Kolumne

Dopingjäger planen ein Fort Knox für den Urin

Die Kolumne «Spritzensport» beschäftigt sich mit Themen rund um Doping und den Kampf dagegen. Aktuell geht es um die Langzeitlagerung von Dopingproben, um sie nach zehn Jahren noch einmal zu analysieren.

Rainer Sommerhalder
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Die USA lagern ihre staatlichen Goldreserven seit 1936 im scharf bewachten Militärstützpunkt Fort Knox im Bundesstaat Kentucky. Hinter dicken Stahl- und Betonwänden glänzen 4600 Tonnen Edelmetall. Für Dopingjäger im Sport ähnlich kostbar wie Gold ist der Urin von Athleten. Vor allem, seit sich die Nachanalyse von Dopingproben als das effektivste Mittel bei der Jagd nach Betrügern herausgestellt hat. 125 Sportlerinnen und Sportler der Olympischen Spiele von Peking 2008 und London 2012 wurden auf diese Weise nachträglich erwischt. Das sind achtmal mehr als bei der ursprünglichen Kontrolle.

Kein Wunder, nimmt das Bedürfnis von Sportverbänden ständig zu, den gesammelten Urin für die maximal erlaubten zehn Jahre zu lagern. Allein beim renommierten Labor in Lausanne sammeln sich beinahe 40 000 Dopingproben an. Das Olympische Komitee, der internationale Radsport- und Leichtathletik-Verband oder Antidoping Schweiz lagern die eingeforderten Körperflüssigkeiten dort. Das ist logistisch nicht ganz ohne. Urin muss bei konstanten minus 20 Grad, Blut sogar bei minus 80 Grad eingefroren werden. Und weil solche Beweisstücke eines Tages über das Karriereende von Sportstars entscheiden können, stellen sich auch hohe Ansprüche an die Sicherheit. Der Urin wird bewacht, als wäre er flüssiges Gold.

Seit 2004 werden weltweit in Antidoping-Laboren immer mehr Räume eingerichtet für die Langzeitlagerung von Dopingproben. Viele Verbände treffen eine Auswahl an Urinfläschchen, die behalten werden. Das IOC lagert sämtliche Tests der Olympischen Spiele ein. Die Hoffnung, Jahre nach dem Ereignis mit modernsten Analysemethoden den einen oder anderen Olympiasieger noch als Betrüger zu entlarven, geht ins Geld.

Nun plant die im vergangenen Jahr eingesetzte International Testing Agency (ITA) mit Sitz in Lausanne irgendwo in der Westschweiz die Einrichtung einer speziellen Lagerhalle. Dort soll der Urin von möglichst allen auch für die Nachanalyse vorgesehenen Dopingproben rund um den Erdball aufbewahrt werden. Es ist quasi die Erschaffung eines Fort Knox für Sportlerurin. Und da behaupte noch einer, im Kampf gegen Doping werde vorwiegend Seich gemacht.