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Dunkle Schatten kurz vor Saisonstart: Die NFL und ihr Gesundheitsproblem

Morgen Donnerstag beginnt die Saison des Milliardenvehikels – nach dem Rücktritt von Quarterback Andrew Luck fehlt einer der wichtigsten Stars.
Nicola Berger
Als Quarterback bei den Indianapolis Colts zurückgetreten: Andrew Luck. (Bild: Keystone)

Als Quarterback bei den Indianapolis Colts zurückgetreten: Andrew Luck. (Bild: Keystone)

Wenn die National Football League (NFL) in der Nacht auf Freitag ihren Spielbetrieb aufnimmt, geht es vor allem um: Geld. Fast 17 Milliarden US-Dollar hat Liga im vergangenen Jahr umgesetzt, Rekord, schon wieder. Der Wert ihrer 32 Teams steigt jährlich – die in ihrem Bestehen titellose Franchise der Carolina Panthers wechselte 2018 für 2,275 Milliarden Dollar den Besitzer. Das Geschäft mit den modernen Gladiatoren floriert, doch kurz vor dem Saisonstart wurden die Schattenseiten wieder einmal einer breiten Öffentlichkeit aufgezeigt.

Es ist der 24. August, als Andrew Luck vor die Kameras tritt und unter Tränen seinen Rücktritt bekannt gibt. Luck, 29, war Quarterback der Indianapolis Colts und einer der spektakulärsten Profis der Liga. Doch nun gab der Amerikaner auf, ermüdet von etlichen Blessuren und Operationen – und auch in Sorge darüber, was der Sport mit ihm machen würde, sollte er weiterspielen. Luck sagte: «Ich bin erschöpft, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ich habe keinen Spass mehr.»

Lichtgestalt Tom Brady als grosse Ausnahme

Gewiss, es gibt das Beispiel von Tom Brady, der scheinbar unzerstörbaren, nicht altern wollenden Lichtgestalt der New England Patriots, der auch mit 41 keinerlei physische Beschwerden offenbart.

Doch Brady ist die Ausnahme. Die Gesundheitsrisiken im American Football sind breit dokumentiert, die Spätfolgen von in der NFL erlittenen Gehirnerschütterungen haben Menschen in den Tod getrieben; sind Gegenstand von Gerichtsverhandlungen und Hollywoodfilmen, in denen man erfährt, dass es Ex-Profis mit Hirnschäden gab, die ihre ausgefallenen Zähne mit Sekundenkleber zu befestigen versuchten.

Die Rauheit und Brutalität ist Teil der Faszination dieser Sportart, die in ihrem Irrsinn, ihrer Attraktivität und der Glorifizierung roher Gewalt wie ein Spiegelbild der USA wirkt. Für viele Jugendliche haben das Scheinwerferlicht und die Honigtöpfe nichts von ihrer Attraktivität verloren. Doch der Fall Luck wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf eine Liga, der seit langem vorgehalten wird, zu wenig zum Schutz der Gesundheit der Spieler zu unternehmen.

«Ich bin erschöpft, nicht nur körperlich, sondern auch mental.»

Luck, der an der Elite-Universtität von Stanford Architektur studierte, sagte, er habe auch noch andere Interessen im Leben: die Welt zu erkunden, beispielsweise. Je nachdem wie viele Jahre er noch aktiv gewesen wäre, hätte Luck deutlich über 200 Millionen Dollar verdienen können. Er zog die Gesundheit dem Geld vor. Die Fans hatten dafür wenig Verständnis – Luck wurde beim letzten Vorbereitungsheimspiel vom Feld gebuht. Luck sagte, die Reaktion habe ihn geschmerzt, vielleicht hatte er auf mehr Verständnis gehofft.

Doch der Quarterback Robert Griffin Junior III, dessen Karriere nach etlichen Verletzungen ebenfalls vorzeitig endete, sagt: «Man nimmt uns als Superhelden wahr, nicht als Menschen.» Verletzlichkeit zu zeigen gilt in der NFL als Schwäche, Griffin aber sagte: «Dass er so menschlich aufgetreten ist und die Wahrheit gesagt hat: Das war stark, wir brauchen mehr davon.»

Luck bereits ersetzt: Die Show muss weitergehen

Luck ist mit seiner Risikoabwägung nicht alleine. Der Linebacker Chris Borland etwa trat 2015 nach nur einem Jahr in der NFL zurück und sagte damals: «Ich will das Beste für meine Gesundheit tun. Die Risiken sind es einfach nicht wert.»

Es sind kluge mahnende Worte, die Gehör fanden – auch medial. Doch sie werden schnell vergessen sein, wenn in der Nacht auf Freitag die Saison beginnt und sich das Interesse wieder auf die sportliche Belange konzentriert. Für Andrew Luck gilt das nicht, es heisst, er wolle auf Reisen gehen, den Horizont erweitern. In Indianapolis ist er bereits ersetzt worden. Die Show muss weitergehen.

Saison 2019/20: Die grosse Jagd auf die Patriots

Nach drei Titeln und vier Superbowl-Teilnahmen in den vergangenen fünf Jahren sind die New England Patriots um Quarterback Tom Brady und Coach Bill Belichick erneut der grosse Gejagte der NFL. Aussichtsreichste Kandidaten für eine Wachablösung sind die Philadelphia Eagles, Kansas City Chiefs, New Orleans Saints und der Vorjahresfinalist Los Angeles Rams. Als eine Art Geheimfavorit werden die Cleveland Browns gehandelt. Während langen Jahren waren sie die Lachnummer der Liga. Cleveland verpflichtete unter anderem den ebenso verhaltensauffälligen wie talentierten Wide Receiver Odell Beckham-Junior und hat gute Aussichten, sich erstmals seit 2002 wieder für das Playoff zu qualifizieren. Im Free-TV werden erneut jeden Sonntag Partien auf «ProSieben Maxx» übertragen, in der Nacht auf Freitag (02.00 Uhr) ist zudem das Auftaktspiel Chicago Bears – Green Bay Packers auf «ProSieben» zu sehen. (nbe)

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