Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DOPING: Kronzeugin Julia Stepanowa fühlt sich betrogen

Die Kronzeugin Julia Stepanowa hat viel riskiert, um Russlands Dopingskandal aufzudecken. Starten darf sie in Rio de Janeiro dennoch nicht. Nun wehrt sie sich.
Kristof Stühm (sid)
Anfang Juli trat Julia Stepanowa an der Europameisterschaft in Amsterdam unter neutraler Flagge an. In Rio darf sie nicht starten. (Bild: AP/Geert Vanden Wijngaert)

Anfang Juli trat Julia Stepanowa an der Europameisterschaft in Amsterdam unter neutraler Flagge an. In Rio darf sie nicht starten. (Bild: AP/Geert Vanden Wijngaert)

Kristof Stühm (SID)

Julia Stepanowa brauchte eine Nacht und einen Tag, dann hatte die wohl berühmteste Doping-Whistleblowerin der Sportgeschichte ihre Bestürzung in Worte gefasst. Ihr Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio sei «unfair», teilte die 30-Jährige gestern Montag in einer dreiseitigen Erklärung mit. Die Entscheidung, sie trotz all ihrer Verdienste um die Aufklärung des russischen Dopingskandals nicht in Brasilien laufen zu lassen, würde auf «falschen und unwahren Aussagen» basieren.

Die Betroffenheit ist nachvollziehbar. Stepanowa, die ihr Leben riskiert hat, um den vom Staat orchestrierten Betrug in der russischen Leichtathletik aufzudecken, die mit ihrem Mann Witali und Sohn Robert an einem geheimen Ort lebt, sie darf in Rio nicht starten. Laut IOC-Ethikkommission erfüllt die 800-m-Läuferin, weil sie selbst mindestens fünf Jahre Teil des Systems gewesen sei, «nicht die ethischen Anforderungen an einen olympischen Athleten». Stepanowa muss diese Aussage wie Spott vorkommen, wenn man bedenkt, dass etwa US-Sprinter Justin Gatlin, bereits zweimal positiv auf Doping getestet, am Zuckerhut um 100-m-Gold rennt.

Eine fatale Botschaft

Für viele ist die Entscheidung des IOC, zahlreiche russische Athleten für Rio zuzulassen, Stepanowa aber zu brüskieren, eine Bankrotterklärung im Anti-Doping-Kampf. Ausgerechnet Stepanowa, «die Sportlerin, die mit ihren mutigen Enthüllungen das Dopingsystem ihrer Heimat ins Wanken brachte, darf nicht zu Olympia. Die fatale Botschaft: Wer über Doping auspackt, wird bestraft», kommentierte ARD-Experte Hajo Seppelt, der zusammen mit Stepanowa den Skandal im russischen Sport ins Rollen brachte.

Stepanowa und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada befürchten nun, dass Kronzeugen immer mehr Anreize verlieren, über betrügerische Machenschaften zu berichten. Die Botschaft, die Stepanowas Startverbot an alle Whistleblower der Zukunft aussende, «bereitet der Wada grosse Sorgen», sagte Generalsekretär Olivier Niggli. Stepanowa habe mit viel Mut «den grössten Dopingskandal der Geschichte aufgedeckt». Doch anstatt mit einem Auftritt auf der grössten Bühne des Sports gewürdigt zu werden, wird sie erneut bestraft.

Stepanowa betonte zudem, sie hätte es nie abgelehnt, als Teil des russischen Teams anzutreten – sondern die Athleten wollten nicht im gleichen Team wie die 30-Jährige starten. «Wenn das russische olympische Komitee gesagt hätte, es würde mich unterstützen und mich gerne in seinem Team haben, hätte ich das akzeptiert. Ich wollte nie jemandem schaden, sondern den Sport sauberer machen», sagte Stepanowa.

Russland steht fast wie ein Sieger da

Jenes System steht am Ende fast wie der Sieger da. «Russland glaubt immer noch nicht, dass die Geschichten über Doping wahr sind», hatte Stepanowa noch Anfang Juli bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam gesagt, wo sie als einzige Russin mit einer Ausnahmegenehmigung starten durfte. Doch die Geschichten sind wahr, das hat eine unabhängige Kommission der Wada längst bestätigt. Die russischen Leichtathleten bleiben deshalb auch bis auf weiteres gesperrt. Stepanowa hatte beantragt, als neutrale Athletin an den Spielen teilnehmen zu dürfen. Aber sie erfüllt ja nicht die «ethischen Anforderungen». Die Einladung an sie und ihren Ehemann, in Rio Gäste des IOC zu sein, klingt da fast wie Spott.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.