (70. Fischer); Andrade (71. Dubs), Matsushita (70. Regazzoni), Moser, Piubel; Enz (91. Wulff); Terchoun, Humm.