Interview

Ein Schweizer als Partycrasher an der Heim-WM? Sascha Rhyner sagt vor dem Halbfinal: «Die Schweiz ist zu favorisieren»

Die Schweizer Unihockey-Frauen stehen im WM-Halbfinale. Heute Abend wollen sie in Neuenburg gegen Tschechien den Finaleinzug perfekt machen. Ihnen steht aber ein Landsmann im Weg: Tschechien-Coach Sascha Rhyner.

Alessandro Crippa
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Sascha Rhyner (ganz links) bejubelt ein Tor der tschechischen Nationalmannschaft.

Sascha Rhyner (ganz links) bejubelt ein Tor der tschechischen Nationalmannschaft.

Bild: Michael Peter / IFF

Cortaillod am Neuenburgersee. Idylle pur. Die tschechischen Unihockey-Frauen haben dort im Hotel «Vaisseau» ihr Lager aufgeschlagen. Im ersten Stock tummelt sich an diesem Nachmittag eine Horde tschechischer Journalisten. Alle wollen sie etwas von den Spielerinnen – und auch vom Trainer. Das ist Sascha Rhyner. Der Schweizer steht mit Tschechien im Halbfinale und trifft dort heute Abend auf die Schweiz. Wird er dem Gastgeber die Party vermiesen und Tschechien erstmals in den WM-Final führen?

Sascha Rhyner, welche Bedeutung hat dieses Halbfinale gegen Ihr Heimatland Schweiz für Sie?

Ich habe meine Mannschaft und mit dieser spiele ich gegen eine andere Mannschaft. Das ist der Ansatz, mit dem ich in dieses Spiel hineingehen werde.

Die beiden Mannschaften haben in den letzten Jahren oft gegeneinander gespielt, kennen sich dementsprechend gut. Welche Vorteile hat Ihre Mannschaft gegenüber dem Schweizer Team?

Das ist schwierig zu sagen. Wir sind alleine in den letzten zwei Jahren fünfmal auf die Schweiz getroffen. Wir sind relativ breit aufgestellt und haben technisch starke Spielerinnen. Unsere erste Linie sticht sicherlich aufgrund der Namen und den Klubs der Spielerinnen und ihren dortigen Rollen heraus. Aber ob das letzten Endes ein Vorteil sein wird, sei dahingestellt. Über das Gesamte gesehen ist es sehr ausgeglichen.

Sascha Rhyner denkt, dass das Halbfinale zwischen «seinen »Tschechinnen und der Schweiz eine ausgeglichene Angelegenheit wird.

Sascha Rhyner denkt, dass das Halbfinale zwischen «seinen »Tschechinnen und der Schweiz eine ausgeglichene Angelegenheit wird.

Bild: Michael Peter / IFF

Was beeindruckt Sie an der Schweizer Mannschaft?

Wie viel Vorbereitungszeit sie bekommen hat. (lacht) Die Schweiz spielt sehr aktiv, ein aggressives Pressing. Da wird es schwierig, genügend Platz zu finden, um das eigene Spiel aufzuziehen.

«Es ist eine Reise nach Jerusalem. Es hat vier starke Teams, aber nur drei Stühle. Du musst dich genügend schnell hinsetzen, wenn du eine Medaille willst.»

Wie sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Turnierverlauf?

Es ist okay gelaufen. Wir hatten relativ wenig Probleme gegen Lettland, die Slowakei und Polen (drei deutliche Siege, Anm. d. Red.). Gegen Schweden (2:10-Niederlage) haben wir uns logischerweise aufgrund der letzten beiden Jahre etwas mehr ausgerechnet. Aber wir wussten, dass Schweden ein zäher Hund wird. Wir hatten zwar nichts zu verlieren, aber wir haben schlicht nicht gut gespielt. Grosso modo bin ich aber zufrieden.

Welche Zielvorgabe haben Sie vom Verband?

Eine Medaille ist immer das Ziel. Aber wir müssen realistisch sein: Es ist schlicht eine Reise nach Jerusalem. Es gibt vier starke Mannschaften für drei Stühle und das Ziel ist, sich genug schnell hinzusetzen. Ein Team erwischt es immer, aber wir wissen auch, dass immer alles möglich ist. Dementsprechend muss das angegangen werden.

Gegen die Schweiz sind Sie mit Tschechien eher der Aussenseiter. Wie gefällt Ihnen diese Rolle?

Die Schweiz hat relativ viel Druck, das wissen wir. Auch, weil sie viel Zeit zur Verfügung hatten und sich für viele Trainings am Freitagnachmittag getroffen haben. Weil die Schweiz auch die letzten dreimal die Bronzemedaille gegen Tschechien errungen hat, liegt es in der Natur der Sache, dass sie favorisiert wird. Das ist okay für uns.

Nicht in der Favoritenrolle sind die Tschechinnen und Sascha Rhyner, wenn sie heute Abend auf die Schweiz treffen. Damit kann der Schweizer Coach aber gut leben.

Nicht in der Favoritenrolle sind die Tschechinnen und Sascha Rhyner, wenn sie heute Abend auf die Schweiz treffen. Damit kann der Schweizer Coach aber gut leben.

Bild: Martin Flousek,www.ceskyflorbal.cz 

Hätten Sie im Halbfinale lieber gegen Finnland gespielt?

Darüber habe ich keine Gedanken verloren. Die Ausgangslage kann ich nicht ändern und das ist gut so. Im Halbfinale musst du gewinnen, egal gegen wen. Du willst einfach in den Final. Das hast du einfach verinnerlicht als Sportler.