Ein Team im Höhenflug: Wendy Holdener und Corinne Suter überzeugen im Super-G von Garmisch

Zwei Schweizerinnen stehen im Super-G von Garmisch auf dem Podest. Corinne Suter hat nun Chancen auf zwei Kristallkugeln.

Claudio Zanini aus Garmisch
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Sie hatten allen Grund zur Freude: Wendy Holdener (links) und Corinne Suter.

Sie hatten allen Grund zur Freude: Wendy Holdener (links) und Corinne Suter.

Philipp Guelland / EPA

Der Fahrer des Shuttlebusses zur Kandahar-Piste machte einen fachkundigen Eindruck. «Die Suter wird ganz sicher bereit sein heute», sagte er in breitestem bayrischen Dialekt. Er hoffe aber auf einen deutschen Sieg, namentlich «die Rebensburg». Doch «die Suter» sei schon gut, «nur müsste sie mal ganz vorne stehen».

Man möge dem Deutschen verzeihen, dass er im helvetischen Skisport nicht sattelfest ist. Corinne Suter stand schon einmal zuvorderst. Einen Monat ist es her, als die Schwyzerin in der Abfahrt von Zauchensee ihren ersten Weltcup-Sieg schaffte. Weil sie im einzigen Abfahrtstraining von Garmisch die Schnellste war, schienen die Siegchancen auch an diesem Wochenende gut. Suter selbst sah das nicht so. «Viele haben das Gefühl, es müsse wegen des Trainings nun so und so rauskommen. Ich schaue das gar nie richtig an.» Das sagte sie nach ihrem fünften Platz am Samstag in der Abfahrt, mit einem hörbaren Schuss Enttäuschung. Den Teamkolleginnen ging es nicht anders. Eine Krise hatte Michelle Gisin (24.), die nach ihrer Fahrt minutenlang weinend im Zielraum hockte und von der Österreicherin Stephanie Venier getröstet wurde.

Wendy Holdener zittert lange

24 Stunden später hatte sich die Stimmungslage zum Guten gewendet. Corinne Suter (1.) sagte: «Ich kann das noch nicht richtig realisieren.» Wendy Holdener (3.): «Ich habe mich noch immer nicht beruhigt.» Und Michelle Gisin (7.): «Das war ein sehr, sehr grosser Schritt vorwärts.» Drei Schweizerinnen in den Top 7, zwei von ihnen auf dem Podest. Die Busfahrer in Garmisch-Partenkirchen dürften es via Radio vernommen haben.

Um ihren Podestplatz zitterte vor allem Wendy Holdener. Als Sechste gestartet, musste sie einige Favoritinnen und unberechenbare Athletinnen überstehen. Direkt nach ihr startete Viktoria Rebensburg, gestärkt vom Selbstvertrauen ihres Sieges am Vortag. Die Deutsche landete im Fangnetz und verletzte sich schwer. Zwei Nummern später ging Federica Brignone, zu diesem Zeitpunkt Leaderin der Super-G-Wertung, auf die Piste. Die Italienerin verpasste Holdeners Zeit um zwei Zehntel. Erst die Französin Tiffany Gauthier, Startnummer 24, griff Holdeners Zeit ernsthaft an. Holdener kniete nieder, sie mochte nicht mehr hinschauen. Gauthier verfehlte um einen Hundertstel das Podest. «Dieser eine Hundertstel war deftig», sagte Holdener. Als das Interview beendet war und die besten 30 Fahrerinnen längst im Ziel, fragte sie in die Runde: «Bin ich noch Dritte?»

Suter: «Ich falle nun nicht in alte Schemen zurück»

Was Corinne Suter an diesem Wochenende in Garmisch gelang, war eine weitere Bestätigung ihres Aufstiegs, der letzte Saison begonnen hatte. Mittlerweile scheint sie so gefestigt, dass sie auch nach einer durchzogenen Fahrt wie am Samstag keine Zweifel aufkommen lässt. «Früher hätte ich mich von so was verunsichern lassen. Heute war ich aber extrem locker drauf.» Michelle Gisin brachte den Höhenflug ihrer Teamkollegin so auf den Punkt. «Wenn es läuft, dann läuft es. Sie ist in einem Flow. Ich hoffe, sie gewinnt beide Kugeln.»

In der Abfahrtswertung führt Corinne Suter mit 61 Punkten Vorsprung auf Mikaela Shiffrin, die nach dem Tod ihres Vaters bis auf weiteres aussetzt. In der Super-G-Wertung zog sie an Brignone vorbei und hat nun ein kleines Polster von 39 Punkten. Drei Abfahrten und zwei Super-G stehen noch aus. Glaubt man Suters Aussagen, beschäftigt sie sich nicht mit den Chancen auf zwei kleine Kristallkugeln. «Ich falle nun nicht in alte Schemen zurück und gehe es weiterhin locker an. Am Schluss bekommt diejenige die Kugel, die es verdient hat. Doch irgendwann will ich das sicher erreichen», sagte sie. Der ski-interessierte Busfahrer sollte nicht erstaunt sein, wenn es künftig weitere Erfolgsmeldungen von «der Suter» gibt.