Ein Sieg ohne Schönheitspreis führt Kriens-Luzern zurück auf den Leaderthron

Der Gegner TV Endingen war zu bescheiden, als dass der HC Kriens-Luzern in Gefahr hätte geraten können: 31:27-Sieg ohne jeden Glanz.

Roland Bucher
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Es war, um es sachte auszudrücken, ein Spiel minderer Qualität: hohe Fehlerquote, wenig Spielwitz, kaum Emotionen, viel Langeweile. Dass Kriens nie in Gefahr geraten könnte, Punkte liegen zu lassen: das war früh erkennbar. Was das Team von Trainer Goran Perkovac indes nach der einlullenden 8:3-Führung (12.) aus seinen Möglichkeiten machte – das war diesmal keine Visitenkarte ans Publikum, das sich vor wenigen Tagen beim historischen 32:24-Sieg gegen Branchenleader Schaffhausen an ganz anderes, viel höheres Spektakel gewöhnt hatte. «Wir haben unseren Ansprüchen nicht genügt», gestand der Chef, «für unser Niveau war das zu wenig.»

Resolut, wenn es eng wurde

Es gab nicht nur andeutungsweise Schelte beim HCK, der in den ganz wenigen Minuten, da Endingen ernsthaft zu trötzeln begann (19:16, 38. Minute), resolut seine Muskelkraft auspackte und dem Schlusslicht sofort wieder aufdeckte, wer hier Goliath, wer hier David ist. Es gab auch Erfreuliches: «Es war meine Idee, unserer jungen zweiten Garde mehr Einsatzzeit zu gewähren», sagt Perkovac, «denn das Programm ist streng und wir müssen Sorgfalt walten lassen.» Die zweite Garde zeigte sich durchaus von erster Güte. Goalie Kayoum Eicher beispielsweise, der in der Startphase mit sechs Paraden den Grundstein fürs ein schönes Polster legte und sich am Schluss mit 35 Abwehrprozenten durchaus nicht zu verstecken braucht. Oder Thomas Piroch, auf der rechten Rückraumposition hinter Jernej Papez nominelle Nummer 2. Diesmal aber überzeugend (6 Abschlüsse, vier Tore).

Rückraumspieler Thomas Piroch (rechts) glänzte mit vier Toren für den HCK.

Rückraumspieler Thomas Piroch (rechts) glänzte mit vier Toren für den HCK.

Bild: Patrick Hürlimann (Kriens, 7. Oktober 2020)

Mann des Spiels indes war Ramon Schlumpf, der Mann, der dann ins Spiel kommt, wenn Captain Adrian Blättler Pause benötigt. Der Junioren-Internationale brachte nach der Pause neuen Schwung ins Spiel, fabrizierte eine überragende Torwurfquote (5/5). «Offensiv bin ich mit meiner Leistung zufrieden», erklärte Schlumpf, «in der Defensive war ich nicht perfekt. Und das erwarte ich von mir.» Dass Kriens Fahrlässigkeit an den Tag gelegt habe, als er eine hohe Führung in einen Kantersieg hätte ummünzen können, bestritt der Linksflügel indes: «Es gab kleine Augenblicke, da waren wir unkonzentriert.» Und solche Sachen müsse man sich abgewöhnen: «Wir haben die Pflicht erfüllt, mehr nicht. Aber es hätte mehr sein können…» Das befand auch Perkovac. «Ich bin zufrieden mit den zwei Punkten. Wer nach der Qualifikation oben sein will, darf sich gegen Endingen keinen Ausrutscher leisten. Mit unserem Spiel dürfen wir aber nicht zufrieden sein. Wir waren im Abschluss zu wenig konsequent, haben den Gegner immer wieder zu Anschlusstreffern eingeladen. Ich bin enttäuscht, wie viele kleine, unnötige Fehler wir uns erlaubt haben.» Offensichtlich war: zu feilen hat Kriens noch am Gegenstoss, nicht zuletzt auch an der zweiten Welle, in welcher sich Gavranovic & Co. oft lapidar verhaspelten.

Pflicht erfüllt, ein bisschen mehr hatte man gegen einen bescheidenen Widersacher erwartet: das sei halt auch der Handball-Alltag, betonte Perkovac, «es gibt Spiele, in welchen man einfach die Punkte einfahren muss.» Endingen war in seinen handballerischen Möglichkeiten zu bescheiden, um am Lack des HCK zu kratzen. Mit diesem Sieg grüsst Kriens nun wieder von der Tabellenspitze. Nächsten Samstag gegen St. Otmar wird’s eine ganze Schippe schwieriger: «Wir werden uns steigern müssen, wenn wir keine Überraschung erleben wollen», betont Perkovac. Das kann man so sagen.

Kriens-Luzern – Endingen 31:27 (16:13)
Krauerhalle, 300 Zuschauer. – SR SR Abalo/Maurer. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Kriens-­Luzern, 4-mal 2 Minuten Endingen.
Kriens-Luzern: Eicher (7 Paraden)/Bar (3); Harbuz (4 Tore/2), Wanner (1), Blättler (2), Piroch (4), Papez (4), Rellstab (3), Gavranovic (1), Oertli (2), Schlumpf (5), Delchiappo (1), Lavric, Idrizi (1), Lapajne (3).
Endingen: Schams (4 Paraden)/Imhof (8); Lukas Riechsteiner (5 Tore/2), Bardet (1), Hirsbrunner (1), Mühlebach (2), Huwyler (2), Christian Riechsteiner (3/1), Mauron (2), Grau (3), Fischer, Mischler, Schafroth, Larouche (6), Radovanovic (2).
Bemerkungen: Verschossene Penaltys: 1:1.

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