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Drei Thesen und Antworten zum Schlüsselspiel der Schweizer Fussballer in Irland

Heute Abend um 20.45 Uhr muss die Schweiz in Irland beweisen, auch ohne Xherdan Shaqiri in der EM-Qualifikation bestehen zu können. Was für einen Einfluss hat die Geschichte um den Zauberzwerg? Warum schwebt Captain Stephan Lichtsteiner weiter über dem Team? Und wie wichtig ist dieses Spiel in Dublin wirklich?
Etienne Wuillemin
Wann zaubert Shaqiri wieder für die Schweiz? Und wie finden seine Teamkollegen seine Absenz? (Bild: Keystonen)

Wann zaubert Shaqiri wieder für die Schweiz? Und wie finden seine Teamkollegen seine Absenz? (Bild: Keystonen)

Seit Dienstagabend befinden sich die Schweizer Fussballer in Dublin. Da, wo sie heute Abend um 20.45 Uhr gegen Irland in der EM-Qualifikation antreten. Spieler und Trainer geben sich ziemlich zuversichtlich. «Wir sind mit sehr guten Gefühlen angereist, warum auch nicht», fragt Granit Xhaka. «Natürlich wissen wir, dass die Iren voller Selbstvertrauen sind, und uns eine heisse Partie erwartet, aber wir sind gerüstet», ergänzt Fabian Schär. Derweil sagt Nationaltrainer Vladimir Petkovic: «Schon bei der Auslosung wussten wir, dass dies ein Schlüsselspiel wird. Aber wir haben schon mehrfach gezeigt, dass wir ohne den einen oder anderen abwesenden Spieler gewinnen können.»

Nur schöne Worte? Oder ist die Schweiz tatsächlich gerüstet für die Prüfung heute Abend (ab 20.00 Uhr live auf SRF2 und im Liveticker auf dieser Homepage). Wir beantworten drei Thesen.

These 1: Das Theater um Xherdan Shaqiri hat das Team zu sehr vom Wesentlichen abgelenkt

Die Meldung, dass Xherdan Shaqiri aufs Nationalteam verzichtet, hat die letzte Woche dominiert. Es hat nicht geholfen, dass Petkovic bis am Montag gewartet hat, um eine Erklärung dafür zu liefern. Und es hat auch nicht geholfen, was an dieser Medienkonferenz zum Vorschein kam. Dass da ein in Liverpool offenbar ein Xherdan Shaqiri weilt, der sich zu leer und zu müde fühlt, um der Schweizer Nationalmannschaft zu helfen. Obwohl er im Klub kaum spielt und nicht verletzt ist.

Shaqiri galt lange als unverzichtbar für dieses Team. So extrem ist es wohl nicht. Dass die Schweiz einen Shaqiri in guter Form sehr wohl gebrauchen kann, das steht indes ausser Frage. Genauso wie die Tatsache, dass er seit der WM in Russland und seinem Wechsel vom Flügel in die Mitte ein paar sehr ordentliche Auftritte im Schweizer Dress hingelegt hat. Mit seiner Absage hat er Fragen provoziert. Wie gross ist seine Lust aufs Nationalteam? Wie sehr ist sein Verhältnis mit Petkovic angespannt? Und wie toll findet er eigentlich seine Teamkollegen? Das alles hilft nicht in der Vorbereitung eines wichtigen Spiels. Und doch: Jetzt müssen eben andere Spieler beweisen, dass sie die Lücke Shaqiris füllen können. Beispielsweise Breel Embolo. Der Neo-Gladbacher hat einen guten Saisonstart hingelegt. Im Nationalteam ist sein letztes gutes Spiel aber eine gehörige Weile her.

Prognose: Die Schweiz rafft sich zusammen und wird in Irland trotzdem dem Theater um Shaqiri solidarisch und souverän auftreten.

