Ein Schweizer Handball-Trio schnuppert Profiluft

Der LK Zug bietet drei Talenten einen neuen Weg. Fortan richten sie ihren Fokus voll auf die Karte Handball.

Ernesto Piazza
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Charlotte Kähr, Joline Tschamper und Svenja Spieler (von links) trainieren ab sofort im «On Your Marks» in Cham.

Charlotte Kähr, Joline Tschamper und Svenja Spieler (von links) trainieren ab sofort im «On Your Marks» in Cham.

PD

Der LK Zug beschreitet in Zusammenarbeit mit dem OYM in Cham sportlich und therapeutisch neue Wege. Der Verein macht mit Blick auf die konsequente Leistungsförderung den nächsten Schritt. Wurden bisher die leistungswilligen Talente mit den Programmen «Talents 1» und «Talents 2» speziell gefördert, geht der LKZ mit «Talents 3» nun Richtung Spitzensport.

«Unser Anspruch als Verein ist es, dass die Spielerinnen immer besser werden. Dazu möchten wir möglichst optimale Bedingungen bereitstellen», erklärt SPL1-Headcoach Christoph Sahli. Mit dem neuen Projekt will der LKZ seinen Akteurinnen die Chance bieten, quasi als Profis zu trainieren. Die ersten drei Spielerinnen, welche diese Chance nützen, sind die beiden Nationalspielerinnen Charlotte Kähr und Joline Tschamper sowie Svenja Spieler, die auf nächste Saison zum SPL1-Team stösst.

Nach den «Talents 1» (11 bis 15-jährig) und den «Talents 2» (15 bis 19-jährig) – nach der Erstausbildung also, sei bisher mit explizitem Zusatzaufwand meistens Schluss gewesen, so Sahli. Eine Anschlusslösung fehlte. «Und da wir zum OYM einen guten Draht haben, suchten wir mit den Verantwortlichen das Gespräch», sagt der Cheftrainer. Mit dem Resultat: Der Verein erarbeitete ein mögliches Konzept, «das bei den Verantwortlichen des Zentrums auf viel Resonanz stiess».

Das bedeutet jetzt: Die drei an diesem Pilotprojekt teilnehmenden Spielerinnen absolvieren wöchentlich 12 bis 14 Massnahmen. Dazu gehören auch therapeutische Einheiten, wie zum Beispiel Physio-Behandlungen. «Mit diesem Aufwand sind die Spielerinnen faktisch Profis», betont Sahli. Denn unter dem Strich stehen täglich zwei Trainings auf dem Programm.

Projekt öffnet Spielerinnen Tür zum Spitzensport

Ein Teilzeit- oder Fernstudium sowie ein Teilzeitjob sind zwar möglich, aber der Sport hat klar Priorität. Die Spielerinnen müssen «den unermüdlichen Willen zum Spitzensport mitbringen», dem Handball «alles» unterzuordnen, betont der Teamchef. Damit alle Massnahmen unter einem Hut Platz finden, obliegt die Durchführung einer Belastungssteuerung, die mit modernsten Tools überprüft wird.

«Dass Schweizer Handballerinnen in der Schweiz unter solchen Top-Bedingungen als Profis trainieren können, ist ein Novum», erklärt Sahli. Für die individuellen Trainings bietet das Zentrum zudem weiteren LKZ-Spielerinnen die Gelegenheit, daran teilzunehmen. Bei der mit dem OYM abgeschlossenen Vereinbarung bekommt der Verein zudem die Möglichkeit, das Freitagstraining mit dem SPL1-Team dort zu absolvieren.

Mit diesem Projekt stösst der LK Zug die Tür zum Spitzensport zumindest für einzelne Spielerinnen weit auf. Im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten geht der Verein damit ebenfalls neue Wege. Das heisst: Einen Teil der Kosten tragen die Spielerinnen respektive die Eltern. Am Rest beteiligt sich zum einen der LKZ, zum andern bietet er den Spielerinnen Kontakte zu möglichen Sponsoren für ihren Weg als Profihandballerin.

Joline Tschamper sieht bei diesem Programm «eine einmalige Chance und eine grossartige Möglichkeit mich handballerisch und athletisch auf ein neues Niveau zu heben». Zudem erwartet sie, «dass ich von neuen und modernen Trainingsvarianten profitieren kann». Svenja Spieler ist überzeugt: «Die einmalige Chance, Teil dieses Förderprojekts zu sein und am OYM trainieren zu dürfen, werde ich nie mehr erhalten.» Darum ist für sie klar: «Eine solche Möglichkeit muss ich packen. Ich freue mich riesig darauf.» Und Charlotte Kähr sagt: «Ich denke, es wird eine tolle Erfahrung. Man kann sich optimal auf ein Profileben vorbereiten, dieses teils sogar schon leben.»

Die Zusammenarbeit mit dem OYM ist mal auf zwei Jahre fixiert. «Dann analysieren wir das Ganze», erklärt Sahli. Es sei aber durchaus möglich, die Partnerschaft darüber hinaus auch mit weiteren LKZ-Spielerinnen weiterzuführen.