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Ein äusserst brisantes Barrage-Duell

In der Bundesliga-Barrage am Donnerstag und am Montag (jeweils 20.30 Uhr) trifft der VfL Wolfsburg auf Holstein Kiel. Es ist ein Fussball-Duell der Gegensätze.
Frank Amberg
Lernt nun Holstein Kiel kennen: Wolfsburg-Stürmer Divock Origi (Mitte). (Bild: Focke Strangmann/Keystone (Wolfsburg, 12. Mai 2018)).

Lernt nun Holstein Kiel kennen: Wolfsburg-Stürmer Divock Origi (Mitte). (Bild: Focke Strangmann/Keystone (Wolfsburg, 12. Mai 2018)).

Divock Origi hatte keine Ahnung, um was es da gerade eigentlich ging. Soeben hatte sich der Wolfsburger Stürmer mit seinem Team dank eines 4:1-Erfolgs gegen Köln am letzten Bundesliga-Spieltag gerade noch so in die Barrage gerettet. Nun stand er im Bauch des VfL-Stadions beim vergnüglichen Gespräch mit den Journalisten. Die Laune war bestens, das Thema dem 23-jährigen Belgier allerdings ein Rätsel. «Divock», fragte ein Reporter aufrichtig interessiert, «kennst du Holstein Kiel?» Die freundliche Antwort der Liverpool-Leihgabe: «Nein.» «Gegen die spielt ihr am Donnerstag.» «Ah, interessant.» Fussball-Deutschland staunte nicht schlecht. Und selbst Origis Mitspieler Paul Verhaegh merkte vorsichtig an: «Das ist nicht so super gelaufen, dass er es in dem Moment nicht wusste. Schlimmer wäre es aber, wenn er es bis zum Spiel noch nicht weiss.» Bis dahin sollten auch die Wissenslücken von Mittelfeldspieler Joshua Guilavogui geschlossen sein. Als er nach den Kieler Topskorern Marvin Ducksch und Dominick Drexler gefragt wurde, machte er grosse Augen und fragte nur: «Wie bitte?»

Beim Barrage-Gegner haben sie diese Vorgänge mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen. «Das zeigt, was für verschiedene Welten aufeinandertreffen», sagt Kiels Captain Rafael Czichos, «hier Spieler, die bei Weltmeisterschaften spielen oder von Liverpool kommen. Und dann wir, die den Fussball von einer etwas anderen Seite kennen.»

Wie eine Ansammlung von Ich-AGs

Tatsächlich kommt es zu einem Duell, das vor der Saison keiner erwartet hätte. Die Wolfsburger wollten die internationalen Plätze angreifen, Kiel als Aufsteiger nur irgendwie in der zweiten Liga bleiben. Selten gab es mehr David gegen Goliath. Oder um es mit Ralf Becker, Kiels Geschäftsführer Sport, zu sagen: «Bei Wolfsburg verdienen zwei Topspieler wahrscheinlich so viel wie unsere gesamte Mannschaft.» Das könnte hinkommen.

Der Personaletat des Bundesligisten beträgt satte 70 Millionen Franken, der von Holstein 8. Und natürlich verfügen die Wolfsburger über ganz viel individuelle Klasse – aber eben nicht über eine funktionierende Mannschaft. Der VfL wirkt wie eine Ansammlung von Ich-AGs, die rein zufällig am gleichen Ort gelandet sind. Und die im Zweifel eben wieder weiterziehen, wenn das mit dem Klassenverbleib nicht klappen sollte. Ein Eindruck, den offenbar auch die Führungsetage gewonnen hat. Deshalb soll sich Geschäftsführer Wolfgang Hotze kürzlich die Herren zur Brust genommen haben. Seine Botschaft: Der Club sei selbst im Abstiegsfall finanziell in der glücklichen Lage, keinen Spieler abgeben zu müssen. Wer also auch zukünftig erstklassig Fussball spielen wolle, solle langsam mal das Gaspedal durchdrücken.

Ganz anders die Situation in Kiel, wo sie gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Vor zwei Jahren noch 14. in der dritten Liga, dürfen sie nun vom Durchmarsch träumen. Mit vielen Spielern, die woanders bereits durchs Raster gefallen waren. Und mit einem Fussball, der begeistert. Doch wie das in diesem Metier so ist, weckt der Erfolg natürlich Begehrlichkeiten. Sportchef Ralf Becker wird ebenso mit anderen Clubs in Verbindung gebracht wie der eine oder andere Spieler. Und Erfolgstrainer Markus Anfang hat seinen Abschied schon verkündet, er wechselt zum Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln. Doch zuvor wollen sie alle zusammen für ein Happy End dieser unglaublichen Geschichte sorgen. In Kiel freuen sie sich auf die Barrage, in Wolfsburg naturgemäss weniger.

Nur der Aargauer Renato Steffen kann dem Ganzen einen gewissen Reiz abgewinnen: «Ich finde das eigentlich geil, wenn es auf der Kippe steht.» Aber ziemlich sicher nur, wenn er mit dem VfL am Ende nicht abstürzt.

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