These 2: Die ungeklärte Situation um Captain Stephan Lichtsteiner hemmt das Team

Wann darf Lichtsteiner der Schweiz wieder helfen? Neu spielt der Noch-Captain in der Bundesliga für Augsburg (Bild: Keystone)

Wann darf Lichtsteiner der Schweiz wieder helfen? Neu spielt der Noch-Captain in der Bundesliga für Augsburg (Bild: Keystone)

Kommt er? Kommt er nicht? Seit letztem Sommer stellen sich Fans und Medien vor jedem Aufgebot der Schweizer Nationalmannschaft dieselbe Frage: Darf Stephan Lichtsteiner nocht mitspielen? Oder wird er sanft zum Rücktritt genötigt?

Vladimir Petkovic hat nach der WM 2018 den Umbruch angekündigt. Lichtsteiner, Behrami, Dzemaili, Djourou und Gelson Fernandes waren konkret davon betreffen. Die vier letzten sind mit mehr oder weniger Misstönen zurückgetreten. Petkovic hat es nicht geschafft, dass auch nur eine einziger die ihm eigentlich gebührende Wertschätzung beim Abschied erhalten hätte. Und vieles deutet darauf hin, dass es auch Lichtsteiner nicht besser ergehen wird.

Das ist schade. Denn der 35-Jährige Luzerner hätte ein schönes Nati-Karrieren-Ende verdient. Ganz egal, wann. Er hat dieses Team über Jahre mit seiner Mentalität geprägt. Er hat die Jungen wachsen lassen an seiner Seite. Er ist stets hingestanden und hat die teilweise schwierigen Themen in den letzten Jahren mitmoderiert.

Petkovic hat es verpasst, frühzeitig ein klares Statement betreffend seines Captains abzugeben. Natürlich hätte Lichtsteiner auch von sich aus sagen können, er spiele nicht mehr für die Nati. Aber dieses Denken passt nicht zu ihm. Eigentlich bleibt Petkovic nur eines: Entweder er bietet Lichtsteiner immer auf - und macht ihm dabei klar, dass es keine Einsatzgarantie gibt. Was nicht weiter schlimm ist. Weil das Mentalitätsmonster diesem Team auch neben dem Platz weiter viel geben kann. Oder Petkovic macht Lichtsteiner klar, dass er ihn - egal, was passiert - nicht mehr aufbieten wird. Denn eines ist klar: Die jetzige Situation ist für alle eine Belastung.

Prognose: Petkovic rückt nicht von seiner Haltung ab («die Türen sind immer für alle offen»), verweigert sich einem klaren Statement und wird damit weiter für Unruhe sorgen.

These 3: Eine Niederlage in Irland wäre gar nicht so schlimm

Unter Druck: Die Schweiz sollte im Aviva-Stadion von Dublin lieber nicht verlieren (Bild: Keystone)

Unter Druck: Die Schweiz sollte im Aviva-Stadion von Dublin lieber nicht verlieren (Bild: Keystone)

Der Blick auf die Tabelle suggeriert ein Schlüsselspiel. Irland hat als Leader bereits sechs Punkte Vorsprung auf die Schweiz. Allerdings auch zwei Spiele mehr bestritten, und bei seinen Auftritten eigentlich nur einmal überzeugt (1:1 in Dänemark). Bei den Siegen gegen Gibralter (1:0 und 2:0) und Georgien (1:0) machte das Team von Mick McCarty jedoch kaum den Eindruck hinterlassen, eine Übermacht zu sein.

Obwohl in jeder Qualifikationsgruppe die besten zwei Teams an die EM 2020 fahren dürfen, ist das Spiel heute ziemlich wichtig. Eine Niederlage würde den Druck auf die Schweizer gewaltig erhöhen. Dann würde auch der späte Kollaps vom letzten März, als die Schweiz gegen Dänemark ein 3:0 noch verspielte (Endresultat 3:3), plötzlich schwer wiegen.

Prognose: Die Schweiz ist abgeklärt genug, um in Irland zumindest nicht zu verlieren.

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