Ambri befindet sich am Tabellenende und hadert dennoch nicht

Ambri verliert in Langnau 3:4 und ist Letzter. Lugano ist Zweitletzter. Es zeichnet sich eine besondere Konstellation ab.

Klaus Zaugg
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Ambris Trainer Luca Cereda sucht keine Ausreden: «Es liegt an uns.»

Ambris Trainer Luca Cereda sucht keine Ausreden: «Es liegt an uns.»

Bild: Alessandro Crinari/Keystone (Ambri-Piotta, 1. November 201

Die Zeiten des Ruhmes (letzte Saison Platz 5 und Qualifikation für die Champions League) sind passé. Spätestens nach dem dramatischen Untergang in Langnau am Samstagabend (3:4) und dem Abrutschen auf den letzten Platz ist klar: Für Ambri geht es nun um die sportliche Existenz. In Langnau hat Luca Cereda eine der bittersten Niederlagen erlitten seit er im Sommer 2017 die Mannschaft übernommen hat. Es ist die 7. Pleite in dieser Saison mit nur einem Tor Unterschied. «Ja, es ist bitter», sagt Ambris Trainer. Er könne keinem seiner Spieler einen Vorwurf machen. «Aber wir sind nicht mehr dazu in der Lage, so knappe Spiele zu gewinnen. Das müssen wir wieder lernen.» Er hadert nicht mit dem Schicksal. «Es liegt an uns.»

Natürlich gibt es gute Gründe, warum Ambri so oft so knapp verliert: beispielsweise zu wenig Talent. Mit Dominik Kubalik (letzte Saison Liga-Topskorer, jetzt in der NHL) hätte Ambri mindestens vier oder fünf dieser knappen Partien gewonnen. «Wahrscheinlich ist das so», sagt Luca Cereda. «Aber das spielt keine Rolle mehr. Das war letzte Saison.»

Trost für den Trainer

Nach solch betrüblichen Niederlagen wird eigentlich überall gehadert, geflucht, gegrollt und gezürnt. Oder doch mindestens nach Ausreden gesucht, Pech beklagt und über die Schiedsrichter lamentiert. Und jedes zweite Wort ist «hätte», «könnte», «müsste» und «wäre». Bei Ambri ist das anders. Jeder ist still mit dem Zusammenpacken beschäftigt und wer gefragt wird, gibt freundlich Auskunft. Auch Trainer Luca Cereda. Es ist nicht Resignation oder Gleichgültigkeit. Es ist die stille Ernsthaftigkeit der tapferen Leventiner, die aus leidvoller Erfahrung um ihr schweres Los wissen, in sich gehen und Selbstkritik üben. Marco Müller sagt beispielsweise: «Wir haben zu viele Fehler gemacht, mich eingeschlossen. Es ist in dieser ausgeglichenen Liga nicht möglich, ein Spiel zu gewinnen, wenn wir vier Gegentore zulassen.» Der Nationalstürmer hätte keinen Grund zur Selbstkritik. Er hat die Bühne mit einer Plusbilanz verlassen und zwei Assists zum Drama beigesteuert.

Einer versucht Luca Cereda ein wenig zu trösten: wenn alles schief gehe, sei es durchaus möglich, dass es im nächsten Frühjahr zu einem furiosen Final kommen könnte: eine Playout-Serie gegen Lugano. Er zeigt Ambris Trainer auf dem Smartphone mit der Teletext-App die aktualisierte Rangliste. 11. Lugano, 28 Punkte. 12. Ambri, 27 Punkte.

Lugano und Ambri am Ende der Tabelle. Schon fast eine historische Konstellation. Hat es das seit Einführung der Playoffs (1986) je gegeben? Keiner der Umstehenden kann sich an eine solch dramatische Lage der Tessiner Hockeykultur erinnern. Melancholische Nostalgie kommt am späten Samstagabend im Kabinengang des Hockey-Tempels an der Ilfis auf. Im Frühjahr 1999 strebten Ambri und Lugano im Playoff-Final nach der höchsten nationalen Ehre. Die Tapferen aus der Leventina verloren. Ausgerechnet in der «heiligen» Valascia durfte Luganos Captain Peter Andersson (der Vater des gleichnamigen SCB-Verteidigers) am 5. April 1999 den Pokal in die Höhe stemmen. Luca Cereda wird ein bisschen nachdenklich. Er war damals als Spieler dabei und stürmte meistens neben dem Russen Oleg Petrow. Schliesslich sagt er: «Sollte es tatsächlich so weit kommen, dass wir in den Playouts gegen Lugano spielen müssen, so haben wir einen Vorteil: wir wissen besser mit einer so schwierigen Situation umzugehen.» Lugano hat am Samstagabend zeitgleich bei den Lakers verloren (1:2). Es ist die 9. Niederlage in den letzten zehn Spielen. Sollten die Hockeygötter denn tatsächlich eine Playout-Serie zwischen Ambri und Lugano arrangieren, so würde bei Ambri immer noch Luca Cereda an der Bande stehen. Aber bei Lugano nicht mehr Sami Kapanen.

SCL Tigers – Ambri-Piotta 4:3 (1:0, 1:2, 2:1)

6000 Zuschauer (ausverkauft). – SR Wiegand/DiPietro, Obwegeser/Schlegel.

Tore: 16. Schmutz (Earl, Maxwell) 1:0. 27. Rohrbach (Müller, Zwerger) 1:1. 35. Rohrbach (Fora, Müller/Ausschluss DiDomenico) 1:2. 40. (39:30) Earl (Glauser) 2:2. 52. (51:28) Flynn (Ausschluss DiDomenico) 2:3. 52. (51:55) Maxwell 3:3. 59. Berger (DiDomenico/Ausschluss Dotti) 4:3.

Strafen: 6-mal 2 plus 10 Minuten (DiDomenico) gegen SCL Tigers, 5-mal 2 plus 10 Minuten (Upshall) gegen Ambri-Piotta.

SCL Tigers: Punnenovs; Glauser, Leeger; Cadonau, Schilt; Erni, Lardi; Andersons, Huguenin; Schmutz, Maxwell, Earl; DiDomenico, Berger, Pesonen; Kuonen, Diem, Neukom; Rüegsegger, In-Albon, Dostoinov.

Ambri-Piotta: Conz; Plastino, Fischer; Fora, Dotti; Ngoy, Jelovac; Fohrler, Pinana; D’Agostini, Flynn, Upshall; Rohrbach, Müller, Zwerger; Trisconi, Goi, Bianchi; Egli, Dal Pian, Neuenschwander.