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Druck und Drang: Wawrinka schlägt Dimitrov

Stan Wawrinka bezwingt die Weltnummer 8 Grigor Dimitrov klar in drei Sätzen. In dieser Form darf sich der Waadtländer durchaus Hoffnungen auf einen längeren Verbleib am US Open machen.
Jörg Allmeroth, New York
Kraftvoller Auftritt: Stan Wawrinka liess seinem Gegner kaum Zeit zur Entfaltung. Bild: Seth Wenig/AP (New York, 27. August 2018)

Kraftvoller Auftritt: Stan Wawrinka liess seinem Gegner kaum Zeit zur Entfaltung. Bild: Seth Wenig/AP (New York, 27. August 2018)

Als «ungewöhnlich» hatte Stan Wawrinka die Fügung des Auslosungs-Schicksals bezeichnet, das erneute Erstrunden-Kräftemessen mit ATP-Weltmeister Grigor Dimitrov nur sechs Wochen nach der Auftaktpartie in Wimbledon. Und als ungewöhnlich konnte man auch bezeichnen, was hier und dort passierte: Denn wie auf dem fein manikürten Rasen des All England Club besiegte der 33-jährige Romand (ATP 101) den viel höher eingestuften Dimitrow (ATP 8) auch auf dem Centre Court in New York. 6:3, 6:2, 7:5 – so lautete nach 135 Minuten die Endabrechnung in einer guten Partie, in der sich Wawrinka aufs Neue stark verbessert zeigte und sich in dieser Form durchaus noch Hoffnungen auf einen längeren Verbleib am US Open machen darf.

«Ich bin wirklich glücklich, wie ich gespielt habe», sagte Wawrinka, der seinen ersten Matchball mit einem kraftvollen Ass genutzt hatte und danach einen markerschütternden Schrei der Erleichterung ausstiess. «Ich bin besonders froh, dass ich mein Spiel konsequent durchgebracht und nie meine Linie verloren habe.» In der nächsten Runde darf Wawrinka nun erst einmal als klarer Favorit gegen den französischen Qualifikanten Ugo Humbert gelten.

Wawrinka: «Ich setze mich nicht zu sehr unter Druck»

Richtige Mischung aus Aggression und Kontrolle

Als Wawrinka zum letzten Mal auf dem harten Boden der Arthur-Ashe-Arena gestanden hatte, war er zum Tenniskönig von New York geworden – vor einem Jahr und 50 Wochen war das, im Finale gegen Novak Djokovic. Nun, nach einer sportlichen Achterbahnfahrt mit einigen Krisenmomenten und viel Verletzungspech, war er mit einer Wild Card ins Turnier gekommen und musste sich auf Anhieb wieder mit ATP-Champion Dimitrov auseinandersetzen. Und das tat Wawrinka über weite Strecken bravourös, mit konzentriertem, energischem, entschlossenem Spiel. Der Schweizer setzte nicht auf Vorsicht, aber auch nicht auf blindes Risiko. Er fand die richtige Mischung aus Aggression und Kontrolle, setzte Power mit Präzision um. So beherrschte er die beiden ersten Sätze ziemlich deutlich und liess dem Bulgaren kaum Zeit zur Entfaltung. Auf Wawrinkas Druck und Drang hatte Dimitrow keine passende Antwort, zunehmend verzagt wechselte er die Seiten, schien bald zu resignieren. «Ich fühlte mich total wohl auf dem Platz, hatte den optimalen Rhythmus», sagte Wawrinka später.

Erst im dritten Satz geriet Wawrinka dann noch einmal in Bedrängnis, auch weil er leichte körperliche Probleme hatte und sich sogar von einem Physiotherapeuten behandeln lassen musste. Ein ums andere Mal konnte der 33-Jährige einen Aufschlagverlust abwehren, reihenweise machte Wawrinka Breakbälle von Dimitrov zunichte.

