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Die Zugerin Patricia Merz rudert mit einer Freundin auf dem Rotsee

Die Baarerin Patricia Merz will mit ihrer Ruderkollegin Frédérique Rol endlich an die Olympischen Spiele. Dafür will das ungleiche Duo an der Heim-EM die Basis auf dem Rotsee legen.
Raphael Gutzwiller

Beim Rudern muss man nicht beste Freunde sein. Wenn zwei schnelle Ruderer oder Ruderinnen gemeinsam im Boot sitzen, dann ist das Boot normalerweise auch dann schnell, wenn sich die beiden gar nicht ausstehen können. Wohl auch darum haben die Topathleten wenig Mitspracherecht, wenn es um die Besetzung der Boote geht. Der Trainer entscheidet: Die Besten sitzen zusammen. Basta.

Die Zugerin Patricia Merz (rechts) im Leichtgewichtsdoppelzweier mit Frédérique Rol aus Lausanne. (Bild: Philipp Schmidli, Sarnen, 2. Mai 2019)

Die Zugerin Patricia Merz (rechts) im Leichtgewichtsdoppelzweier mit Frédérique Rol aus Lausanne. (Bild: Philipp Schmidli, Sarnen, 2. Mai 2019)

Das ist vor allem dann logisch, wenn sowieso nur zwei Athletinnen auf ähnlichem Niveau rudern. So wie dies derzeit bei den Schweizer Frauen-Leichtgewichten der Fall ist. Auf Topniveau gibt es mit der Baarerin Patrica Merz (25) und der Lausannerin Frédérique Rol (26) zwei Athletinnen, dahinter befindet sich die U23. «Daher stellte sich die Frage für uns nie, wie die Boote zusammengestellt werden. Es ist einfach gegeben», fasst Merz zusammen. Gemeinsam sind die Ruderinnen im Leichtgewichts-Doppelzweier am Start.

Umso erstaunlicher ist es dann, wenn das Duo auch menschlich sehr gut harmoniert. Merz und Rol dürfen als Freundinnen bezeichnet werden, die gemeinsam auf dem Wasser zu den Schnellsten der Welt zählen. «Selbst wenn es nicht läuft und wir uns über alles und jeden nerven, übereinander regen wir uns auch dann nicht auf», sagt Merz. Es ist eher andersrum:

«Wir denken häufig genau das Gleiche.»


Dabei sind sich Merz und Rol zumindest von athletischer Sicht her gar nicht ähnlich. Die Stärken von Merz sind die Schwächen von Rol – und umgekehrt. Merz ist explosiver und stärker. Rol dagegen hat die bessere Ausdauer, ist dementsprechend besser auf dem Ergometer. Schliesslich sind beide aber in etwa gleich gut. «Seit Jahren bewegen wir uns auf Augenhöhe», sagt Merz. Einmal ist Rol ein wenig schneller, das nächste Mal Merz.


Seit 2011 rudern die beiden Athletinnen zusammen und haben sich gemeinsam weiterentwickelt. Zunächst näherte man sich der Weltspitze bei der U23, holte 2015 die Bronzemedaille an der Junioren-WM. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasste das Duo, startete dann eine Saison im Einer, bevor man wieder im Doppelzweier angriff. Im letzten Jahr war das Duo Merz/Rol sehr erfolgreich, belegte im Weltcup auf dem Rotsee und an der EM in Gladgow das Podest. An den Weltmeisterschaften in Plovdiv wurden die beiden Vierte.

Jetzt ist die olympische Qualifikation in diesem Jahr das grosse Ziel. Merz sagt:

«Wir wissen, dass wir es packen können, auch wenn es schwieriger geworden ist, die Limite zu erreichen.»

Statt wie bisher 11 qualifizieren sich nur noch 7 Boote über die Weltmeisterschaft. «Das bedeutet: Wir müssen den A-Final erreichen oder den B-Final gewinnen», rechnet Merz vor. «Wir sind überzeugt, dass wir die Geschwindigkeit rudern können, wenn wir das Beste aus uns rausholen.» Falls dies nicht gelänge, gäbe es über die europäische Olympia-Qualifikation noch eine weitere Chance, das Duo müsste dann unter den besten zwei abschliessen.

Patricia Merz (rechts) mit ihrere Ruder-Partnerin Frederique Rol (mitte) und Nationaltrainer Bill Lucas am Rotsee. (Bild: Urs Lindt/freshfocus, Luzern, 29. Mai 2019)

Patricia Merz (rechts) mit ihrere Ruder-Partnerin Frederique Rol (mitte) und Nationaltrainer Bill Lucas am Rotsee. (Bild: Urs Lindt/freshfocus, Luzern, 29. Mai 2019)


Für die 25-jährige Baarerin wären die Olympischen Spiele das grosse Highlight ihrer bisherigen Karriere. Dies ein bisschen mehr als zehn Jahre nachdem sie mit dem Rudern angefangen hat. 15 Jahre alt war Merz, als sie an einem Sporttag an der Kantonsschule in Zug erstmals im Ruderboot sass. «Ein Lehrer hat den Sporttag beim Rudern geleitet, wir waren eine Gruppe Anfänger. Per Zufall habe ich dann den Trainer der Junioren getroffen, den ich sonst schon gekannt habe. Er fragte mich, ob ich mal in ein Training kommen möchte», erzählt Merz. «Zunächst probierte ich es einfach, noch ohne grossen Enthusiasmus.» Dann kam der erste Wettkampf. «Und damit plötzlich mein Ehrgeiz. Ich wusste gar nicht, dass ich so ehrgeizig sein kann», stellt Merz lachend fest.

Mit der typischen Hornhaut an den Händen


Ab da an wurde sie vom Ruderfieber gepackt, die Trainings wurden häufiger und intensiver. Heute sind ihre Hände an gewissen Stellen mit der typischen Ruderhornhaut überzogen, dreimal täglich wird trainiert. In erster Linie widmet sie sich dem Sport, daneben belegt sie das Masterstudium in Magglingen. «Der Sport steht für mich derzeit im Zentrum», sagt sie.

Bevor es in Richtung Olympia-Quali geht, steht mit den Europameisterschaften auf dem Rotsee ein Grossanlass vor der Haustür an. «Die Vorfreude ist enorm. Ich finde es einfach cool, dass alle, die einen unterstützen, vorbeikommen können», sagt die Baarerin. Zudem sei es auf dem Rotsee ja sowieso immer speziell schön.

«Die Bedingungen sind perfekt, da muss man sich gar keine Gedanken über Wind oder Wellen machen. Auf dem Rotsee passt es einfach immer.»

Genauso, wie es also auch mit ihrer Teamkollegin Frédérique Rol immer passt. Vielleicht so gut, dass es zu einem Podestplatz an der Heim-EM reicht? «Natürlich wäre das schön.» Es wäre im Hinblick auf die Olympischen Spiele sicher ein starkes Zeichen der beiden Freundinnen.

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