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Vor dem grossen Start: Ein Schwingplatz auf dem Esaf-Gelände in Zug wird bewässert. (Bild: Keystone/Alexandra Wey, 16. August 2019)

Vor dem grossen Start: Ein Schwingplatz auf dem Esaf-Gelände in Zug wird bewässert. (Bild: Keystone/Alexandra Wey, 16. August 2019)

Gölä, Kolin und Co.: das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 von A bis Z

Wie viele Kubikmeter Sägemehl werden in der Zug-Arena gebraucht? Welche Note gibt es für einen Sieg? Wie heisst der kleinste Teilnehmer? Und wie lange überträgt das Schweizer Fernsehen live aus Zug? So funktioniert am Wochenende das Eidgenössische Schwingfest.
Marcel Kuchta

A wie Anschwingen

Am Eidgenössischen wird der Sieger über acht Runden, Gänge genannt, auserkoren. An einem normalen Schwingfest gibt es nur deren sechs. Die Gänge sind eingeteilt in das «Anschwingen» (Gänge 1 und 2) und das Ausschwingen (3 und 4). Nach diesen vier Gängen scheidet etwa ein Sechstel der 276 Teilnehmer aus. Am Sonntag folgen der Ausstich (5 und 6) sowie der Kranzausstich (7 und 8). Die beiden punktbesten Schwinger nach sieben Gängen machen im Schlussgang den Sieger unter sich aus. Es gibt die seltene Konstellation, dass bei einem gestellten Schlussgang plötzlich ein lachender Dritter als Sieger da steht, da die restlichen Schwinger ebenfalls einen achten Gang bestreiten und dort punkten können.

B wie Böse

Die Schwingerkranzproduktion bei der Firma Kuert Druck in Langenthal. (Bild: Keystone/Christian Beutler, 27. Juni 2016)

Die Schwingerkranzproduktion bei der Firma Kuert Druck in Langenthal. (Bild: Keystone/Christian Beutler, 27. Juni 2016)

Ein Schwinger, der an einem Eidgenössischen einen Kranz gewinnt, also zu den besten fünfzehn Prozent gehört, wird als Eidgenosse bezeichnet und zur Schwinger-Elite gerechnet. Die besten Schwinger werden im Fachjargon «die Bösen» genannt.

C wie Camping

Auf dem Campingplatz des Esaf-Gelände herrscht viel Betrieb. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 23. August 2019)

Auf dem Campingplatz des Esaf-Gelände herrscht viel Betrieb. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 23. August 2019)

Es werden bis zu 350'000 Besucher in Zug erwartet. Die Hotelbetten in der näheren Umgebung sind längst so gut wie ausgebucht. Der eigens für das Fest eingerichtete Camping-Platz meldet ebenfalls «wir sind voll».

D wie Doping

Seit 2017 gehört der Eidgenössische Schwingerverband zu Swiss Olympic und fällt damit auch unter das allgemeingültige Dopingstatut. Seither landen Dopingfälle im Schwingsport vor der Disziplinarkammer von Swiss Olympic. Die Kontrollen wurden von 25 auf 75 pro Jahr verdreifacht. Gut möglich, dass auch der eine oder andere der grossen Favoriten auf den Königstitel in den letzten Tagen vor dem Fest noch Besuch von einem Kontrolleur erhielt.

E wie Ertrag

Das eidgenössische Schwingfest hat sich zum «Big Business» entwickelt. 37 Millionen Franken beträgt das Budget des ESAF in Zug. Man darf davon ausgehen, dass die Organisatoren einen schönen Gewinn einfahren werden. Vor sechs Jahren schaute in Burgdorf ein Netto-Überschuss von einer halben Million heraus.

F wie Fairness

Im Gegensatz zum Fussball oder dem Eishockey geht es an den Schwingfesten auf den Tribünen stets gesittet zu und her. Pfiffe und Unmutsbekundungen sind verpönt, Schmährufe gegen die Kampfrichter ebenso.

G wie Gabentempel

Präsentation des Gabentempels des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug. (Bild: Keystone/Walter Bieri, 9. August 2019)

Präsentation des Gabentempels des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug. (Bild: Keystone/Walter Bieri, 9. August 2019)

Aus 450 Gaben mit einem Gesamtwert von einer Million Franken können sich die Schwinger und Steinstösser ihren Preis aussuchen. Hauptpreis ist Siegermuni «Kolin».

H wie Hit

Die beiden Mundart-Rocker Gölä und Trauffer haben den offiziellen Song zum Eidgenössischen aufgenommen. «Maa gäge Maa» heisst das Machwerk der «Büezer Buebe», das nicht nur auf dem Festgelände zum Ohrwurm avancieren soll.

