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Dominique Gisin – die Überfliegerin aus Engelberg

Dominique Gisin bringt vieles unter einen Hut. Sie beendete vor kurzem ihr Physikstudium, sie wird ab Oktober CEO der Schweizer Sporthilfe, sie setzt sich für die Fliegerei ein. Ein Besuch auf dem Flugplatz in Kägiswil.
Claudio Zanini
Ein kongeniales Duo: Dominique Gisin mit einer Cessna 182. Im Hintergrund rechts das Stanserhorn. (Bild: Eveline Beerkircher (Kägiswil, 12. September 2018))

Ein kongeniales Duo: Dominique Gisin mit einer Cessna 182. Im Hintergrund rechts das Stanserhorn. (Bild: Eveline Beerkircher (Kägiswil, 12. September 2018))

Dominique Gisin hat im Hangar des Flugplatzes Kägiswil aufgetischt. Käse vom Produzenten ihres Vertrauens aus Engelberg, Trockenfleisch, Brot, dazu Mineralwasser. Beat Gisin, der Vater der Olympiasiegerin, ist auch da, er füllt die Gläser auf. Später, während des Referats seiner Tochter, wird er mit einem fachmännischen Handgriff dem Beamer auf die Sprünge helfen.

Die ehemalige Skifahrerin ist Präsidentin des Vereins Pro Flugplatz Kägiswil. In dieser Funktion hat sie eine Gruppe von Aviatikern eingeladen, um über ihre sportliche Karriere, ihre Ausbildung zur Pilotin und den Standort Kägiswil zu sprechen. Die 33-Jährige gibt dem Flugplatz, der mit politischen Widerständen zu kämpfen hat, ein Gesicht.

Aktuell befindet sie sich «im Endspurt» zur Berufspiloten­lizenz. Der Fliegerei will sie allgemein mehr Zeit widmen. Und es könnte klappen, denn ein grösseres Projekt ruht seit kurzem. Im Juli und August legte sie die Bachelorprüfungen in Physik an der ETH Zürich ab. Am vergangenen Sonntag erledigte sie die letzten Korrespondenzen mit dem Studiensekretariat.

Ob sie je einen Master anhängen wird, steht in den Sternen. Das Studium packte sie aus purer Neugier an. Nicht, um zukünftige Jobs zu bekommen. «Ich kann mir nicht vorstellen, in die Forschung zu gehen. Da gibt es Leute, die das besser können», sagt sie. «Aber es war sehr faszinierend, einmal in diese Welt ein­zutauchen.» Zwar sei es ein abstraktes Fach, aber dafür erhalte man im Gegenzug einen reich bestückten Werkzeugkasten. «Man lernt logisch zu denken, ein Problem analytisch anzugehen, von dem profitiere ich im Alltag.» Auch sprachlich scheint das Studium in Zürich auf die Engelbergerin abgefärbt zu haben. Es habe ihr «uu» viel gebracht, es sei «uu» schön gewesen.

Fünf Operationen als Teenager

Doch wenn Engagements verschwinden, ploppen schnell ­einmal neue auf. So funktioniert das bei Gisin. Ab dem 1. Oktober ist sie Geschäftsführerin der Schweizer Sporthilfe. Eine renommierte Stiftung, die seit 48 Jahren Athleten unterstützt und jährlich 8,7 Millionen Franken Fördergelder an über 900 Athleten verteilt. Gisin hat bei der Sporthilfe ein Pensum von 33 Prozent. Im November wolle man erste Konzepte kommunizieren, sagt sie. Die Aufgabe ist auf sie zugeschnitten. Zum einen weiss sie, wie die Athletensicht in der nüchternen Realität aussieht. «Ein Drittel aller Athleten verletzt sich in einer Saison.» Und zum anderen ist sich die Öffentlichkeit einig, wenn es um Gisin geht. Sie gilt als Sympathieträgerin, gescheit und eloquent dazu.

Verletzungen sind ein Teil des Spitzensports, heute wie morgen. Gisin hatte aber Verletzungen für mehrere Sportler­leben. Als sie sich den Aviatikern vorstellt, sagt sie: «Zwischen 15 und 19 Jahren war ich mehr im Spital als auf der Skipiste.» Es ist keine Übertreibung. Zwischen 15 und 19 Jahren wurde sie tatsächlich fünfmal am Knie operiert.

Physik während zwei Läufen

Der Sport bleibt ihre Herzens­angelegenheit, ihre Kernkompetenz. Von den Skipisten kam sie seit ihrem Rücktritt 2015 nicht weg. Letzte Saison stand sie als Expertin beim Schweizer Fernsehen im Einsatz. In gleicher Form werde die ­Zusammenarbeit nicht weiterlaufen, rein aus Zeitgründen, sagt sie. Mit den Verantwortlichen am Leutschenbach habe sie nach der Anfrage der Sporthilfe das Gespräch gesucht, Details behält sie noch für sich, man habe aber eine gute Lösung gefunden. Ein cooler Job sei es, das Kommentieren am Fernsehen. Tote Zeiten während der Übertragung liess sie selten ­ungenutzt. Das belegt auch ein Bild auf Instagram, auf dem sie zwischen zwei Läufen physikalische Formeln büffelt.

Vieles unter einen Hut bringen – wahrscheinlich gibt es wenige Leute, die das so gut beherrschen wie Gisin. Und man staunt, wie viel unter diesem einen Hut Platz haben kann. So ist sie etwa Botschafterin des Roten Kreuzes und der Dargebotenen Hand. Im Frühling dieses Jahres wurde sie überdies in den Verwaltungsrat der Titlisbahnen gewählt. 96 Prozent der Aktionäre stimmten für sie, es war das beste Resultat aller Verwaltungsräte. Die Aura der Olympiasiegerin scheint auch viereinhalb Jahre nach der Goldmedaille nicht zu verblassen.

Ein Flugplatz im Gegenwind

Die ehemalige Skifahrerin Dominique Gisin präsidiert den Verein Pro Flugplatz Kägiswil. Der Verein setzt sich für den Erhalt des Flugplatzes ein, «damit junge Leute zu vernünftigen Preisen fliegen lernen können», sagt sie. Der Flugplatz ist seit geraumer Zeit ein Politikum im Kanton Obwalden. Bis 1954 wurde er als reiner Militärflugplatz genutzt, mittlerweile nur von Privatflugzeugen.

Hoch gingen die Wogen 2013, als es um den Kauf des Flugplatzes durch den Kanton und eine mögliche Aufhebung ging. Die Stimmbevölkerung äusserte sich mit einem Nein-Anteil von 62 Prozent deutlich gegen das Ansinnen der Regierung.

Aktuell kommt eine neue Idee von der kantonalen FDP. Sie will prüfen lassen, ob der Flugplatz Alpnach, ein rein militärischer, auch von Privatflugzeugen genutzt werden könne. Wäre die Nutzung zulässig, könne Kägiswil aufgehoben werden. Die Idee sei unrealistisch, finden die ­Gemeinden Sarnen und Alpnach sowie die Flugplatzgenossenschaft Obwalden. (cza)

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