Ein sportverrücktes Dorf ist Gastgeber des Schwyzer Kantonalfestes

Das Schwyzer Kantonalschwingfest findet am Sonntag in Bennau statt. Das kleine Viertel im Bezirk Einsiedeln hat nicht nur grosse Schwinger, sondern auch Weltmeister und Olympiateilnehmer hervorgebracht.

Claudio Zanini
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Der frühere Skirennfahrer Urs Kälin wird am Schwyzer Kantonalfest in Bennau an der Kasse Billette verkaufen. (Bild: Boris Bürgisser (16. Mai 2019))

Der frühere Skirennfahrer Urs Kälin wird am Schwyzer Kantonalfest in Bennau an der Kasse Billette verkaufen. (Bild: Boris Bürgisser (16. Mai 2019))

Er wird am Sonntag am Schwyzer Kantonalschwingfest an der Kasse stehen und Billette verkaufen. Und vielen wird sein Gesicht bekannt vorkommen. Denn es ist nicht lange her, da stand dieser Mann in der Öffentlichkeit: Urs Kälin, ehemaliger Skifahrer aus Bennau im Kanton Schwyz. Er war sehr erfolgreich im Skizirkus, bis er 2001 den Rücktritt gab.

Kälin hat an Grossanlässen drei Medaillen gewonnen. Silber bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer, Silber bei der WM 1996 in Sierra Nevada und Silber bei der WM 1991 in Saalbach. Alle im Riesenslalom. Hinzu kommen 14 Podestplatzierungen im Weltcup.

Er ist nicht der Einzige, dessen Sportkarriere in diesem kleinen Nest im Bezirk Einsiedeln startete. Auch der frühere Skispringer Sepp Zehnder ( er ist ein Onkel von Urs Kälin) stammt aus Bennau. Er nahm dreimal bei Olympia teil, 1964, 1968 und 1972. Zehnders Sohn wurde ebenfalls Skispringer und schaffte es bis in den Weltcup. Zehnders Vater war Eidgenössischer Kranzschwinger.

Eine hohe Vereinsdichte

Dass Bennau zahlreiche Schwinger hervorbrachte, verwundert nicht besonders. Denn das benachbarte Einsiedeln mit seinem Klub ist eine Schwingerhochburg. Bekanntere Figuren waren die «Eidgenossen» August Oechslin, Thomas Bisig oder in der jüngeren Geschichte Marcel Ochsner. Es ist die Tatsache, dass ein Dorf mit knapp 1000 Einwohnern über ein Dutzend Top-Athleten herausbringt, die erstaunt.

Urs Kälin, der frühere Ski­fahrer, sagt: «Bei einer Karriere spielt auch der Zufall mit. Ich glaube nicht, dass Bennau verhältnismässig mehr Sportler generiert als andere Dörfer.» Grundsätzlich hat Bennau weniger als andere Dörfer. Zugespitzt könnte man sagen, es gibt eine Kirche, ein Schulhaus, einen Campingplatz, einen Skilift. Und das war’s. Kälin, inzwischen 53 Jahre alt, wohnt mittlerweile in Einsiedeln. Wie viele andere, die da leben, arbeitet er auswärts. Er ist Versicherungsberater in einer Firma in Pfäffikon.

Doch woran es nicht mangelt, sind Sportvereine. Die Vereinsdichte in der Region ist hoch, «sehr hoch», sagt Markus Kälin. Er leitet das Sport-Ressort innerhalb des Bezirksrats Einsiedeln. Das ist die Exekutive der sechs Einsiedler Viertel, Bennau ist eines davon. Markus Kälin sagt: «Der Schwingklub, die Ringer, der Skiclub, der Turnverein, aber auch die Fussballer, Volleyballer und Handballer – sie leisten alle hervorragende Jugendarbeit, das ist unbestritten. Auffallend ist aber, dass wir sehr viele Einzelsportler herausbringen. Im Bereich der Mannschaftssportarten sind wir nicht ganz so stark.»

Eine aktuellere Studie vom Bundesamt für Sport stützt die Aussage von Markus Kälin. Demnach existieren auf dem Land pro 1000 Einwohner 3,4 Vereine. In der Stadt liegt die Zahl nur bei 2,0. Auch Urs Kälin sagt: «In einer ländlichen Region ist es noch mehr verbreitet, sich einem Verein anzuschliessen.» Er selbst hat vor seiner alpinen Laufbahn verschiedene Dinge ausprobiert, er gehörte lange der Ringerriege Einsiedeln an. «Das hat mir enorm viel gebracht für Schnellkraft oder Koordination», sagt er.

Marcel Ochsner über die Schwinger-Tradition

Marcel Ochsner, nach wie vor in Bennau wohnhaft, schloss sich 1988 dem Schwingklub an. Er ist einer der bekanntesten Schwinger des Viertels. Ochsner sagt: «Schwingen hat hier einfach eine unheimliche Tradition. Warum das so ist, kann ich nicht eindeutig sagen. Wir sind friedliche, kameradschaftliche Leute, Schwingen passt zu uns.» Ochsner hat insgesamt 39 Kränze gewonnen. Einer seiner grössten Erfolge war der Co-Sieg am Schwyzer Kantonalen 2003, gemeinsam mit Martin Grab. Auch Ochsner wird am Sonntag in einer Funktion am Fest zugegen sein. Er sitzt im Organisationskomitee und ist verantwortlich für das Stein­stossen. Wenn ein grosser Anlass im 1000-Seelen-Dorf ansteht, helfen alle mit – auch die Kranzschwinger und Olympiamedaillen-Gewinner.