I wie Infrastruktur

Die Aufbauarbeiten in der Arena eine Woche vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, 15. August 2019)

Die Aufbauarbeiten in der Arena eine Woche vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, 15. August 2019)

Am 17. Juni begann die Firma Nüssli AG aus Hüttwilen auf dem Festgelände mit dem Aufbau der sechs riesigen Stahlrohrtribünen, die genau 56 500 Zuschauern Platz bieten. Nach wenigen Wochen stand die beeindruckende Zug-Arena, das grösste temporäre Sportstadion der Welt.

J wie Jury

Die Jury an einem Schwingfest im Kanton Freiburg. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

Die Jury an einem Schwingfest im Kanton Freiburg. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

Der Berner Samuel Feller ist als Technischer Leiter des ESV der Chef im Ring. Er entschied in Eigenregie, welche Top-Schwinger am Samstag im ersten Gang gegeneinander antreten müssen. Läuft der Wettkampf, bestimmt das sogenannte Einteilungsgericht anhand der Zwischenrangliste, wer in den folgenden Gängen auf wen trifft. In diesem Gremium ist jeder der fünf Teilverbände mit seinem Technischen Leiter vertreten. Das führt oft zu hitzigen Diskussionen, da jeder Teilverband seine besten Schwinger vor unbequemen Kontrahenten beschützen möchte. Bei allfälligen Patt-Situation kann Feller einen Stich-Entscheid fällen.

K wie Kurz

Die Schwinger Lars Aerni (blaues Hemd) und Nick Alpiger (schwarzes Hemd) vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung zeigen den Schwung «Kurz», aufgenommen am 19. August in ihrem Schwingkeller in Möriken (AG). (Bild Keystone/Gaetan Bally)

Die Schwinger Lars Aerni (blaues Hemd) und Nick Alpiger (schwarzes Hemd) vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung zeigen den Schwung «Kurz», aufgenommen am 19. August in ihrem Schwingkeller in Möriken (AG). (Bild Keystone/Gaetan Bally)

Heute sind an die 100 Schwünge im Schwingerlehrbuch ausführlich festgehalten. Der «Kurz» ist der beliebteste Schwung und, weil er aus dem satten Griff gezogen wird, auch der einfachste. Neben dem «Kurz» gibt es vier weitere Hauptschwünge: den «Brienzer», den «Bur», den «Übersprung» und den «Gammen».

L wie Lobpreisung

Es ist eines der berühmten, ungeschriebenen Gesetze und ein beliebtes Fotosujet an jedem Schwingfest: Nach der Entscheidung im Schlussgang wird der Festsieger von zwei Klub- oder Verbandskollegen auf die Schultern gehoben. In dieser Position lässt sich der Schwingerkönig kurz vom Publikum feiern und von den Fotografen ablichten.

M wie Muni

Das ist Kolin. (Bild: Swiss-image.ch/Andreas Busslinger)

Das ist Kolin. (Bild: Swiss-image.ch/Andreas Busslinger)

Die Tradition will es so: Der Schwingerkönig erhält einen Muni als Siegerpreis. In Zug heisst er «Kolin», ein beeindruckender original Braunvieh-Zuchtstier. In der Regel nehmen die Gewinner nicht den Lebendpreis, sondern den Barbetrag (20 000 Franken) mit nach Hause. Der eigentliche Wert des Stiers ist allerdings tiefer.

N wie Noten

Jeder Gang wird von drei Kampfrichtern bewertet, von denen jeweils einer zusammen mit den Schwingern im Sägemehlring steht. Der Sieger erhält 9,50 bis 10,00 Punkte, der Verlierer 8,25 bis 8,75 Punkte. Bei «gestellten» Gängen werden pro Schwinger 8,50 bis 9,00 Punkte verteilt. Der Sieger erhält nur für einen Plattwurf die maximale Punktzahl. Die Noten 9,00 für einen «Gestellten» und 8,75 für eine Niederlage werden gemäss Regulativ nur für «überdurchschnittliche, technisch hochstehende und angriffige Arbeit» vergeben. Ein Gang gilt als entschieden, wenn ein Schwinger mit dem Rücken ganz oder bis Mitte beider Schulterblätter gleichzeitig den Boden berührt. Das Resultat ist nur gültig, wenn beide Schulterblätter innerhalb des Sägemehlringes zu liegen kommen.

O wie Organisation

Vor sieben Jahren wurde das Zuger Organisationskomitee um Präsident Heinz Tännler offiziell eingesetzt. Das Gesamt-OK besteht aus 112 Mitgliedern aufgeteilt auf sieben Stabstellen, acht Abteilungen, den Trägerverein und den Präsidialausschuss.

P wie Public Viewing

Nur 4000 Tickets für den Zutritt in die Arena kamen in den öffentlichen Verkauf, der Rest ging via Mitglieder der Schwinger-Klubs und Sponsoring weg. Die vielen Interessenten (es gingen 183 000 (!) Ticket-Anfragen ein), die draussen bleiben müssen, kommen trotzdem auf ihre Kosten. Auf dem Festgelände ist eine grosse Public-Viewing-Zone eingerichtet.

