Fussball
Servette-Star Gaël Clichy: «Die Super League ist nicht so schlecht, wie sie gemacht wird»

Gaël Clichy, französischer Ex-Fussballnationalspieler und dreifacher englischer Meister, trifft am Donnerstag mit Servette auf den FC Luzern. Im Interview spricht er über seinen Wechsel nach Genf - und seine Abneigung gegen Kunstrasen.

Interview: Nicola Berger
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Gaël Clichy hat sich in Genf schnell eingelebt

Gaël Clichy hat sich in Genf schnell eingelebt

Bild: Urs Lindt/freshfocus (Genf, 13. Dezember 2020)

Seit drei Monaten hat Servette mit Gaël Clichy einen äusserst prominenten Namen im Kader. Der 35-jährige linke Verteidiger, mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet, spielte unter anderem für Arsenal London (2003–2011, Meister 2004, FA-Cupsieger 2005) und Manchester City (2011–2017, Meister 2012, 2017) und absolvierte 20 Länderspiele für Frankreich, unter anderem an der WM 2010 und der EM 2012.

Warum sind Sie beim Servette FC gelandet?

Gaël Clichy: Ich hätte bei Basaksehir in Istanbul verlängern und dort Champions League spielen können. Es gab Angebote aus Belgien, Schottland, England. Aber ich habe mich mit meiner Familie dafür entschieden, nach Genf zu ziehen, damit meine Kinder dort die internationale Schule besuchen können. Da lag Servette nahe. Ich habe im Herbst angefragt, ob Interesse bestehe. Und dann haben wir uns gefunden.

Mit dem Servette-Sportchef Philippe Senderos spielten Sie einst bei Arsenal...

Ja. Wir landeten 2003 am gleichen Tag, am gleichen Flughafen in London, als Teenager. Dann haben wir uns drei Jahre das Zimmer geteilt. Wir kennen und schätzen uns also seit langem und haben den Kontakt über die Jahre aufrechterhalten. Jetzt hat er mir die Integration sehr leicht gemacht. Es fühlt sich an, als wäre ich schon lange hier.

Sie spielten unter Arsène Wenger und später unter Josep Guardiola und Roberto Mancini. Was ist geblieben von der Zeit mit diesen Trainergrössen?

Ich habe von allen viel lernen können. Guardiola hat nicht auf mich gesetzt, aber er hat es hingekriegt, dass im Training jeder 200 Prozent gibt. Er war in jeder Hinsicht beeindruckend. Ich habe in meiner Karriere viel erlebt. Nun hoffe ich, dass ich die Erfahrungen irgendwann selber als Coach weitergeben kann.

Sie spielten mehr als ein Jahrzehnt in der Premier League. In englischen Medien steht, Sie hätten bei Manchester City 90000 Pfund verdient. Pro Woche. Hat das Geld Sie verändert?

Ich glaube nicht. Ich stamme aus normalen Verhältnissen. Für meine Eltern ist das Business weit weg. Wenn ich nach Hause komme, bin ich Gaël. Und nicht Gaël, der Fussballstar. Das Geld war für mich nie ein Treiber. Ich spiele Fussball, weil ich den Sport liebe. Weil es sich für mich nicht wie Arbeit anfühlt. Wie viele Leute können das sagen, dass ihr Job ein Vergnügen ist? Fussball ist etwas Spezielles, gerade in England. Da gibt es Leute, die sind eine ganze Woche lang miserabel gelaunt, wenn ihr Team verliert. Man hat eine Verantwortung als Spieler.

Entfaltet der Fussball die gleiche Faszination, wenn man in Vaduz und Sion spielt statt im Old Trafford vor 80000 Zuschauern?

Natürlich ist das nicht das Gleiche. Aber nein, an der Leidenschaft ändert sich nichts. Das hier ist eine neue Herausforderung, die mich auch wieder packt. Die Super League ist nicht so schlecht, wie sie gerade auch in der Schweiz gemacht wird, es gibt hier Qualität. Das Einzige, was mich stört, ist der Kunstrasen. Ich habe in meiner ganzen Karriere nie auf Kunstrasen spielen müssen. Ich halte ihn für eine gesundheitsgefährdende Zumutung, der im Profifussball nichts verloren hat.

Auch in Genf wäre beinahe ein Kunstrasen verlegt worden...

Ja, das wäre für mich ein Grund gewesen, den Transfer nicht zu machen. Ich habe keine Lust, jedes Wochenende meine Gesundheit zu riskieren.

Welche Ziele haben Sie sich mit Servette gesteckt?

Sehen Sie, bei Basaksehir haben wir letzte Saison den ersten Titel der Klubgeschichte geholt. Daran werden sich die Menschen noch in 50, 60 Jahren erinnern. Darum geht es doch: etwas zu hinterlassen, Geschichte zu schreiben, den Leuten einen Grund zu geben, stolz auf ihr Team zu sein. Bei Servette wäre es eine wunderbare Sache, wenn wir das europäische Geschäft erreichen könnten. Für mich ist es wieder eine neue Stadt, eine neue Erfahrung. Bis jetzt stand ich immer bei Klubs unter Vertrag, die in ihrer Stadt in Sachen Popularität nicht die Nummer 1 waren: Arsenal, City, Basaksehir. Bei Servette ist das anders. Und es fühlt sich gut an.