National League
Ein Schwede ist Langnaus Antwort auf Inti Pestoni: Jesper Olofsson ist der Topskorer der Liga

Kann Liga-Topskorer Jesper Olofsson nur in Langnau sein bestes Hockey spielen? Vielleicht ist das so. Aber der Schwede hat Angebote aus der KHL.

Klaus Zaugg
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Ein Künstler, kein Fräser: Jesper Olofsson.

Ein Künstler, kein Fräser: Jesper Olofsson.

Martin Meienberger/Freshfocus

Die Hockeywelt ist ein wenig aus den Fugen geraten. Langnaus ausländische Stürmer Jesper Olofsson, Harri Pesonen und Alexandre Grenier belegen die drei ersten Plätze der Liga-Skorerliste. Vor allen Stars der Liga. Die drei besten ausländischen Stürmer Berns finden wir auf den Positionen 25 (Kahun), 48 (Conacher) und 60 (Daugavins). Langnaus ausländische Stürmer haben bisher 81 Punkte produziert. Berns ausländische Stürmer 47 Punkte.

Das ist umso erstaunlicher, wenn wir die unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen dieser beiden Hockey-Unternehmen berücksichtigen. SCB-Untersportchef Andrew Ebbett kann jede Offerte der Langnauer weit überbieten. Wie beispielsweise im letzten Frühjahr im Falle von Kaspars Daugavins. Zum Glück der Langnauer. Und die Emmentaler können es immer noch kaum fassen, dass der SCB im Frühjahr Jesper Olofsson nicht mehr haben wollte.

Der Finne Aleksi Saarela (24) hat bereits bis 2024 verlängert, Harri Pesonens Vertrag läuft noch ein weiteres Jahr, und eine Prolongation mit Alexandre Grenier ist wahrscheinlich. Aber auf den ersten Blick scheint es fast unmöglich, Jesper Olofsson zu halten. Er verdient in Langnau nicht einmal 200 000 Franken netto. Noch nie seit Einführung der Playoffs (1986) hat es einen ausländischen Spieler mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis gegeben. Also wird ihn die ganze Liga jagen. Aber so ist es nicht. Weil die meisten Sportchefs Jesper Olofsson als Schwedens Antwort auf Inti Pestoni einschätzen.

Zweifel an seinem Durchsetzungsvermögen

Pestoni und Olofsson sind beide taktische Freidenker. Künstler, nicht Fräser. Beide folgen ihren spielerischen Instinkten, nicht taktischen Vorgaben. Beide scheinen wegen ihrer Schlauheit, ihrer Fähigkeit, im richtigen Augenblick am richtigen Ort aufzutauchen, viel schneller, als sie tatsächlich sind. Beide sind Flügel und keine Center. Und pflegeleichte, sensible, freundliche Musterprofis. Den grossen Bandengenerälen sind halt Künstler wie Inti Pestoni und Jesper Olofsson oft nicht ganz geheuer. Ein Sportchef eines wichtigen Klubs sagt: «Ich glaube nicht, dass sich Olofsson bei einem Grossklub durchsetzen kann.» Da ist was dran: Künstler brauchen Freiheiten und Selbstvertrauen. Wenn sich zu viele Leitwölfe um Eiszeit, Ruhm und Skorerpunkte balgen, bleiben sensible Künstler oft auf der Strecke.

Interessenten aus der KHL

Die Langnauer sind in diesem einzelnen Fall dazu in der Lage, jede Offerte zu kontern, im Falle eines Falles auch eine von Zug. Dafür sorgen Gönner im Hintergrund. Bleibt Jesper Olofsson in der Schweiz, dann haben die SCL Tigers sehr gute Chancen, ihn zu halten. Das Problem: Inzwischen liegen Offerten aus der KHL bei seinem Agenten auf dem Schreibtisch. «Wir haben mehrere Interessenten aus der National League und auch aus der KHL», sagt Dani Giger etwas kurz angebunden auf Anfrage.

Der Topskorer der National League dürfte in der grossrussischen Liga einen Marktwert zwischen 800 000 und 1,5 Millionen Franken netto haben. Das bedeutet: Selbst ein Familienmensch wie Jesper Olofsson, der Lebensqualität sehr zu schätzen weiss, könnte der Versuchung KHL erliegen. Sportchef Marc Eichmann sagt, bei einem Angebot aus der KHL sei Langnau aus dem Spiel: «Da könnten wir nicht mithalten. Es wäre für uns hingegen eine Enttäuschung, wenn wir Jesper an einen Liga-Konkurrenten verlieren würden.» Aber selbst ein Wechsel in die KHL müsste kein Abschied für immer sein. Harri Pesonen hat Langnau im Sommer 2020 verlassen, um in der KHL seine «Pensionskasse» zu füllen. Es hat ihm zuvor in Langnau so gut gefallen, dass er bereits nach einem Jahr wieder ins Emmental heimgekehrt ist. Das ist auch die Strategie im «Fall Olofsson»: Wenn er in die KHL wechseln sollte, alles unternehmen, dass er nach dem Ende des Russland-Abenteuers wieder nach Langnau kommt. Marc Eichmann sagt: «Es ist unsere Aufgabe, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen…» Und so können wir die Hockey-Zukunft von Langnaus Topskorer in einem Satz zusammenfassen: Ueli der Knecht oder Doktor Schiwago. Entweder wird er nächste Saison sein Geld im Land von Jeremias Gotthelf oder im Lande von Boris Pasternak verdienen.