Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ex-Radprofi Grégory Rast im Interview: «Die wissen nicht, wie es ist, zu leiden»

Grégory Rast war 17 Jahre lang Profi, jetzt ist er Sportlicher Leiter im Team von Trek-Segafredo. Der 39-jährige Chamer spricht über die neue Aufgabe, einen Dopingfall, und er verrät, welcher Sport ihm ebenfalls grosse Freude macht.
Interview: Stephan Santschi
Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext (Bild: Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext)

Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext (Bild: Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext)

Bei Ihrem Rücktritt vor acht Monaten sagten Sie, sie wollten nicht 20 Kilo zunehmen. Ist es doch passiert?

Grégory Rast: (lacht) Nicht ganz, nein. Ich hatte einen guten Winter, war viel Ski fahren und auf Skitouren. Ich achte seit meinem Rücktritt noch mehr darauf, dass es beim Essen nicht ausartet.

Wie gelang Ihnen die Abnabelung vom aktiven Profisport?

Sehr gut, das ist für mich abgeschlossen. Ich weiss, dass viele Fahrer damit Mühe haben. Jahrelang ist man im Radzirkus unterwegs, fühlt sich wie ein König, weil einem alles rund um den Sport abgenommen wird. Ich hatte aber das Glück, mit der Anstellung als Sportlicher Leiter nahtlos weiterzumachen, früh sind wir schon wieder ins Trainingslager eingerückt. Hätte ich diese Chance nicht erhalten, wüsste ich nicht zu 100 Prozent, was ich gemacht hätte. Dann hätte ich auch nicht ausschliessen können, wieder als Spengler auf dem Bau zu arbeiten.

Wie sieht Ihre neue Rolle als Sportlicher Leiter beim Profiteam Trek-Segafredo aus?

Es ist etwas ganz anderes. Ich bin an vielen Meetings, mache die Jahresplanung und teile die Fahrer an die Wettkämpfe ein. Dazu gehört auch viel Arbeit am Computer, was ich früher nicht gemacht habe. Daneben bin ich noch immer rund 150 Tage im Jahr on the Road. Insgesamt sind wir fünf Sportdirektoren und meist zu zweit an einem Rennen für Taktik und Organisation verantwortlich.

Soeben waren Sie an der Tour de Suisse im Einsatz, wo John Degenkolb und Jasper Stuyven zwei Etappen-Podestplätze für Trek-Segafredo herausfuhren. Wie schätzen Sie Ihr Team ein?

Wir haben insgesamt 25 Fahrer. Es ist eine solide Truppe, die sicher noch etwas mehr herausholen könnte. Unser Aushängeschild ist der Australier Richie Porte, der letztes Jahr die Tour de Suisse gewann und nun ein Kandidat für die Top 5 der bevorstehenden Tour de France ist.

Welche Werte geben Sie den Fahrern mit?

Ich rede sehr gerne mit ihnen und teile ihnen nicht einfach nur meinen Plan mit. Ich bin der Chef, ich entscheide, doch ich kenne die Beine der Fahrer nicht und deshalb möchte ich auch ihre Ideen hören. Mein Chef sagte mir bei meiner Einstellung: «Richtige Champions kannst du als Sportlicher Leiter nicht gebrauchen, die wissen nicht, wie es ist, zu leiden.» Mir sind die Arbeitsmoral und der Teamspirit sehr wichtig.

Was leiden bedeutet, haben Sie während Ihrer 17 Jahre als Profi erlebt. Sie bezeichneten sich selbst als Wasserträger. Wie kam es dazu?

Ich hätte die Klassiker Paris–Roubaix und Flandern-Rundfahrt mehrmals gewinnen können, wenn ich die Beine dazu gehabt hätte. Doch es hat nie gereicht, oft war ich zwischen den Plätzen 10 und 20 klassiert. Die Teams merkten, dass ich immer solid im Final dabei war und holten mich als Helfer dazu. Und so fand ich mich damit ab, für Siegfahrer wie Cancellara zu arbeiten. Auch das gab mir viel Befriedigung und Wertschätzung, entsprechend wurde ich finanziell entschädigt.

Sprechen Sie mit den Athleten auch über Doping? Sie selber wurden damit konfrontiert, als Teamkollege Floyd Landis überführt worden waren.

Für unsere Teamärzte lege ich die Hand ins Feuer, dass sie nichts Verbotenes rausgeben. Was die Fahrer tun, wenn sie für einen Monat zu Hause sind, können wir aber nicht beeinflussen. Das haben wir in diesem Jahr gesehen, als unser Kolumbianer Jarlinson Pantano erwischt wurde (positiv auf EPO, Anm. d. Red.). Wir fielen aus allen Wolken.

Wenn Sie an die früheren Träume zurückdenken: Wären Sie damals mit der Karriere, die Sie machten, zufrieden gewesen?

Damals wahrscheinlich nicht, weil ich eben davon träumte, Klassiker zu gewinnen. Klar hätten gewisse Dinge besser laufen können. Doch ich habe meinen Traum während 17 Jahren auf höchstem Niveau leben können. Und irgendwann, da soll mir keiner etwas anderes erzählen, wird das Hobby zum Beruf, und es geht auch ums Geldverdienen.

Ihre persönlich grossen Momente hatten Sie ja auch: Das Olympische Diplom mit Rang acht 2012 oder der Etappensieg an der Tour de Suisse 2013. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Der Erfolg an der Tour de Suisse war mein Karrierehighlight. Praktisch vor meiner Haustür das Sihltal rauf, über den Hirzel und dann nach Meilen runterzufahren, einen Kilometer vor dem Ziel anzugreifen und zu gewinnen – das ist unvergesslich. Das Olympische Diplom interessierte zunächst weder mich noch sonst jemanden. Wir kämpften für Cancellara, doch er stürzte. Heute, wenn ich das Diplom zu Hause an der Wand hängen sehe, erkenne ich seinen grossen Wert.

In Cham leben Sie mit Ihrer Frau Simone. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich fahre noch immer viel Velo und Mountainbike, doch es ist kein Müssen mehr. Ich fahre Ski, gehe fischen und mache Ausfahrten mit meinem Chevrolet Chevelle. Am meisten freue ich mich auf die wöchentlichen Fussballtrainings mit unserem Grümpelturnier-Team, wo auch ein Simon Hofer (Ex-FC-Luzern, Anm. d. Red.) dabei ist. Bis ins Alter von 15 Jahren spielte ich für den SC Cham. Mein Talent ist bescheiden, doch es reicht für viel Kampf und den einen oder anderen Pass. (lacht)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.