Die Tage der Wahrheit: Schweizer Frauen Nati vor Barrage gegen Belgien

Das Schweizer Nationalteam hat die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft fahrlässig verpasst. Nun folgt die schwierige Barrage.

Etienne Wuillemin und Jonas Schneeberger
Drucken
Teilen
Teamstütze der Schweizerinnen: Lia Wälti (Mitte). (Bild: Andy Müller/Freshfocus (Schaffhausen, 5. April 2018))

Teamstütze der Schweizerinnen: Lia Wälti (Mitte). (Bild: Andy Müller/Freshfocus (Schaffhausen, 5. April 2018))

Wenn das nur kein schlechtes Zeichen ist. Die Nationaltrainerin kränkelt. Es ist die Woche vor den WM-Barrage-Spielen Schweiz gegen Belgien. Martina Voss-Tecklenburg (50) macht eine Bronchitis zu schaffen, die kalten Temperaturen im gut 30 Kilometer östlich von Brüssel gelegenen Louvain helfen auch nicht wirklich. Heute (20.30 Uhr, SRF info) beginnen für die Schweizerinnen die Tage der Wahrheit.

Es gilt, sich via Umweg doch noch für die WM 2019 in Frankreich zu qualifizieren. Der erste Anlauf ist missglückt. Die Schweiz verspielte vor gut einem Monat gegen Schottland (1:2) und Polen (0:0) die hervorragende Ausgangslage auf den Gruppensieg in der Qualifikationsgruppe. Und verpasste damit die direkte WM-Qualifikation.

Der Schlüssel zum Erfolg

Anders als die Männer müssen die Frauen in der Barrage zwei Duelle (jeweils mit Hin- und Rückspiel) für sich entscheiden, um doch noch an die WM zu kommen. Zuerst wartet Belgien. «Die Ausgangslage ist völlig offen», sagt Voss-Tecklenburg. Vermutlich sind die Schweizerinnen leicht zu favorisieren. Im Fall eines Sieges aber käme es im November entweder zum Duell mit dem Europameister Holland oder dem EM-Finalisten Dänemark. Und da wären die Schweizerinnen klar Aussenseiter. Den Schlüssel zum Erfolg gegen Belgien sieht Voss-Tecklenburg in der Effizienz vor dem gegnerischen Tor. «Wir müssen unsere Chancen besser ausnützen», fordert sie, nachdem ihre Schützlinge im Abschluss zuletzt zu oft gesündigt haben. Als Nummer 23 des Fifa-Rankings ist Belgien das günstigste Los für die an 18. Stelle geführte Schweiz. Auch wegen der unterschiedlichen Gemüts­lagen weist Voss-Tecklenburg die Favoritenrolle von sich: «Belgien kommt in einer Euphorie in dieses Duell und ist gefühlt bereits ein Gewinner. Die Chancen stehen 50:50, und das ist kein Understatement.» Viel hängt beim Gegner, der sich die nötigen Punkte für die Playoffs auf der Zielgeraden der Gruppenphase sicherte, von Tessa Wullaert ab. Die Stürmerin von Manchester City kann Spiele im Alleingang entscheiden. «Sie sorgt für die Überraschungsmomente», weiss Lia Wälti, die im Sommer von Potsdam zu Arsenal wechselte.

Die in den ersten sechs Qualifikationsspielen siegreichen und dann zweimal patzenden Schweizerinnen mussten sich mental neu aufrappeln, was zunächst nicht leicht fiel. Nun sagt Wälti: «Es ist gut, dass wir in den letzten vier Wochen in den Klubs frische Luft schnappen konnten. Jetzt ist die Gruppenphase abgehakt und wir sehen die Playoffs als neue Chance.»

Halbfinals. Hinspiele, heute: Belgien – Schweiz (20.30, SRF info). Niederlande – Dänemark. – Rückspiele, Dienstag, 9. Oktober: Schweiz – Belgien (19.00, Biel). Dänemark – Niederlande. – Final: 5. und 13. November. – Modus: Sieger qualifiziert sich als neunte europäische Nation für WM 2019 in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli 2019).