Ein Dämpfer für den HC Kriens-Luzern vor dem Spitzenkampf

Der HC Kriens-Luzern zieht den ersten schwachen Tag im neuen Handball-Jahr ein: 22:24-Niederlage bei GC Amicitia in Zürich.

Roland Bucher
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Für einmal enteilt der Krienser Tom Hofstetter (rechts) GC-Amicitia-Spieler Albin Alili.

Für einmal enteilt der Krienser Tom Hofstetter (rechts) GC-Amicitia-Spieler Albin Alili.

Alexander Wagner (Zürich, 16.Februar 2020)

Es waren – gnädig formuliert – einige Fehlleistungen zu viel, die Kriens beging: GC Amicitia, Drittletzter der Tabelle, nützte den Schlendrian der Krienser konsequent aus, bestätigte seinen Formanstieg der letzten Spiele, spielte effizienten Handball, wirkte bissiger, entschlossener und verwies das Team von Goran Perkovac nichts als zurecht auf die Verliererstrasse.

«Wir haben in dieser Saison bisher fast alles richtig gemacht», resümierte der Trainer, «heute vieles falsch. Ich habe der Mannschaft nach dem Spiel gesagt, dass es sehr schade ist, wenn man einen guten Lauf mit einer derart unnötigen Niederlage unterbricht.» Aber: «Eines verspreche ich – wir lernen auch aus solchen Erlebnissen. Jetzt warten enorm starke Gegner wie Kadetten Schaffhausen und Pfadi Winterthur auf uns – jetzt müssen wir beweisen, ob wir ein Spitzenteam sind.» Oder halt eben doch noch nicht.

Zwei frühere Krienser führen Amicitia zum Sieg

Treibende Kräfte bei den Zürchern waren ausgerechnet zwei ehemalige Krienser. Jost Brücker, der Urner mit Bundesliga-Vergangenheit, und Albin Alili, womöglich jener Schweizer Handballer, der aus seinen unerhörten Talenten am wenigsten herauskitzelt, tricksten die HCK-Abwehr mal für mal aus, warfen zusammen neun Tore. «24 Gegentore sind nicht viel», analysierte Perkovac, «aber trotzdem: Wir haben defensiv nicht unseren Standard abgerufen.» Und ein Geheimnis sei das ja nicht: Wem, wie Kriens gestern, nur 22 Treffer gelänge – «der gewinnt fast nie ein Auswärtsspiel».

Nachzuschieben wäre, um den Krienser Misstritt zu relativieren, dass die Voraussetzungen schlecht waren. Harbuz, der Topskorer, Goalie Bar und Gavranovic, der um einen neuen Zweijahresvertrag kämpfende Kreisläufer, kränkelten die ganze Woche, Oertli und Hofstetter, die beiden Mittelaufbauer, verhaspelten sich immer wieder in Amicitias blockenden Abwehr.

So blieben, vor allem auch weil GC-Keeper Nikola Marinovic einmal mehr hervorragend arbeitete (40 Abwehrprozente), individuelle Krienser Kraftakte ohne Lohn. Adrian Blättler bewies erneut, dass er nach einer Baisse im Herbst den Tritt wieder gefunden hat, führte sein Team immer wieder heran; doch auch Harbuz, der trotz einer Antibiotika-Kur in der Schlussphase der Partie stark forciert wurde und Tor an Tor reihte, vermochten das Rad nicht mehr zu drehen: Amicitias Dreitore-Polster, welches man sich nach der Pause erarbeitet hatte, hallte bis zum Schlusspfiff nach.

Die Chance zur Rehabilitation folgt

Verloren, wieder einmal, nach einer fast Endlos-Siegesserie: «Dürfte gegen Amicitia eigentlich nicht, kann aber passieren», meinte Goran Perkovac, «wir werden diesen Ausrutscher genau analysieren – und schauen vorwärts.»

«Vorwärts» – gemeint ist der nächste Freitag, dann bittet Kriens Branchenleader Schaffhausen zum Spitzenkampf. «Es war ein Schuss vor den Bug», sagt der Chef, «wir nehmen das ernst. Aber wir wissen, dass es keinen Grund gibt, jetzt alles wieder in Frage zu stellen.» Ja, man darf auf die Krienser Reaktion am Freitag (20 Uhr, Krauerhalle) gespannt sein.

GC Amicitia Zürich - Kriens-Luzern 24:22 (12:11)
378 Zuschauer. - SR Joss/Quardani. - Strafen: 6mal 2 Minuten gegen GC Amicitia Zürich, 6mal 2 Minuten inkl. Disqualifikation Gavranovic (58.) gegen Kriens-Luzern.
GC Amicitia Zürich: Marinovic (14 Paraden)/Ineichen; Brücker (4/1), Leitner (2), Alili (5), Schyla (3), Schild, Szymanski (3), Esono Mangue, Dannmeyer (1), Klampt (3), Koller, Sartisson (3), Onamade.
Kriens-Luzern: Eicher (6 Paraden)/Bar (5); Harbuz (5/2), Wipf, Blättler (6/4), Piroch (2), Rellstab (2), Gavranovic (2), Oertli (1), Ramseier (1), Schlumpf (1), Delchiappo, Papez (2), Lavric, Hofstetter.
Bemerkungen: Verhältnis verschossene Penaltys 2:2.