Kolumne

Ein massgebliches Urteil im Kampf gegen Doping

Die Kolumne «Spritzensport» befasst sich mit Themen rund um den Kampf gegen Doping im Sport. Heute geht es um den Fall des chinesischen Schwimmers Sun Yang und die weitreichenden Konsequenzen, die ein Freispruch oder eine Verurteilung haben werden.

Rainer Sommerhalder
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Rainer Sommerhalder.

Rainer Sommerhalder.

Es wird ein Urteil, das den Kampf gegen Doping prägt. Der Fall des chinesischen Schwimmstars Sun Yang, der seine Dopingprobe mit einem Hammer zerstören liess, weil er Zweifel an der Berechtigung des Testpersonals hegte. Wie auch immer die Richter des Lausanner Sportgerichtshofs entscheiden werden – es verbleiben elementare Fragen. Drei Überlegungen dazu.

Spricht das Gericht den dreifachen Olympiasieger wegen eines verweigerten Dopingtests schuldig, so werden grundsätzliche Bedenken zu den Rechten der Athleten laut. Denn während das Verhalten der Sportler im Bezug auf Doping in unzähligen Dokumenten bis auf das letzte Komma geregelt ist, gilt für das Testpersonal offensichtlich ein Interpretationsspielraum. So finden sich in Reglementen und Weisungen zur Probeentnahme nicht ganz deckungsgleiche Aussagen. Anstatt von Fehlverhalten sprachen die Zeugen der Welt-Antidoping-­Agentur davon, dass halt nicht «Best Practice» angewandt wurde. Etwa, wenn jemand aus dem Testteam Fotos vom Athleten machte. Andererseits läuft der Einsatz eines Hammers wohl auch nicht unter «Best Practice».

Wird der chinesische Sportheld freigesprochen, dann muss man sich fragen, ob der Hammer künftig zwingend zur Ausrüstung jedes Athleten gehört. Zum Einsatz kommt er dann, wenn dir das Gesicht des Antidoping-Beamten nicht gefällt. Geht schneller, als im dafür vorgesehenen Feld des Kontrollformulars einen Beschwerdekommentar zu verfassen. Und erspart erst noch administrativen Aufwand. Ohne Urinprobe muss niemand deren Rechtmässigkeit überprüfen.

Ein zweiter Faktor wird bei einem Freispruch zur Hypothek für die Dopingjäger. Das Testpersonal des privaten schwedischen Antidoping-­Dienstleisters IDTM, der im Auftrag verschiedener Sportverbände allein 2018 weltweit rund 19'000 Tests vorgenommen hat, weist sich nach eigenen Aussagen stets auf vergleichbare Weise aus. Sollte diese Identifikation – wie von den Anwälten Sun Yangs argumentiert – nicht genügen, dann könnten folgerichtig auch 18'999 weitere Dopingtests ungültig sein. Egal, ob ein Hammer im Spiel war.