Edith Hunkeler fährt Bronzemedaille heim

Edith Hunkeler aus Dagmarsellen hat an den Paralympics in Peking im 1500-m-Rennen die Bronzemedaille gewonnen. Marcel Hug stürzte über die gleiche Distanz 550 m vor dem Ziel.

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Edith Hunkeler mit ihrer Bronzemedaille. (Bild Keystone)

Edith Hunkeler mit ihrer Bronzemedaille. (Bild Keystone)

Edith Hunkeler besann sich nach schwierigen Tagen auf ihre alten Stärken und versuchte das Rennen mit einer Tempofahrt von der Spitze aus zu bestimmen. Zwar zogen Chantal Petitclerc (Ka) und Shelly Woods (Gb) an ihr vorbei, doch mit dem 3. Rang zahlte sich der Mut der Athletin aus Dagmersellen zur Offensive aus. «Ich versuchte bereits über 800 m vom Start weg einen hohen Rhythmus zu fahren. Der vierte Platz war enttäuschend. Diesmal reichte es für die Bronzemedaille, die mir wegen der besonderen Umstände mit dem Sturz über 5000 m viel bedeutet», sagte die kaufmännische Angestellte. Für die 36-Jàhrige ist es an den zweiten Paralympics die dritte Medaille; in Athen hatte sie zweimal Silber gewonnen.

Dominiert wurde der letzte Frauen-Wettkampf im «Vogelnest» erneut von der Kanadierin Chantal Peticlerc. Sie sicherte sich wie in Athen sämtliche Titel zwischen 100 m und 1500 m. «Chantal ist eine Ausnahmeathletin. Ich kann stolz sein, sie in diesem Jahr geschlagen zu haben. In Peking ist sie kaum zu bezwingen», war sich Edith Hunkeler schon vor dem Start bewusst. «Für mich ist erfreulich, dass auch ich zu meiner alten Stärke zurückgefunden habe.» Die vierfache Weltmeisterin und aktuelle Schweizer Behindertensportlerin des Jahres sicherte der Schweiz vor den abschliessenden Marathons die neunte Medaille.

Defekter Rennstuhl
Für Marcel Hug war über die gleiche Distanz bis 550 m vor dem Ziel ebenfalls noch alles möglich. Dann rutschte der australische Favorit Kurt Fearnley in Führung liegend auf der nassen Bahn weg und stürzte wie ein zweiter Fahrer auf der Innenbahn. «Ich musste in einem Bogen ausweichen. Mein Vorderrad rutschte ohne gegnerische Einwirkung weg», beschrieb Hug die Szene, die ihn möglicherweise die letzte Medaillenchance kostete.

Hug stand jeden Tag im Einsatz. Mehr als «ehrenvolle Niederlagen» schauten bisher nicht heraus. «Mit den Leistungen bin ich grundsätzlich zufrieden, obwohl ich natürlich Medaillen anstrebe. Aber ich muss eingestehen, dass einzelne Konkurrenten im Sprint derzeit stärker sind.» Weil das Rad seines Rennstuhls defekt war, wurde er in einem normalen Rollstuhl aus dem Stadion gefahren. Der Rennstuhl sollte sich reparieren lassen. Zudem blieb Hug vor gravierenden Verletzungen verschont. «Die Schürfungen dürften mich nicht am Marathon-Start hindern.»

Kolly verliert Titel
Der unterschenkelamputierte Fünfkampf-Dritte Urs Kolly vermochte im Weitsprung seinen Titel von Athen 2004 nicht zu verteidigen. Mit der Saisonbestleistung 6,36 m im ersten Versuch wurde Kolly (F44) Fünfter. Gold holte sich der Deutsche Wojtek Czyz (F42) mit 6,50 m. Seine Weite ergab mit dem Faktor des Behinderungsgrades hochgerechnet 1101 Punkte. Kolly erhielt 983 Punkte und verpasste die Bronzemedaille um fünf Zähler. Auf den zweitplatzierten Japaner Atsushi Yamamoto (F42/5,84 m) verlor er sechs Punkte.

ap