Saunaähnliche Verhältnisse

Und dann zeigte der dreimalige Grand-Slam-Sieger auch echte Nehmerqualitäten, als er das Break zum 3:5 umgehend mit einem Rebreak zum 4:5 konterte. Grigor Dimitrov zerlegte daraufhin wutentbrannt sein Racket, kassierte eine Verwarnung und fand nicht mehr zurück in die Spur. Wawrinka glich zum 5:5 aus, holte sich ein weiteres Break zum 6:5 und servierte die Partie souverän zum 7:5 aus. «Ich war froh, dass ich die Partie in drei Sätzen durchbringen konnte. Es war schon enorm, bei diesen Bedingungen zu fighten», sagte Wawrinka und spielte damit auf die saunaähnlichen Verhältnisse in Flushing Meadow an – Temperaturen um die 40 Grad auf dem Court, dazu extrem hohe Luftfeuchtigkeit.

Er sei «mehr als glücklich», dass sich der positive Trend dieses Sommers nun auch in New York fortgesetzt habe, freute sich Stan Wawrinka, «jetzt muss ich aber hellwach dranbleiben.» Und vermeiden, was in Wimbledon passierte: Da nämlich verlor der Waadtländer nach dem Prestigesieg gegen Dimitrov in der zweiten Runde gegen den Italiener Thomas Fabbiano.

Federer: «Topkandidaten sind andere»

Der Gegner von Roger Federer hat sich schon mal eine kleine Unterwerfungsgeste geleistet. Als Ende vergangener Woche die Auslosung für die Offenen Amerikanischen Meisterschaften 2018 besiegelt war, twitterte Yoshihito Nishioka ziemlich vergrätzt: «Ich habe kein Glück bei den Grand-Slam-Turnieren.» Glück sieht für Nishioka anders aus, als in der ersten Runde im Big Apple gegen Federer anzutreten, nach einem Auftaktmatch gegen Marin Cilic in Wimbledon zuletzt. Immerhin, auch das liess der 22-jährige Japaner wissen: «Es wird ein aufregendes Erlebnis. Auf einem grossen Court, vor ausverkauftem Haus gegen eine Legende wie Roger.» Federer ist natürlich im ersten Match überhaupt gegen die Nummer 177 der Welt der haushohe Wettfavorit, aber was dem 20-maligen Grand-Slam-Champion über die Auftaktphase der US Open zugetraut werden kann, ist die grosse Frage. Ein gewisses Rätsel auch für Federer selbst, der sich nicht wie üblich in den engeren Kreis der Titelanwärter eingereiht wissen will. «Es gibt andere, die Topkandidaten sind», sagt der 37-jährige Schweizer. Auftritte werden sparsamer, aber auch unberechenbarer Federer hatte sich zuletzt ziemlich rar gemacht im Tourbetrieb der Berufsspieler, nach Wimbledon trat er nur beim Masters in Cincinnati an, verlor dann im Final gegen Novak Djokovic. Seit Ende März spielte Federer überhaupt nur vier Turniere, neben Wimbledon und Cincinnati die Wettbewerbe in Stuttgart und Halle. Federers Auftritte werden sparsamer, aber deshalb auch unberechenbarer – denn leichter macht es dieser ökonomische Ansatz nicht, in einen Match- und Turnierrhythmus zu kommen. Federers letzter grosser US-Open-Coup liegt mittlerweile schon zehn Jahre zurück, der Titel 2008 war der Schlusspunkt einer über fünf New Yorker Turniere währenden Erfolgsserie. Erst im 42. Spiel gab es für Federer wieder einen Fehlschlag im Big Apple, im Final 2009 gegen den aufstrebenden Argentinier Juan Martin del Potro. Andere übernahmen danach das Kommando bei den US Open, vor allem Novak Djokovic entwickelte sich zum Titeljäger. Der Serbe gilt fast automatisch auch 2019 als Topfavorit für den Pokalgewinn, indes nicht wegen lange zurückliegender Grosstaten, sondern wegen seiner starken Form in diesem Sommer – bestens dokumentiert durch die Siege in Wimbledon und auch in Cincinnati. Wie störend Federer da eingreifen kann, wird sich zeigen, wenn auch vielleicht noch nicht im Match gegen den Aussenseiter Nishioka. Eines ist schon mal als Konstante geblieben für Federer: Der geliebte Einsatz in der Nightsession (Nacht auf Mittwoch, 1.05, SRF zwei), unter den Flutlichtstrahlern der Arthur-Ashe-Arena. (all)

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