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Loïc Meillard: «Ich bin noch nie mit so viel Selbstvertrauen nach Adelboden gekommen»

Die Schweiz erlebt in Adelboden eine längere Durststrecke. Loïc Meillard (22) könnte sie an diesem Wochenende beim Riesenslalom vom Samstag und beim Slalom vom Sonntag beenden.
Claudio Zanini, Adelboden
Lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: Loïc Meillard. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Adelboden, 11. Januar 2019))

Lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: Loïc Meillard. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (Adelboden, 11. Januar 2019))

Es läuft rund bei Loïc Meillard. Nicht nur sportlich, wohl auch finanziell. Am Vortag der Rennen in Adelboden verkündet er auf den sozialen Medien, dass er eine Partnerschaft mit einem Westschweizer Uhrenhersteller eingehen werde. Eine Luxusmarke mit Tradition und längst ein Weltcup-Partner. Als pflichtbewusster Botschafter trägt er die Uhr Stunden später beim Medientreffen in einem Hotel im Berner Oberland.

Normalerweise hängen andere Uhren an den Handgelenken von 22-Jährigen. Aber Meillard ist in vielerlei Sicht eine Ausnahme. Über ihn singen Grössen des Weltcups Loblieder. Etwa Marcel Hirscher, der sagte, er «bewundere» die Technik von Meillard. Das hat darum viel Bedeutung, weil Hirscher derjenige ist, den alle bewundern, wenn es um Technik geht. Anders ausgedrückt: Der von allen Bewunderte bewundert Meillard.

Meillard hatte zu viel Erfolg, um in seinem jungen Alter als Geheimtipp zu gelten. An den Junioren-WM 2015 und 2017 gewann er zusammengezählt fünf Medaillen. In dieser Saison stand er erstmals im Weltcup auf dem Podest. Zweimal ein zweiter Platz im österreichischen Saalbach-Hinterglemm. Einmal im Riesenslalom, am Tag danach im Slalom. Den Podestplätzen im Riesenslalom haftet eine besondere Note an. Denn der Riesenslalom gilt als Basisdisziplin. Doch die Schweizer bekamen Schwierigkeiten mit dieser Basis. Sieben Jahre dauerte es, bis Anfang Dezember wieder einmal ein Schweizer auf dem Podium stand. Thomas Tumler wurde in Beaver Creek Dritter. Zugetraut hat ihm das keiner. Am Donnerstag rutschte er noch einen Platz hoch, nach der Disqualifikation des Deutschen Stefan Luitz.

In Adelboden sind die Schweizer länger nicht mehr auf dem Podest gestanden. Letztmals waren es Marc Berthod und Daniel Albrecht 2008, Berthod wurde Erster, Albrecht Zweiter. Man machte sie zu viel beachteten Ski-Zwillingen, nach der Erfolgssaison zerrissen sie aber keine Stricke mehr. Bei den letzten zehn Austragungen feierten Andere in Adelboden. Einige zauberten sogar. Etwa Hirscher, der im vergangenen Jahr Fehler um Fehler im zweiten Durchgang zeigte und dennoch siegte.

Tradition wie auf dem Brünig

Besonders weh tut die Flaute, weil das Chuenisbärgli einerseits ein Heimrennen und andererseits mit ganz viel Bedeutung aufgeladen ist: Es hat die Tradition eines Brünig-Schwingets, ist stimmungsvoll wie Anfield, und hat einen Geist wie Wimbledon. Wer hier gewinnt, ist ein Held.

Der Reflex der Sportwelt ist ganz normal, dass Loïc Meillard nun zum Hoffnungsträger wird. Er scheint von allen Schweizern am meisten mitzubringen, um in Adelboden die Skigemeinde zu erlösen. Meillard dämpft die Erwartungen nicht wirklich. Er sagt: «Ich bin noch nie mit so viel Selbstvertrauen nach Adelboden gekommen. Und ich hatte noch nie eine solch gute Startnummer.» Umzingelt von Journalisten in der Hotelbar gelingt ihm ein bedächtiger Auftritt. Es grenzt an Coolness, wenn er auf Hochdeutsch mit welschem Akzent sagt: «Es ist klar. Die Erwartungen sind ein bisschen grösser. Aber das ändert mein Ziel nicht. Ich will mein Bestes geben.»

Das Beste geben und sich nicht vom Druck verrückt machen lassen. Riesenslalom-Trainer Helmut Krug sagt dazu: «Diesen Druck musst du kompensieren können. Wenn du richtig gut Ski fährst, macht er relativ wenig aus», sagt er. «Aber der Druck ist natürlich enorm in Adelboden.»

«Richtig gut» fahren einige im Team von Krug. Deswegen scheint auch die Stimmung blendend zu sein. «Es ist eine Gruppe, mit der das Training Spass macht. Der Spassfaktor ist wichtig, aber relativ schwer zu erzeugen», sagt Krug. Seine Truppe ist fürwahr nicht frei von Schalk, doch eben auch sehr kompetitiv. «Einer wie Marco Odermatt pusht extrem. Er löst den Ehrgeiz der anderen aus, ihn zu schlagen.»

Es könnte am Samstag am Chuenisbärgli ein Wohlfühl-Event werden. Der Weg zum Skifest ist kurz, glaubt man den Worten von Männer-Cheftrainer Tom Stauffer lakonisch. «Wenn einer zwei gute Läufe runterbringt, sind wir auf dem Podest.»

Samstag (SRF zwei): Riesenslalom (1. Lauf 10.30 Uhr/2. Lauf 13.30 Uhr). – Sonntag: Slalom (1. Lauf 10.30 Uhr/2. Lauf 13.30 Uhr).

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