Super League

Die Talent-Planung des FC Basel ähnelt der von Real Madrid

18 Spieler aus dem Basler Nachwuchs spielen bei anderen Klubs. So stellt der FC Basel sicher, dass die Besten zurückkommen.

Sébastian Lavoyer
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Nicht nur in der Liga top: Die Jugendarbeit des FCB ist vorbildlich.

Nicht nur in der Liga top: Die Jugendarbeit des FCB ist vorbildlich.

Keystone

Der FC Basel und Real Madrid haben das gleiche Problem: Die erste Mannschaft ist zu stark, als dass regelmässig Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung dorthin schaffen würden. Natürlich bewegen wir uns auf einem ganz anderen Niveau (Marktwert Real Madrid: rund 820 Millionen Franken; Marktwert FC Basel: rund 55 Millionen Franken). Die Problematik jedoch bleibt die gleiche. So suchen immer wieder Talente das Weite. Sie gehen, um zu spielen. Praxis ist das Zauberwort einer jungen Karriere.

Bei Basel stehen rund 15 Nationalspieler im Kader der ersten Mannschaft. Sie spielen zum Beispiel für Albanien, Kolumbien, Ägypten oder Paraguay. «Vielleicht verstopfen wir die Pipeline zu sehr, wenn wir zu viele Spieler von aussen holen», bemerkte Georg Heitz letzten Herbst selbstkritisch. Talente aus dem Nachwuchs kommen an dieser Mauer aus Topspielern kaum vorbei. Im aktuellen Kader stehen nur zwei Spieler aus dem viel gelobten Campus: Stammspieler Taulant Xhaka (25) und der eben in die erste Mannschaft nachgerückte Linksverteidiger Raoul Petretta (19).

Spieler, die aus der Talentschmiede des FCB kommen und zwischen dem 16. und 21. Lebensjahr mindestens 3 Jahre beim FCB-Nachwuchs und nun in der Super League für einen anderen Verein spielen.

Spieler, die aus der Talentschmiede des FCB kommen und zwischen dem 16. und 21. Lebensjahr mindestens 3 Jahre beim FCB-Nachwuchs und nun in der Super League für einen anderen Verein spielen.

Swiss Football Study 2017

Die Mauer ums Joggeli drängt viele Nachwuchs-Hoffnungen weg – wie zuletzt Charles Pickel (19). Heute kommt er zurück ins Joggeli. Als Zuschauer. Die Ärzte bremsen ihn aus, obwohl er auf den Einsatz mit GC gegen seinen alten Arbeitgeber brennen würde. Wegen einer Hirnerschütterung. Pickel ist kein Einzelfall: Sieben der Spieler aus der Grafik sind 23-jährig oder jünger.

Bei einigen könnte es gut sein, dass sie schon im Sommer zurückkehren. Bald-Präsident Bernhard Burgener und der designierte Sportchef Marco Streller wollen künftig mehr auf Eigengewächse setzen, dem FCB eine Portion Basel zurückgeben. Und bei den Stürmern Seydou Doumbia und Marc Janko laufen die Verträge aus. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden beide im Sommer den Verein verlassen. Zugleich hat Basel die Stürmer Cédric Itten (20) und Nicolas Hunziker (21) an Luzern respektive GC ausgeliehen.

Neuster Trend: Rückkaufoption

Leihgeschäfte sind aber nur eine Möglichkeit, um einen Spieler bei einem anderen Verein unterbringen zu können, wenn man mit dem Gedanken spielt, sie danach wieder zu integrieren. Real Madrid gilt als Erfinder einer anderen Variante: der Rückkaufoption. Letzten Sommer erlangte diese Form der vertraglichen Regelung der Talententwicklung Bekanntheit, als Real Alvaro Morata, damals 23-jährig, nach zwei Saisons bei Juventus Turin zurück nach Madrid holte.

Swiss Football Study 2017

20 Millionen zahlten die Italiener für Morata. So billig kriegten sie das spanische Riesentalent nur, weil sie zugleich den Königlichen das Recht zugestanden, zu einem Zeitpunkt rund zwei bis drei Monate vor Saisonende darüber zu befinden, ob sie Morata zurückwollten oder nicht. Zu einem festgelegten Preis. Einem Preis natürlich, der im Fall, dass Morata einschlagen sollte, deutlich unter dem eigentlichen Marktpreis liegt. Real holte Morata letztlich im Sommer 2016 für 30 Millionen zurück.

Auch in der Schweiz gibt es Spieler, die in ihren Verträgen Rückkaufoptionen haben. Ein Phänomen, das vor einem knappen Jahr in die Schweiz überschwappte. Solche Optionen kommen oft in Verträge, wenn die kaufenden Vereine – Vereine wie Thun, Lausanne oder auch St. Gallen – zu wenig Budget haben, um die fälligen Ausbildungsentschädigungen zu berappen. Rund 200 000 bis 300 000 Franken würden bei einem 20-jährigen Spieler fällig. Einem Spieler, der ohne oder mit ganz wenig Erfahrung in die Super League kommt. Das Risiko ist hoch. Also gewährt man eine Rückkaufoption. Insider vermuten, dass vor allem der FCB und YB so vorgehen.

Charles Pickel ist vor kurzem zu GC gewechselt.

Charles Pickel ist vor kurzem zu GC gewechselt.

Keystone

Eine weitere Möglichkeit, den Preis für einen Spieler zu senken, sind Weiterbeteiligungen bei Transfers. Bestes Beispiel: der Xhaka-Transfer von Gladbach zu Arsenal. Von den rund 40 Millionen, die Gladbach kassierte, gingen 10 direkt auf das FCB-Konto. Dafür zahlte der Bundesligist 2012 «nur» 12 Millionen Ablöse. Gut möglich, dass eine solche Weiterbeteiligung auch bei Pickel im Vertrag steht. Der FCB weiss, wie er seine Talente zu managen hat. Da steht man Real kaum nach.