EIDGENÄSSISCHES: Grab mit drei Siegen in Lauerstellung

Am Eidgenössischen in Frauenfeld ist mit drei Siegen bei Halbzeit für den Rothenthurmer noch alles möglich. Nur der 20-jährige Berner Kilian Wenger ist seinen Verfolgern voraus. Der Jungspund aus dem Diemtigtal gewann als einziger Schwinger alle vier Gänge.

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Dick Christian (l.) gegen Laimbacher Philipp Laimbacher. (Bild Swiss-Image.ch/Monika Flueckiger)

Dick Christian (l.) gegen Laimbacher Philipp Laimbacher. (Bild Swiss-Image.ch/Monika Flueckiger)

Für die Topfavoriten liegt am zweiten Wettkampftag noch alles drin: Martin Grab, Jörg Abderhalden und Christian Stucki liegen mit drei Siegen in aussichtsreicher Lauerstellung. Andere Favoriten fielen jedoch aus der Entscheidung: Nöldi Forrer, der Schwingerkönig von 2001, stellte in drei von vier Gängen. Stefan Fausch, der Schlussgang-Verlierer des letzten Eidgenössischen, bezog sogar drei Niederlagen und verpasste (wie drei andere Eidgenossen) den Ausstich.

Und Philipp Laimbacher (2 Unentschieden), Matthias Sempach und Stefan Burkhalter (je 1 Remis und 1 Niederlage) benötigen viel schwingerisches Glück (sprich: viele Unentschieden in Spitzengängen), um am Sonntag nochmals in den Kampf um die Königskrone eingreifen zu können.

Nicht viel fehlte, und auch der (noch) amtierende Schwingerkönig Jörg Abderhalden wäre weit zurückgebunden worden. Der 30-jährige Toggenburger eröffnete den Wettkampf mit einem Unentschieden gegen Christian Stucki, wobei der Berner in diesem Anschwingen die aktivere Rolle spielte.

Im vierten Gang Abderhaldens gegen den Nordwestschweizer Thomas Zindel kam es schliesslich zur grössten Kontroverse des ersten Tages: Zindel stand zweimal dem Sieg nahe, der Kampfrichter gab das Resultat indessen (zu Recht) nicht. 25 Sekunden vor Ablauf der Zeit sprach der Kampfrichter aber Abderhalden den Sieg zu, obwohl auch bei diesem Zug kein gültiges Resultat vorlag.

«Abderhalden hatte diesen Gang nicht gewonnen», erklärte später auch der Schwingerobmann und ehemalige König Ernst Schläpfer. «Es braucht immer auch Glück, um ein Eidgenössisches zu gewinnen. Vielleicht hat Jörg sein Glück aber schon bald einmal aufgebraucht.»

Kaum Heimvorteil
Die 47'500 Zuschauer in der Thurgau-Arena reagierten ungehalten und mit Pfiffen auf Abderhaldens fragwürdigen Sieg. Die kritische Haltung des Publikums dokumentierte, dass die Nordostschweizer am Heimfest in Frauenfeld wenig Heimvorteil geniessen. Die grösste Unterstützung im weiten Rund erhielten zumindest am Samstag die Berner.

Auch Jörg Abderhalden registrierte, dass sich die Schwingerfans nach einem neuen König sehnen: «Der erste Tag verlief wie erwartet. Ich habe die Rolle des Gejagten. Als Schwingerkönig habe ich sehr viele Leute gegen mich - oder besser gesagt: sie unterstützen den anderen. Aber das war schon bei den letzten zwei Eidgenössischen nicht anders..."»

Wenger dominiert
Über das ganze Gesicht strahlen konnte hingegen Kilian Wenger, der junge Halbzeitleader. Wenger: «Es ist ein irrsinniges Gefühl, bei Halbzeit in Führung zu liegen. Dass ich alle vier Gänge gewinnen konnte, ist etwas vom Grössten für mich. Es gelang mir, ab dem ersten Gang konstant zu schwingen. Aber ich weiss, dass das am Sonntag in jedem Gang ändern kann."»

Tatsächlich dominierte Kilian Wenger seine vier Gänge von A bis Z. Die Reifeprüfung steht dem Metzgerlehrling aber noch bevor: Am Samstag bekam er es erst im vierten Gang erstmals mit einem eidgenössischen Kranzgewinner (Mario Thürig) zu tun. Am Sonntag wird ihn das Einteilungs-Gericht nicht mehr sanft anfassen. Schon am frühen Morgen bekommt er es mit Jörg Abderhalden zu tun. Wenger gewann bislang in seiner Karriere fünf Kranzfeste; in dieser Saison triumphierte er am Walliser Kantonalfest, am Oberaargauischen und am Oberländischen.

Es gab auch andere Gewinner am ersten Tag: Der 40-jährige, unverwüstliche Hans-Peter Pellet liegt mit drei Siegen weit vorne in der Rangliste und greift nach einem fünften eidgenössischen Kranz. Sogar auf Platz 2 liegt Andi Imhof (Attinghausen), der an gleicher Stätte vor drei Jahren beim Eidgenössischen Turnfest gewann (im Nationalturnen).

si/kst