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CSIO-Präsidentin Nayla Stössel:
«Es ist keine Selbstverständlichkeit, einen Spitzensportanlass wie den ­CSIO in St. Gallen auszutragen.»

Obwohl der CSIO St. Gallen zu den vier weltbesten Freiluft-Pferdesport-Veranstaltungen zählt, hat er zu kämpfen. Nun steigt Europas grösstes Autohandelsunternehmen ein. Das Engagement ist mehr als ein übliches Sponsoring.
Patricia Loher
Spannende Wettkämpfe in St. Gallen: Romain Duget im Sattel von Twentytwo Des Biches (Bild: Urs Bucher)

Spannende Wettkämpfe in St. Gallen: Romain Duget im Sattel von Twentytwo Des Biches (Bild: Urs Bucher)

Der CSIO St. Gallen hat sich mehr Pferdestärke vor den Wagen ­gespannt. Der Einstieg der Emil Frey Gruppe sichert die Fortführung und Weiterentwicklung der Veranstaltung. Das Engagement der Autohandelsfirma ist jedoch mehr als ein übliches Sponsoring. Das Unternehmen bringt laut Handelsregister 300 000 Franken Aktienkapital ein, stellt aber neu auch zwei Mitglieder im Verwaltungsrat des CSIO St. Gallen. «Im Pferdesport ist einiges in Bewegung geraten. Noch vor wenigen Jahren wurden in der Schweiz sieben Fünf-Sterne-Turniere organisiert, drei davon gibt es nicht mehr. Mit der neuen Partnerschaft stärken wir unsere Basis», sagt Nayla Stössel, die Verwaltungsratspräsidentin.

Nach dem Ende des CSI Zürich wegen logistischer und infrastruktureller Probleme sagten auch die CSI St. Moritz und Lausanne ihre Turniere für dieses Jahr ab. Im Engadin und am Genfersee fehlte das Geld, zudem ist der Markt übersättigt.

Stössel: «Wir können uns Stillstand nicht leisten»

Nayla Stössel (Bild: Urs Bucher)

Nayla Stössel (Bild: Urs Bucher)

Die Emil Frey Gruppe hat Erfahrung im Pferdesport, sponsert mit ihren Automarken Reiter wie Steve Guerdat und steht hinter dem Vier-Sterne-Turnier Albführen Classics in Deutschland. Neu gehört dem Verwaltungsrat des CSIO nebst dem früheren Spitzenreiter Markus Fuchs und dem St. Galler Unternehmer Peter Hertig auch Kai C. Huttrop-Hage an. Er ist Geschäftsführer des Hofguts Albführen und Mitglied der Turnierleitung des Stuttgart German Masters. Auch Daniel Roth, Leiter Einzelhandel der Emil Frey Gruppe, nimmt im Gremium Einsitz. Der CSIO St. Gallen soll von Roths Netzwerk profitieren. «Trotz unserer Tradition: Stillstand können wir uns nicht leisten», sagt Stössel.

Seit Stössel vor fünf Jahren die Verantwortung für den CSIO St. Gallen von ihrem unterdessen verstorbenen Vater Peter übernahm, hat sich die Marktsituation verschärft. Weltweit drängen Turniere finanziell potenter Unterstützer in den Kalender, die traditionsreiche Anlässe unter Druck setzen. So fand im vergangenen Jahr während der St. Galler Veranstaltung im französischen St-Tropez ein Turnier der finanzkräftigen Global Champions Tour statt. Aus den Top 50 der Weltrangliste beteiligten sich 30 Reiterinnen und Reiter am Turnier an der Côte d’Azur, aber nur neun kamen nach St. Gallen. Nach St-Tropez hatte die Milliardenerbin Athina Onassis eingeladen.

Der CSIO St. Gallen verfügt über ein Budget von drei Millionen Franken, im nächsten Jahr wird ein Preisgeld von rund 750 000 Franken ausgeschüttet. Natürlich könne man da mit einem Teil der internationalen Konkurrenz nicht mithalten, sagt die 37-jährige Stössel.

«Aber ich wünsche mir doch, dass der Weltverband regulierend eingreift, um solche Datenkollisionen zu verhindern.»

Zudem sei die Flutung des Marktes nicht förderlich für die Nachhaltigkeit der Turniere, so die Mutter einer einjährigen Tochter.
Der CSIO ist in der Ostschweiz der grösste regelmässig statt­findende Spitzensportanlass. Im Gründenmoos wird zudem der einzige Nationenpreis des Landes ausgetragen. Im nächsten Jahr wird in
St. Gallen auch der Schweizer Cupfinal der Springreiter stattfinden, der 2018 in ­Ascona durchgeführt wurde.

Kein Rückenwind durch das Stadtparlament

Der CSIO St. Gallen ist in der Pferdesportszene beliebt. Trotzdem hatte die Organisation zuletzt nicht nur an sportlicher, sondern auch an wirtschaftlicher Front zu kämpfen. Es ist schwieriger geworden, an Sponsorengelder zu kommen, aber die Anforderungen an die Bewirtung von Kunden, an Infrastruktur oder Unterhaltungsprogramm sind gestiegen. Die Zuschauerzahlen haben sich zwar eingependelt, sind aber tiefer als zu den besten Zeiten, welche die 1980er-Jahre gewesen sein dürften. Im vergangenen Herbst gab es die Hoffnung, die Stadt St. Gallen würde dem CSIO noch ein bisschen mehr unter die Arme greifen, doch das Stadtparlament lehnte die Verdreifachung des Beitrages auf 75 000 Franken über zwei Jahre hinweg und langfristige Verdoppelung knapp ab.

«Das war eine Enttäuschung», sagt Verwaltungsratspräsidentin Stössel. «Ich will nicht jammern. Die Beziehungen zur Stadt sind gut. Aber im nationalen und internationalen Vergleich wären die 75 000 Franken mehr als angebracht gewesen. Denn es ist und bleibt keine Selbstverständlichkeit, einen Spitzensportanlass wie den ­unseren in der Stadt St. Gallen austragen zu können.»

Bald ein nationales Pferdesportzentrum?

Die Emil Frey Gruppe, mit einem Umsatz von knapp zehn Milliarden Franken grösster Autohändler Europas, hat zwar einen Standort in
St. Gallen, doch ihr Hauptsitz ist in Zürich. Droht nun gar eine Abwanderung des CSIO in die grösste Schweizer Stadt? «Es gibt keine Pläne, St. Gallen zu verlassen», sagt Stössel. Vielmehr treiben die ­Organisatoren eine weitere Verbreiterung der Basis in der Ostschweiz an. St. Gallen und Frauenfeld kandidieren gemeinsam als Standort für ein nationales Pferdesportzentrum. Der Entscheid soll Ende 2019 fallen.

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