Q wie Qual der Wahl

Sie heissen «Gemsstock», «Pilatus», «Rigi» sowie «Stanserhorn» und wurden nach den bekanntesten Bergen der Innerschweiz benannt. In den fünf Festbeizen (es gibt auch noch die «Gabenbeiz») wird auf dem über 70 Hektaren grossen Festgelände jeder Schwingerfreund mit traditionellen Menüs auf seine Kosten kommen.

R wie Rituale

Als Zeichen der Wertschätzung reichen sich die beiden Schwinger vor dem ersten «Griffefassen» im Sägemehl immer die Hand und schauen einander in die Augen, verbunden mit einem kameradschaftlichen Grusswort. Nach dem Zweikampf reichen sich die zwei Widersacher unabhängig vom Verlauf des Ganges die Hand und anerkennen damit das Urteil des Kampfgerichts. Wenn die Entscheidung gefallen ist, wischt der Sieger dem Verlierer mit einer oder beiden Händen das Sägemehl vom Rücken.

S wie Sägemehl

Einer der Schwingplätze in Zug wird mit Sägemehl ausgelegt. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Einer der Schwingplätze in Zug wird mit Sägemehl ausgelegt. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Für die sieben Wettkampfringe à 14 Meter Durchmesser werden insgesamt 245 Kubikmeter Sägemehl benötigt. Es muss mindestens 15 cm hoch und angefeuchtet sein.

T wie TV

Das Schweizer Fernsehen wird während über 18 Stunden live aus Zug senden. Auf SRF 2 kommentieren Stefan Hofmänner und Marcel Melcher sowie als Experten die drei Schwingerkönige Adrian Käser, Jörg Abderhalden und Matthias Sempach. Sascha Ruefer führt als Moderator durch die zweitägige Live-Sendung.

U wie Unterschied

Zwei Schwinger in Lebensgrösse «kleben» am Schaufenster eines Geschäfts in Zug. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Zwei Schwinger in Lebensgrösse «kleben» am Schaufenster eines Geschäfts in Zug. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Punkto Bekleidung gibt es einen offensichtlichen Unterschied: Sennenschwinger, die grosse Mehrheit, treten mit einem unifarbenen, aber nicht zu grellen Hemd und dunkler Hose an. Turnerschwinger kämpfen traditionell in weissem T-Shirt und weisser Hose. In den letzten 15 Jahren war übrigens immer ein «Senne» Schwingerkönig am «Eidgenössischen».

V wie Verband

Dem Eidgenössischen Schwingerverband gehören etwas mehr als 3000 Aktiv- und 3000 Jungschwinger an. Die Gesamtmitgliederzahl beträgt über 50 000. Der Verband ist in fünf Teilverbände gegliedert: Innerschweiz, Nordostschweiz, Nordwestschweiz, Südwestschweiz und Bern.

W wie Werbung

Während die Schwinger (auf Kopfbedeckung und Trainerjacken) in bescheidenem Rahmen Werbung betreiben dürfen, muss die Wettkampfarena bei eidgenössischen Anlässen und allen weiteren Schwingfesten mit Kranzabgabe vollständig werbefrei sein. Das gilt auch für die Wettkampf- und Festbekleidung der Schwinger und Funktionäre.

X wie X-Pats

In Zug sind neben den 268 Schwingern aus den fünf Teilverbänden auch acht Auslandschweizer mit klingenden Namen wie Kyle Brönimann, Dustin Gwerder oder Andrew Betschart startberechtigt. Die «Nordamerikaner» mussten sich an den in Kanada und den USA stattfindenden Schwingfesten qualifizieren. Ausländer ohne Schweizer Pass, wie der Aargauer Tiago Vieira (Portugiese), müssen sich wie alle anderen regulär qualifizieren.

Y wie Youngster

Impression vom Schwägalp Schwinget. (Bild: Werner Schlegel)

Impression vom Schwägalp Schwinget. (Bild: Werner Schlegel)

Werner Schlegel (Hemberg SG) ist mit 16 Jahren und zehn Monaten der jüngste Teilnehmer am Eidgenössischen. Am anderen Ende der Skala steht ebenfalls ein Schwinger aus der Ostschweiz: Der Thurgauer Stefan Burkhalter ist mit 45 Jahren und knapp drei Monaten der älteste Teilnehmer. Weitere Rekorde: Tiago Vieira (Buchs AG) ist mit 155 kg der schwerste, Nando Durrer (Alpnach) mit 73 kg der leichteste Schwinger. Severin Schwander (Riggisberg BE) ist mit 2,02m der grösste, Simon Schmid (Entlebuch) mit 1,66m der kleinste Athlet.

Z wie Zwilchhosen

Das Sportgerät des Schwingers wird im Emmental von Sattlermeister Paul Eggimann in Handarbeit hergestellt. Es besteht aus Zwilch und Leder und kostet je nach Grösse um die 150 Franken. Eggimann musste je 50 helle und 50 dunkelbraun eingefärbte Schwinghosen produzieren.

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