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Drei Männer im Glück, ein Verlierer

Tom Dumoulin gewinnt das Zeitfahren der Tour de France und wird Gesamtzweiter. Geraint Thomas verteidigt die Führung, und Chris Froome, dessen Zeit um drei Sekunden nach oben korrigiert wird, verdrängt Primoz Roglic vom dritten Platz.
Tom Mustroph, Espelette
Der britische Geraint Thomas wird nach dem sonntäglichen Finale höchstwahrscheinlich oben auf dem Podest stehen. (Bild: Keystone/Christophe Ena)

Der britische Geraint Thomas wird nach dem sonntäglichen Finale höchstwahrscheinlich oben auf dem Podest stehen. (Bild: Keystone/Christophe Ena)

Chris Froome weinte fast vor Glück, ­Geraint Thomas nahm das Ergebnis des Zeitfahrens von Saint-Pée-sur-Nivelle nach Espelette im französischen Baskenland cool wie gewohnt entgegen. Die beiden Briten wurden zwar vom Zeitfahrweltmeister Tom Dumoulin geschlagen und belegten hinter dem Niederländer die Etappenplätze 2 und 3. In der Gesamtwertung blieb Thomas aber vorn, und Froome kletterte aufs Podium zurück. «Ich wäre so glücklich, wenn das klappt, das Podium in Paris, neben Thomas, neben Geraint Thomas, das wäre der Traum», sagte Froome, als ihn die französischen Fernsehkameras in dem Moment erwischten, in dem sein härtester Rivale Primoz Roglic den roten Teufelslappen passierte.

Wenige Augenblicke später war es amtlich. Der Slowene verlor den letzten Podiumsplatz, den er sich am Vortag noch mit einer bravourösen Abfahrts­attacke erobert hatte. Er war der Verlierer des Tages. Froome war der emotional erschütterte Gewinner – und das, obwohl er nicht einmal der Stärkste im Feld war, weder an diesem Samstagabend noch über die gesamten drei Wochen. Auch das spricht Bände, ist ein deutliches Zeichen für einen Zeitenwechsel.

Froomes Zeit musste korrigiert werden

Zwischen Freude und Ernüchterung bewegte sich hingegen der Gefühlszustand Dumoulins. Als der Mann im Regen­bogentrikot den Zielstrich überquerte, stoppte die Uhr zwei Sekunden hinter der von Froome erzielten Zeit. Das gesamte 31 Kilometer lange Rennen hatte er sich in genau diesem Abstand hinter Froome bewegt. Er hatte gekämpft, aber es schien nicht ausreichend. Dann korrigierte die Jury überraschend die Zeit von Froome um drei Sekunden nach hinten – der Transponder am Rad des Briten hatte offenbar zu früh ausgelöst. Und plötzlich war Dumoulin vorn, zumindest an diesem Tag. «Es ist verrückt. Ich hatte keine Ahnung von den Zwischenzeiten. Als ich die Ziellinie überquerte, war Froome vor mir, alle sagten mir, ich sei Zweiter. Und jetzt das! Ich bin überwältigt», meinte der Sunweb-Profi. Das Zeitfahren begann für ihn schon verrückt, denn im Materialwagen von Sunweb war das windschlüpfrige Regenbogentrikot abhandengekommen. «Zum Glück kommt der Ausrüster aus dem Baskenland. Sie nähten ein neues an diesem Morgen. Ich bin ihnen auf ewig dankbar, denn ohne sie hätte ich nicht in diesem schönen Weltmeistertrikot antreten können», erzählte er von den dramatischen Stunden vor dem Start.

Gelbes Trikot ist nicht windkanaloptimiert

Dumoulin kam sein windschlüpfriges Spezialtrikot zugute. Auch deshalb bezwang er Froome, der selbst in einer Spezialentwicklung von Sky steckte. Die Überlegenheit vom mutmasslichen Gesamtsieger Thomas wurde auch dadurch deutlich, dass er im gelben Trikot des Tourorganisators ASO unterwegs war. Das ist nicht windkanaloptimiert. Ein echter Nachteil in einem Hochgeschwindigkeitswettbewerb wie diesem Zeitfahren. Thomas verlor aber nur 14 Sekunden auf Dumoulin und deren 13 auf Teamkollege Froome. Er ist tatsächlich der komplette Profi, der auf allen Terrains zu Hause ist und sich auch die wenigsten Fehler leistete. Er war bei dem Massensturz auf der ersten Etappe, der Froome 51 Sekunden kostete, besser platziert als der Teamkollege.

Ihn suchte nicht die Defekthexe heim wie etwa Dumoulin, dem kurz vor dem Ziel der 6. Etappe bei einem Zusammenprall mit Romain Bardet eine Speiche brach und der sich deshalb 53 Sekunden Rückstand einhandelte. Weil er bei der Verfolgungsjagd zu offensichtlich den Windschatten der vorausfahrenden Autos nutzte, brummte ihm die Jury zusätzlich 20 Sekunden Zeitstrafe auf. Rückblickend waren dies die Episoden, die Thomas Sicherheit im Klassement verschafften. Er geht in die abschliessende Sprintetappe am heutigen Sonntag mit 1:51 Minuten Vorsprung auf Dumoulin und 2:24 auf Froome.

105. Tour de France. 20. Etappe, Zeitfahren Saint-Pée-sur-Nivelle–Espelette (31 km): 1. Dumoulin (NED) 40:52. 2. Froome (GBR) 0:01 zurück. 3. Thomas (GBR) 0:14. 4. Kwiatkowski (POL) 0:50. 5. Kragh Andersen (DEN) 0:51. 6. Jungels (NED) 0:52. 7. Sakarin (RUS) 1:02. 8. Roglic (SLO) 1:12. 9. Soler (ESP) 1:22. 10. Hepburn (AUS) 1:23. Ferner: 12. Stefan Küng (SUI) 1:26. 16. Kruijswijk (NED) 1:45. 22. Bardet (FRA) 1:56. 34. Martin (IRL) 2:40. 38. Silvan Dillier (SUI) 2:51. 45. Landa (ESP) 3:11. 46. Michael Schär (SUI) 3:13. 69. Quintana (COL) 4:06. 128. Mathias Frank (SUI) 6:49. 135. Peter Sagan (SVK) 7:11. – 145 Fahrer gestartet und klassiert.

Gesamtklassement: 1. Thomas 80:30:37. 2. Dumoulin 1:51. 3. Froome 2:24. 4. Roglic 3:22. 5. Kruijswijk 6:08. 6. Bardet 6:57. 7. Landa 7:37. 8. Martin 9:05. 9. Sakarin 12:37. 10. Quintana 14:18. Ferner: 53. Küng 2:07:14. 56. Frank 2:09:59. 71. Sagan 2:38:08. 79. Dillier 2:50:31. 88. Schär 3:00:06.

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