Wintersport
Ein Menznauer Bob-Neuling mischt an der Weltspitze mit

Andreas Haas (24) hat sich als Leichtathlet einen Namen gemacht. Jetzt ist er Bob-Anschieber – mit beachtlichem Erfolg.

Stefanie Barmet
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Andreas Haas (links) und Simon Friedli an der WM.

Andreas Haas (links) und Simon Friedli an der WM.

Bild: EPA (Altenberg, 6. Februar 2021)

Andreas Haas war bisher vor allem in der Leichtathletikszene bekannt. 2017 lief er an den Hallen-Schweizer-Meisterschaften der Aktiven über 60 Meter in 6,87 Sekunden zur Bronzemedaille. Aus dem gleichen Jahr datiert auch seine 100-Meter-Bestzeit, die bei 10,61 Sekunden steht. National konnte er über mehrere Jahre hinweg an der Spitze mithalten, die Qualifikation für internationale Wettkämpfe im Nachwuchsbereich blieb dem Athleten des STV Willisau jedoch stets um wenige Hundertstel- oder gar um Tausendstelsekunden verwehrt.

Nicht so im Bobsport. Im Oktober des vergangenen Jahres absolvierte Andreas Haas seine erste Trainingsfahrt auf Eis. Bereits drei Monate später fuhr der Menznauer im Viererbob von Michael Vogt in St.Moritz zum Junioren-Weltmeistertitel. Doch damit nicht genug, am letzten Samstag mischte der 24-jährige Anschieber gemeinsam mit Pilot Simon Friedli auch an der Elite-WM im Zweierbob vorne mit. Gegen die übermächtigen Deutschen Francesco Friedrich und Alexander Schüler waren sämtliche Teams in Altenberg chancenlos. Friedrich und Schüler kürten sich mit einem Vorsprung von 2,05 Sekunden vor zwei weiteren deutschen Teams zum zehnten Mal zum Weltmeister. Mit 36 Hundertstelsekunden Rückstand aufs Podest erreichten Friedli und Haas den tollen vierten Rang.

«Unser hochgestecktes Ziel war eine Top-8-Platzierung. Denn um sich für die Olympischen Winterspiele zu qualifizieren, sind zwei Platzierungen in den Top 8 an Weltcup-Rennen oder an Weltmeisterschaften gefordert», sagt Haas. «Dank des vierten Rangs hat Simon Friedli nun die Qualifikationskriterien bereits zur Hälfte erfüllt. Dass ich in meiner ersten Saison sogar an der WM vorne dabei bin, ist genial. Abgesehen vom letzten Lauf, wo wir unsere Startzeit aus dem dritten Durchgang nicht ganz bestätigen konnten, bin ich mit meinem ersten WM-Auftritt sehr zufrieden.»

Eine Olympionikin als Coach

Anfragen für ein Schnuppertraining erhielt der Lebensmitteltechnologe, der in einem 100-Prozent-Pensum als Leiter Qualitätssicherung in einem Unternehmen in Willisau arbeitet, schon vor vier Jahren. Da er berufsbegleitend eine Weiterbildung an einer höheren Fachschule absolvierte, fehlte neben dem Leichtathletiktraining die nötige Zeit. Nach einer erneuten Anfrage absolvierte Haas im vergangenen April erste Trainings mit Simon Friedli. Im Oktober durfte er den 29-jährigen Solothurner ins Trainingslager begleiten und erste Erfahrungen im Eiskanal sammeln. Der Respekt vor der ersten Fahrt sei gross gewesen. Haas sagt: «Ein Genuss sind die Fahrten für mich nach wie vor nicht. An die vielen Schläge muss man sich zuerst einmal gewöhnen. Jede Bahn ist anders, und ich kann aufgrund der geringen Erfahrung noch nicht einschätzen, was mich auf unbekannten Bahnen erwartet.» Am meisten Verbesserungspotenzial sieht er im athletischen und technischen Bereich. «Meine Aufgabe ist es, den Bob so schnell wie möglich zu beschleunigen. Das Timing und das Zusammenspiel mit dem Piloten müssen stimmen.»

Andreas Haas (links) mit dem Schweizer Viererbob-Team, mit dem er an der Junioren-WM in St. Moritz Gold gewann.

Andreas Haas (links) mit dem Schweizer Viererbob-Team, mit dem er an der Junioren-WM in St. Moritz Gold gewann.

Freshfocus

Während der Fahrt muss sich der Anschieber möglichst klein machen und still sitzen, ehe nach der Zieldurchfahrt gemeinsam gebremst wird. «Faszinierend ist für mich das Zusammenspiel von Sprint und Kraft. Ich war als Sprinter nie ein Leichtgewicht, was mir nun sicher auch im Bobsport zugutekommt.» Insgesamt hat sich das Training, das Andreas Haas nach wie vor bei der Olympionikin und heutigen Sportchefin von Swiss Sliding, Fabienne Meyer, absolviert, nicht gross verändert. Neu wird auch der Oberkörper bewusster gekräftigt, die Sprints sind etwas kürzer geworden.

Am Wochenende folgen WM-Läufe im Viererbob

«Auf die neue Saison hin werde ich das Training sicher noch gezielter auf die Bobsaison ausrichten», sagt Haas. «Auch wenn der Hauptfokus fortan auf der neu entdeckten Sportart liegt, kann ich mir gut vorstellen, weiterhin Sprintrennen zu bestreiten.» Bevor die neue Saison geplant wird, stehen für Andreas Haas am kommenden Wochenende noch vier weitere WM-Läufe im Viererbob mit Pilot Michael Vogt an. «Das angestrebte Ziel ist wiederum eine Top-8-Platzierung. Ich möchte auch im Viererbob meinen Beitrag zu einem guten Teamergebnis leisten.»