Ein Bierstreit endet in einer Zügelaktion

Im Viertelfinal der Champions League trifft der EVZ heute auf Mountfield HK. Die Tschechen haben eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich.

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Können die Zuger Gregory Hofmann, Raphael Diaz, Lino Martschini, Oscar Lindberg und Jan Kovar auch nach dem Viertelfinal gegen Mountfield jubeln?  Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 19. November 2019)

Können die Zuger Gregory Hofmann, Raphael Diaz, Lino Martschini, Oscar Lindberg und Jan Kovar auch nach dem Viertelfinal gegen Mountfield jubeln?  Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 19. November 2019)

Marc Schumacher, freshfocus

(mo/ars) Die Auswärtsspiele in der Champions Hockey League sind oftmals eine gute Möglichkeit, um mehr über europäische Länder zu erfahren, die bei Tourismusempfehlungen nicht an erster Stelle stehen. Heute (18 Uhr, CPP-Arena) trifft der EV Zug auf Mountfield HK. Der Viertelfinalgegner der Zuger spielt in der obersten tschechischen Liga, der Extraliga. In der Schweiz ist die Equipe bekannt, weil sie 2017 am Spengler-Cup in Davos teilgenommen hat. Beheimatet ist Mountfield in Hradec Kralove. Die Universitätsstadt hat rund 90000 Einwohner und liegt rund 130 Kilometer östlich der Hauptstadt Prag.

Ein Streit hat Mountfield nach Hradec Kralove gebracht. Das Team hat in Ceske Budejovice (Budweis) gespielt. Als die tschechische Extraliga in der Saison 2012/13 die Bierausschankrechte exklusiv an die Radegast-Brauereien verkaufte, kam es zum Bruch mit den Budweiser-Bierbrauern. Ceske Budejovice, dessen Arena der Namen der Budweiser-Brauerei trug, hätte bei Nichtbeachtung des neuen Vertrages hohe Strafzahlungen gedroht. Es entbrannte ein Streit, der sich nicht lösen liess. Die Extraliga-Lizenz von Mountfield kaufte dann eine Betreibergesellschaft in Hradec Kralove. 50 Spieler und Funktionäre mussten die Koffer packen. Was geblieben ist: Das Team trägt den Namen des Hauptsponsors Mountfield. Es handelt sich dabei um den grössten Anbieter von Gartenartikeln in Tschechien und der Slowakei.

Ein Trainer mit Zuger Bezug

In der laufenden Meisterschaft 2019/2020 ist Mountfield HK nicht durch Glanztaten aufgefallen. Mit 35 Punkten liegt der EVZ-Gegner in der tschechischen Extraliga nur auf dem 8. Platz. Wie der EV Zug hat Mountfield in der bisherigen Meisterschaft eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich. Dies hat dazu geführt, dass seit Ende Oktober dem Mountfield-Trainer Tomas Martinec die tschechische Spielerlegende Vladimir Ruzicka zur Seite gestellt worden ist. Somit hat Mountfield zwei Headcoaches – ein interessantes Konstrukt. Ruzicka ist auch in Zug kein Unbekannter. Er hat in der Saison 1993/94 sechs Playoffspiele (2 Tore/3 Assists) für den EVZ absolviert.

Noch drei Schweizer Mannschaften vertreten

Die Tschechen scheinen nun in Fahrt gekommen zu sein. Sie siegten zuletzt auswärts gegen Karlovy Vary (Karlsbad) und zu Hause gegen Olomouc (Olmütz). «Wir versuchen alles, um unserem System treu zu bleiben, das uns der Trainer vermittelt hat. Manchmal scheitern wir noch, aber wir tun alles, um uns zu verbessern», sagt der 25-jährige Mountfield-Stürmer Ales Jergl. Derweil zollt der Co-Trainer Petr Svoboda dem EVZ Respekt: «Dieses Team hat Qualität. Da erwartet uns nichts Einfaches.»

Der Zuger Tross flog am Montagnachmittag nach Prag und reiste von dort mit dem Bus weiter nach Hradec Kralove. Der EVZ-Trainer Dan Tangnes rechnet mit einem «physisch starken» Gegner. «Wir stellen uns auf einen grossen Kampf ein.» In der Runde der letzten Acht sind neben dem EV Zug noch zwei weitere Schweizer Mannschaften vertreten: der EHC Biel und der HC Lausanne. Die Chancen sind intakt, dass zumindest eines dieser Teams in die Halbfinals vorstösst. Von den Schweizer Klubs haben das bisher nur Davos (2015) und ­Fribourg-Gottéron (2016) geschafft. Insbesondere im EV Zug sind die Ambitionen hoch, er strebt den Titel an. Zunächst muss er aber die Hürde Mountfield HK nehmen.