Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ein Sport in der Krise

Baseball galt als «America’s game». Doch der Traditionssport kämpft mit schwindenden Zuschauerzahlen und einer Überalterung der Fanbasis. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Nicola Berger
Die Stadien sind immer öfter leer, wie hier zwischen den Chicago Cubs den Washington Nationals. (Bild: Nick Wass/AP (Chicaogo, 9. September 2018))

Die Stadien sind immer öfter leer, wie hier zwischen den Chicago Cubs den Washington Nationals. (Bild: Nick Wass/AP (Chicaogo, 9. September 2018))

2019 jährt sich eine der schwersten Krisen in der Geschichte des US-Baseballs zum hundertsten Mal: Acht Spieler der ebenso ­talentierten wie unterbezahlten Chicago White Sox liessen sich 1919 von einem Spielersyndikat schmieren, um den Playoff-Final, die «World Series», gegen Cincinnati zu verlieren. Es war einer der ersten dokumentierten Wettbetrugsvorfälle weltweit.

Der Skandal erschütterte die Major League Baseball (MLB) in ihren Grundfesten, ihr Image war ramponiert, sie galt als Hort für Spieler, Alkoholiker und Tunichtgute. Es half auch nicht, dass Ed Delahanty, einer der besten Hitter seiner Zeit, 1903 betrunken die Niagara-Fälle hinunterstürzte und starb.

Teilweise sind es nur noch 6000 Zuschauer

Die MLB hatte im frühen 20. Jahrhundert also ihre Sorgen. Aber sie musste sich nicht darum fürchten, den Zuspruch der Zuschauer zu verlieren. Das öffentliche Interesse war so gross, dass etwa die «New York Daily News» einen Journalisten einstellte, der 365 Tage im Jahr ausschliesslich über Babe Ruth von den New York Yankees schrieb, den grössten Star, den dieser Sport je gesehen hat. Und die World Series galt als so etwas wie ein natio­nales Heiligtum, welches die ­Strassen leer fegte.

Baseball ist ein wunderbarer Sport geblieben, ebenso unterschätzt wie facettenreich, betrieben in teilweise herrlich nostalgischen Stadien. Aber die Faszination der breiten Masse lässt nach, die National Football League (NFL) und National Basketball Association (NBA) haben die MLB überflügelt. Zwar hat die MLB 2017 den Umsatz mit 9,46 Milliarden Dollar im 15. Jahr in Folge gesteigert, doch der Sport krankt: Die Zuschauerzahlen sind um fast zehn Prozent eingebrochen, es gab Begegnungen, die im Stadion nur von knapp 6000 Menschen verfolgt wurden.

Die Probleme sind vielschichtig. Es gibt zu viele Spiele (162 in der Qualifikation), sie dauern zu lang (oft über drei Stunden), die Eintrittspreise sind zu hoch, und das verbleibende Publikum ist überaltert. Das Durchschnittsalter der Zuschauer der regionalen TV-Übertragungen ist höher als 55 Jahre, jenes der Saisonkarteninhaber ist nur unwesentlich tiefer. Der MLB gelingt es nicht mehr, die Jugend anzuziehen, sie vermarktet sich schlecht und es fehlt ihr der Entertainmentfaktor der NBA mit ihren Lichtgestalten von nationaler Bekanntheit, die ihr Publikum auch neben dem Platz fast rund um die Uhr unterhalten. Unter den 100 Sportlern mit den meisten Followers auf Twitter findet sich nur ein Baseball-Spieler: Tim Tebow, streng gläubig und erst kürzlich vom American Football zum Baseball konvertiert (vgl. Ausgabe vom 1.3.2018), der bei den Amateuren spielt.

Der MLB fehlen auch die afroamerikanischen Stars. Und vielen ist der Sport schlicht zu «nerdig» geworden. In keinem anderen Sport haben Statistiken eine so grosse Bedeutung wie im Baseball. Viele Teams werden von Abgängern von Elite-Universitäten gemanagt, weil es in vielen Fällen nur noch darum geht, Daten zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Klubs ­beschäftigen eine Armada an ­Mathematikern und Statistikern, die für jeden Spielzug eine Wahrscheinlichkeit berechnen, was das Spiel weiter verlangsamt hat. Manchmal wirkt es, als spielten die Teams Schach. Die «Washington Post» schrieb im Juli, Baseball müsse sich verändern, es brauche möglicherweise radikale Gedankenansätze.

Mit Las Vegas schliesse sich der Kreis

Vorerst dürfte sich die Erosion fortsetzen, ein bisschen bricht der MLB die Basis weg, denn es üben auch immer weniger Kinder und Jugendliche den Sport aus. Immerhin: Der Liga-Kommissionär Rob Manfred sagt, man arbeite daran, neue Zielgruppen für den Baseball-Sport zu begeistern.

Und vermutlich auch neue Märkte. Die letzte Liga-Expansion datiert von 1998, als die ­Arizona Diamondbacks und die Tampa Bay Rays aufgenommen wurden. Manfred würde die Zahl der Teams gerne von 30 auf 32 anheben. Als mögliche Destination ist unter anderem Las Vegas im Gespräch. 100 Jahre nach den Wett- und Alkoholexzessen würde die Gründung eines Teams im Sündenpfuhl der USA, wo just diese Dinge kultiviert werden, so wirken, als schliesse sich für die MLB ein Kreis.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.