Eishockey NLA
Ein bisschen Spass muss sein: Roberto Blanco singt, Thomas Rüfenacht lächelt und Bern gewinnt

Der SC Bern kommt nach einem misslungenen Start in die Halbfinal-Serie gegen Lugano langsam aber sicher in Fahrt und führt mit 2:1. Mit dabei: der lachende Thomas Rüfenacht.

Marcel Kuchta
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Thomas Rüfenacht (l.) ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Berner Mannschaft.

Thomas Rüfenacht (l.) ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Berner Mannschaft.

Keystone

Zu Beginn ein kleines Quiz: Was ist passiert, wenn Roberto Blancos «ein bisschen Spass muss sein» aus den Boxen der Postfinance-Arena dröhnt und gleichzeitig ein auf der Spielerbank sitzender Eishockey-Crack grinsend auf dem grossen Videowürfel zu sehen ist? Ja, es kann auch während der Playoffs durchaus mal lustig zu- und hergehen.

Thomas Rüfenacht (r.) lacht zusammen mit Biels Marco Maurer.

Thomas Rüfenacht (r.) lacht zusammen mit Biels Marco Maurer.

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Allerdings war das Humorverständnis am Samstagabend, als sich das dritte Halbfinalspiel zwischen dem SC Bern und dem HC Lugano dem Ende zuneigte, ziemlich einseitig verteilt. Hier sass also Berns Thomas Rüfenacht auf der Spielerbank und hatte allen Grund zum Lachen. Auf der anderen Seite des Eisfelds sass Luganos Maxime Lapierre mit säuerlicher Miene auf der Strafbank. Im Wissen, dass er seine Mannschaft eben um die letzte, wenn auch minime Siegchance gebracht hatte. Und im Wissen, dass er im Duell der beiden Bösewichte den Kürzeren gezogen hatte.

Was war passiert? Der Kanadier Lapierre und der Schweiz-Amerikaner Rüfenacht, deren Gemeinsamkeit auf dem Eis ein loses Mundwerk ist und bei denen die Provokation ein ständiger treuer Begleiter ist, waren sich kurz vor Ende des Spiels, welches beim Stand von 4:1 für den SC Bern quasi entschieden war, zum x-ten Mal in die Quere gekommen. Lapierre traktierte Rüfenacht erst mit dem Stock, dann mit Fäusten. Dann nahm er ihn in den Schwitzkasten und verabreichte ihm weitere Faustschläge.

Berns Thomas Rüfenacht (links) antwortet auf die Schläge von Lugano-Bösewicht Maxim Lapierre mit einem breiten Grinsen.

Berns Thomas Rüfenacht (links) antwortet auf die Schläge von Lugano-Bösewicht Maxim Lapierre mit einem breiten Grinsen.

Keystone
Die Schiris mussten die Situation beruhigen.

Die Schiris mussten die Situation beruhigen.

Keystone

Und was machte Rüfenacht? Er liess das Ganze über sich ergehen. Nahm sogar demonstrativ die Hände hinter den Rücken. Und grinste. Vor dem Spiel hatte er sich noch öffentlich beklagt, dass er von den Schiedsrichtern immer in Sippenhaft genommen werde. Sprich: wenn immer Lapierre die Provokation suche, werde er automatisch auch bestraft. Diesmal nicht. Deshalb lachte Rüfenacht auf der Spielerbank. Ziel erreicht. Roberto Blanco sang. Und das Publikum tobte vor Begeisterung.

Mehr als nur Provokateur

Logisch, war Rüfenacht auch nach der Schlusssirene der gefeierte Mann. Nicht nur wegen seiner Aktion mit Lapierre. Er hatte, quasi als Zückerchen, auch noch zwei Treffer erzielt und somit auch spielerisch entscheidenden Einfluss auf den 4:1-Sieg seiner Mannschaft. «Eigentlich hab ich sogar drei Tore gemacht», reklamierte er später augenzwinkernd auch noch das Tor zum 2:1, welches Andrew Ebbett zugeschrieben wurde, für sich.

Thomas Rüfenacht, SCB-Stürmer

«Das Team ist meine Familie. Tut man ihr weh, werde ich böse.»

Bereits beim 4:1-Sieg am Donnerstag in Lugano war der 32-Jährige für das wegweisende 1:0 verantwortlich gewesen. Rüfenacht ist in der Mannschaft der Berner inzwischen viel mehr als der Mann, der den Gegner provozieren soll. Wer im Paradesturm neben Topskorer Marco Arcobello und Nationalspieler Simon Moser aufläuft, der muss mehr können, als den Gegner verbal zur Weissglut zu bringen.

Interview mit Thomas Rüfenacht nach dem 4:1-Sieg gegen Lugano:

Gegenüber dem «Blick» sagte er: «Meine Rolle hat sich geändert. Ich bilde mit Moser und Arcobello eine Linie, fokussiere mich mehr aufs Spiel. Aber ich kann gut adaptieren. Das Team ist meine Familie. Tut man ihr weh, werde ich böse.»

Rüfenacht unverzichtbar

Apropos Familie: «Rüfi», dem im Schweizer Eishockey aufgrund seiner Tendenz, immer mal wieder auszuticken, während Jahren ein miserabler Ruf vorauseilte, ist erwachsen geworden. Sowohl auf als auch neben dem Eis. Zusammen mit seiner Frau Romana hat er zwei Töchter (Lia, 3, und Ellie, 1). Aus dem Provokateur vom Dienst ist ein Familienvater geworden. «Sie haben mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt», sagt er.

Verteilt auch gerne: Berns Thomas Rüfenacht (m.) prügelt sich mit Luganos Stefan Ulmer (l.).

Verteilt auch gerne: Berns Thomas Rüfenacht (m.) prügelt sich mit Luganos Stefan Ulmer (l.).

Keystone

Aus dem Mann, der in der Schweiz auf die Welt kam, dann in den USA gemeinsam mit seinen drei Brüdern aufwuchs und sich als Eishockeyspieler hierzulande von ganz unten nach oben arbeiten musste, ist ein fast unverzichtbarer Bestandteil des grossen SC Bern geworden.

Schon im vergangenen Frühling war Rüfenacht einer der Hauptdarsteller bei der unwahrscheinlichen SCB-Erfolgsstory, welche mit dem Meistertitel gekrönt wurde. Geht es nach ihm, dann soll der Spass auch in diesem Jahr noch eine Weile weitergehen. Und Roberto Blanco darf mitsingen.

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