Ehemalige Vereinsgrössen monieren: «Kommunikation des FCL war einmal mehr unglücklich»

Das erste Training unter Fabio Celestini und ein Problemkind ist immer noch da: Blessing Eleke. Während frühere FCL-Spieler den neuen Trainer mehrheitlich loben, dagegen aber die Vereinsleitung kritisieren.

Daniel Wyrsch
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Am ersten Training unter Fabio Celestini nahmen auch Idriz Voca und Blessing Eleke teil. Beide wurden zuletzt mit ausländischen Vereinen in Verbindung gebracht. FCL-Sportchef Remo Meyer kündigt keine grossen Veränderungen im Kader an. Nur Remo Arnold hat die Luzerner verlassen, er wechselte definitiv zum FC Winterthur.

Eleke wirkt immer noch unkonzentriert

Während der Übungseinheit wurde deutlich, dass Stürmer Eleke noch immer nicht Frieden mit seinem Verbleib in Luzern geschlossen hat. Der 23-jährige Nigerianer wirkte fahrig, obwohl sich der wiedergenesene Christian Schwegler um ihn kümmerte. Offensichtlich ist das Problem Eleke mit der Freistellung von Celestinis Vorgänger Thomas Häberli nicht gelöst. Neben Schwegler zurück sind Tsiy Ndenge und Otar Kakabadse. Verletzt sind immer noch Marvin Schulz, Aziz Binous – und zudem Captain Pascal Schürpf (Rippe).

Wir befragten frühere FCL-Grössen über die Verpflichtung des neuen Trainers Fabio Celestini.

Rolf Fringer, jetzt Fussball-Experte Teleclub.

Rolf Fringer, jetzt Fussball-Experte Teleclub.

Pius Amrein

Rolf Fringer (62, ehemaliger Spieler, Trainer und Sportchef): «Das Vorgeplänkel mit den Ankündigungen war typisch Luzern, die Kommunikation des FCL einmal mehr unglücklich. Man muss aber zwingend die Führung des Vereins und den neuen Trainer auseinanderhalten. Dass Fabio Celestini eine gute Wahl ist, hat er in Lausanne mit dem Aufstieg in die Super League sowie in Lugano mit dem dritten Platz und damit der Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League bewiesen. Das hätten andere Klubs auch gerne geschafft. Lucien Favre hatte einst beim FCZ bewiesen, dass ein Welscher in der Deutschschweiz erfolgreich sein kann. Eine gute Sache ist für mich die Einsetzung von Genesio Colatrella als Co-Trainer.»

Roland Schwegler, jetzt Trainer beim SC Cham (Promotion League).

Roland Schwegler, jetzt Trainer beim SC Cham (Promotion League).

Patrick Huerlimann

Roland Schwegler (37, ehemaliger Spieler): «Ich bin sehr gespannt, wie Fabio Celestini beim FC Luzern seinen schönen und attraktiven Fussball spielen lässt. Die Situation der Mannschaft ist bekanntlich nicht die einfachste, man darf nicht vergessen, der FCL spielt in der Rückrunde gegen den Abstieg. Gerade unter diesen Umständen wird es interessant zu beobachten sein, wie schnell Celestini seinen Stil den Spielern implementieren kann. Bei allen Bedenken, es kann auch gut kommen. Vielleicht gelingt es Celestini, dem Team Freude und klare Ideen zu geben. Er bringt mitunter als hervorragender früherer Spieler eine Menge Erfahrung mit, kann die Jungprofis in Luzern technisch und taktisch weiterbringen.»

Hansi Burri an der 30-Jahr-Jubiläumsfeier des Meistertitels am 8. Juni 2019.

Hansi Burri an der 30-Jahr-Jubiläumsfeier des Meistertitels am 8. Juni 2019.

Eveline Beerkircher

Hansi Burri (56, Meisterspieler 1989): «Das Hauptproblem der Trainerwahl war aus meiner Sicht die Kommunikation. Den Begriff Luzerner DNA haben viele Fans falsch verstanden. Dabei hat Sportchef Remo Meyer vermutlich das Leitbild gemeint. Also die Art, wie der FCL Fussball spielt. Aber nüchtern betrachtet, gibt es nur eine Formel, die auch für Celestini gilt: Wenn er die Spiele gewinnt, ist er ein guter Trainer, verliert er sie, ist er ein schlechter Trainer. In den letzten zehn Jahren hat man es mit allen möglichen Trainertypen versucht. Mein Eindruck war, dass nochmals die Zeit für René van Eck reif gewesen wäre. Bei der Vorstellung kam rüber, dass Celestini unbedingt Trainer sein will. Sein Deutsch hat mich positiv überrascht. Er und der Sportchef müssen eine Einheit sein.»

Roger Wehrli, der Mannschafts-Captain von 1989 beim einzigen Meistertitel in der FCL-Geschichte.

Roger Wehrli, der Mannschafts-Captain von 1989 beim einzigen Meistertitel in der FCL-Geschichte.

Boris Bürgisser

Roger Wehrli (63, Captain der Meistermannschaft 1989): «Ich kenne Fabio aus der Legenden-Nati. Er will immer gewinnen, ist sauer, wenn wir verlieren. Das ist für mich ein gutes Zeichen, ein Profitrainer muss diesen unbedingten Willen und Ehrgeiz haben, selbst wenn er nur zum Plausch mit uns alten Herren kickt. Ich mag das, war in jüngeren Jahren auch immer ein giftiger Spieler. Celestini ist ein akribischer Arbeiter, hatte gute Zeiten in Lausanne und auch in Lugano. Er spricht etwas Deutsch, muss aber als Trainer schnell die Sprache seines Klubs beherrschen.»