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Ambri-Piotta ist ein Opfer des eigenen Erfolges

Die Doppelbelastung macht sich bei den Eishockeyanern von Ambri-Piotta langsam, aber sicher bemerkbar.
Klaus Zaugg
Die Spiele in der Champions Hockey League kosten Kraft: Hier stösst Färjestads Martin Johansson (links) mit Ambri-Torhüter Dominik Hrachovina zusammen. Bild: Michela Locatelli/Freshfocus (Ambri, 20. August 2019)

Die Spiele in der Champions Hockey League kosten Kraft: Hier stösst Färjestads Martin Johansson (links) mit Ambri-Torhüter Dominik Hrachovina zusammen. Bild: Michela Locatelli/Freshfocus (Ambri, 20. August 2019)

«Cinderella has left the Building» (will heissen: das Glück hat das Stadion verlassen) pflegen die Nordamerikaner zu sagen, wenn bei einer Überraschungsmannschaft der Alltag in der nächsten Saison wieder einkehrt. So wie bei Ambri. Der Blick auf die Statistik zeigt uns, wie beschwerlich dieser Alltag des letztjährigen Überraschungsteams geworden ist. Vor einem Jahr lag Ambri nach zehn Runden mit 16 Punkten und einem Torverhältnis von 28:28 auf Position 8 der Tabelle, ge-riet nie in Gefahr, die Playoffs zu verpassen und erreichte schliesslich den 5. Schlussrang, der die Qualifikation für die Champions Hockey League einbrachte. Jetzt ist es bei 11 Punkten und einem Torverhältnis von 20:25 der 11. und zweitletzte Platz. Ein langer, beschwerlicher Kampf um die letzten Playoffplätze hat begonnen.

Die neue, raue Wirklichkeit kommt nicht überraschend und führt deshalb auch nicht zu Unruhe. Ambri steht jetzt dort, wo es eigentlich erwartet worden ist. Sportchef Paolo Duca sagt, trotz der hohen Erwartungen sei allen bewusst, wie schwierig es sei, die letzte Saison zu bestätigen. Die Zusatzbelastung durch die Champions League habe sich – wie viele befürchteten – schon ausgewirkt. «Wir haben vor der Saison sehr gute Spiele gezeigt und dabei viel Energie verbraucht. Das spüren wir jetzt.»

Kubaliks Abgang bedeutet weniger erzielte Tore

Die populärste Erklärung für den schwierigen Herbst 2019 ist natürlich der Verlust von Liga-Topskorer Dominik Kubalik. Er stürmt nun bei Chicago in der NHL und die famose erste Linie mit ihm und Marco Müller und Dominic Zwerger, die letzte Saison 56 von 138 Toren zelebriert hat, gibt es nicht mehr. Letzte Saison war Ambri offensiv die Nummer 6 der Liga. Jetzt ist es die Nummer 11. Der Rückgang der Torproduktion ist auch dem Verlust des vielleicht besten offensiven Einzelspielers der letzten Saison geschuldet. Mit Kubalik hat auch Cinderella die Leventina verlassen. Paolo Duca widerspricht dieser Behauptung nicht, ergänzt aber: «Jeder Wechsel auf einer Schlüsselposition verändert die Dynamik in einer Mannschaft.» Es brauche einfach eine gewisse Zeit, bis wieder alles ineinandergreife wie vorher.

Spieler kommen und gehen – der Stil aber bleibt bestehen. Ambri ist sich treu geblieben: aktives, aggressives Spiel auf dem ganzen Eisfeld. Die Scheibe jagen, die Gegenspieler unter Druck setzen. Es ist das moderne, «totale» Hockey. Mit diesem Stil war Trainer Luca Cereda in seiner ersten Saison vor zwei Jahren ein Trendsetter und Mitauslöser einer spielerisch-taktischen Revolution, die unsere Liga noch besser macht. Ambri und Langnau waren die ersten Aussenseiter, die es wagten, dieses anspruchsvolle Hockey zu spielen.

Aus der Geschichte wissen wir, dass eine Revolution manchmal ihre Kinder frisst – und so wird Ambri in gewisser Weise auch ein Opfer einer Entwicklung, die es initiiert hat. Den modernen Stil zelebrieren inzwischen andere auch – auffällig ist der Stilwechsel vor allem bei den Spitzenteams Zug, Lugano und ZSC Lions, aber auch beim letztjährigen Krisenclub Davos. Ambri und Zug sind also durchaus Brüder im spielerischen und taktischen Geiste und Ambri der «kleine» Bruder mit weniger Geld und weniger Talent.

Wenn dieses «totale» Hockey mit mehr Talent zelebriert wird, hat es ein Aussenseiter erst recht schwer. Ambris Schwierigkeiten sind auch aus dieser Sicht auf die Zusatzbelastung und den Energieverbrauch durch die Champions League zurückzuführen: «Totales» Hockey ist anspruchsvoll, erfordert eine hohe «Kampfbereitschaft» jedes Einzelnen, um ständig «unter Strom» zu sein und das aktive Spiel umsetzen zu können. Dieser Stil braucht viel Energie. Eine Schwäche Ambris im Meisterschafts-Herbst: Es gelingt manchmal nicht, eine Partie konstant auf gleich hohem Niveau durchzuspielen.

Paolo Duca sagt, Ambri werde trotz allem diesem anspruchsvollen Stil treu bleiben. «Wir werden sehr stark gefordert. Aber diese schwierige Phase wird uns letztlich in unserer Entwicklung weiterbringen und besser machen.» Ein schwieriger Hebst als Investition in eine bessere Zukunft. Auf dass Cinderella (das Glück) bald wieder in die Valascia zurückkehren möge.

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