Dramatisches Ende der World Series: Die späte Erlösung für die Washington Nationals

Das Baseball-Team aus der US-Hauptstadt entscheidet die World Series auf dramatische Art und Weise zu seinen Gunsten.

Nicola Berger
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Nationals-Spieler Anthony  Rendon mit dem Pokal.  (Bild: Keystone)

Nationals-Spieler Anthony Rendon mit dem Pokal.  (Bild: Keystone)

Im März verloren die Washington Nationals ihren wertvollsten Spieler: der Mormone Bryce Harper schloss sich den Philadelphia Phillies an, für 13 Jahre und 330 Millionen Dollar. Die «Washington Post» fragte darauf besorgt, ob sich das Zeitfenster für einen Titelgewinn ohne den telegenen Superstar nun geschlossen habe.

Die Nationals lieferten auf diese Frage eine eindrückliche Antwort, in der Nacht auf Donnerstag gewannen sie erstmals in der Klubgeschichte die World Series, dank eines 6:2-Siegs im entscheidenden siebten Spiel beim Favoriten Houston Astros.

Es war der denkwürdige Schlusspunkt einer bizarren Finalserie, in welcher das Gastteam jede Partie gewann, ein Unikum in der 115-jährigen Geschichte der World Series. Auch in der NHL und NBA hat es eine solche Häufung an Auswärtssiegen noch nie gegeben.

Die Historie des amerikanischen Nationalsports in der Hauptstadt hatte zuvor etwas Tragisches gehabt. Der letzte Titel eines Teams aus Washington lag 95 Jahre zurück, zwei Franchisen hatten die Stadt verlassen, eine nach Minnesota und eine nach Texas, ehe der jüdische Geschäftsmann Ted Lerner 2004 die Montreal Expos nach DC holte, 33 Jahre nach dem Wegzug der Senators nach Arlington.

An der Misere änderte das zunächst wenig. Die Nationals fanden immer neue und groteskere Wege, um zu scheitern – seit 1982 hatte die Organisation keine Playoff-Serie mehr gewonnen. Lange schien es, als bliebe das auch 2019 so, von ihren ersten 50 Partien verloren die Nationals 31, sie waren das Gespött der Liga, wieder einmal.

Doch aus der Aussenseiterrolle vermochte das mit einem Durchschnittsalter von über 31 Jahren älteste Team der Liga Kraft zu schöpfen. Es wurde mehrfach totgesagt, auch im Playoff, und liess sich doch nie unterkriegen. Zuletzt rangen sie die deutlich besser besetzten Astros, eines der am cleversten gemanagten Sportunternehmen der USA, trotz 2:3-Rückstand in der Serie nieder.

Als wertvollster Spieler der Finalserie wurde Stephen Strasburg ausgezeichnet, ein 31 Jahre alter Werfer, der wie exemplarisch für die Entwicklung dieses Teams steht. Strasburg, ein ehemaliger Nummer-1-Draftpick, war bisher vor allem für das Kuriosum bekannt gewesen, dass die Nationals ihn im Playoff von 2012 aussetzen liessen, weil sie ihn nicht strapazieren wollten. Es war nie ganz klar geworden, wofür das Team ihn schonen wollte, doch sieben Jahre später hat das Management recht erhalten: Strasburg pitchte gegen die Astros für die Ewigkeit.