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Das Schweizer WM-Kader: Ein Team zum Träumen

Die 23 Schweizer für die Endrunde in Russland stehen fest. Dort wolle sich das Nationalteam keine Grenzen setzen, sagt Trainer Vladimir Petkovic.
Christian Brägger, Lugano
Der Schweizer Teamgeist ist bestens – auch deswegen vertraut Trainer Vladimir Petkovic seinem langjährigen Stamm. (Bild: Laurent Gillieron/KEY (Villarreal, 3. Juni 2018)

Der Schweizer Teamgeist ist bestens – auch deswegen vertraut Trainer Vladimir Petkovic seinem langjährigen Stamm. (Bild: Laurent Gillieron/KEY (Villarreal, 3. Juni 2018)

Ihre Namen waren erwartet worden, und auch Vladimir Petkovic stand einen Tag nach dem 1:1 in Spanien nicht der Sinn nach Überraschungen. So strich der Nationalcoach die «favorisierten» Edimilson Fernandes und Silvan Widmer aus dem definitiven 23-Mann-Kader, das nächsten Montag nach Toljatti ins WM-Basiscamp der Schweiz reist. Gregor Kobel, der Goalie Nummer vier, blieb von Anfang an chancenlos. Dabei erhält insbesondere Widmers Schicksal eine spezielle Note, fiel doch der 25-Jährige, der erst vor wenigen Tagen Vater einer Tochter geworden ist, bereits vor zwei Jahren dem letzten Cut zum Opfer.

Richtige Zweifel besass Petkovic indes nur bei Fernandes, er opferte letztlich aus einem Gefühl heraus den Mittelfeldspieler für einen weiteren Stürmer. «Damit erhalten wir in unserer Offensive mehr Möglichkeiten», sagte der Tessiner in der Villa Sassa, wo die Schweizer in Lugano nun in die zweite offizielle Trainingswoche gehen. «Alle 26 verbliebenen Spieler hätten ein Aufgebot für die WM verdient. Aber ich bin überzeugt, dass meine Wahl richtig ist. Nun liegt es an uns, dies auf dem Platz zu beweisen.»

Es ist schon bemerkenswert. Mit Kobel, Fernandes und Widmer – sie bleiben auf Pikett, falls sich einer verletzt – fallen drei Spieler der Kaderreduktion zum Opfer, die allesamt ihr Geld im Ausland verdienen. Bei Hoffenheim, West Ham und Udinese. Das hätte vor zwei Jahrzehnten noch locker für die Aufnahme ins Turnieraufgebot gereicht. Und zeigt den Wandel der Zeit, wie auch die Tatsache, dass Michael Lang der einzige Spieler der Super League ist.

22 WM-Fahrer spielen im Ausland

Petkovic setzt für die WM in Russland auf 17 Akteure, die bereits vor zwei Jahren mit ihm die EM in Frankreich mitmachten. Hätte sich Marwin Hitz nicht zurückgezogen und Admir Mehmedi rechtzeitig von einer Verletzung erholt, wären es 19 «Wiederholungstäter» geworden. Auffällig ist zudem, dass 15 Spieler schon an der WM 2014 in Brasilien unter Trainer Ottmar Hitzfeld dabei waren. Positiv bewertet, bedeutet dies: Es gibt reichlich Turniererfahrung, und dass so viele Schweizer im Ausland ihr Geld verdienen, kann letztlich nur von Vorteil sein. Und negativ: Petkovic ist ein Verwalter, ihm mangelt es an Mut zur Veränderung, zur Erneuerung. Zudem fehlt ihm die Wertschätzung der heimischen Liga.

Dabei stellen die Resultate dem Trainer ein gutes Zeugnis aus – sie geben ihm und seinem Weg recht. War Petkovics Start im August 2014 noch harzig, hat sein Team danach Fahrt aufgenommen und in der Folge eine Serie gestartet. Nach der Testspielniederlage gegen Belgien am 28. Mai 2016 hat es in 21 Auftritten 15-mal gewonnen und nur ein einziges Spiel verloren – wenn man das EM-Aus gegen Polen nach Penaltyschiessen nicht und somit nur reguläre Spielzeiten mitrechnet. Diese eine Niederlage war empfindlich, wegen jenem 0:2 in Portugal im vergangenen Oktober musste die Schweiz in die Barrage, in der sie Nordirland in 180 Minuten nach hartem Kampf mit dem Gesamtskore von 1:0 in die Knie zwang. Und sich das WM-Ticket sicherte. Natürlich bleibt der Eintrag ins Schweizer Sportgeschichtsbuch mit den davor neun WM-Qualifikationssiegen in Folge bestehen.

Nicht nur resultatmässig überzeugt die Mannschaft unter diesem Trainer. Sondern insbesondere in der Defensive. So erhält die Schweiz seit zwei Jahren stets wenige und nie mehr als zwei Gegentore, egal ob die Gegner wie am Sonntag Spanien oder an der EM Frankreich heissen. Die Hintermannschaft wirkt überaus sattelfest, so ist es auch dieser Part, der international keine Vergleiche scheuen muss. Hier haben die Schweizer Format und einen mehrheitlich guten Ruf bei ihren ausländischen Arbeitgebern. Einzig in der Offensive fehlt dem Kader die absolute Qualität und Tiefe, die hohen internationalen Ansprüchen genügen würde. Das war vor mindestens einem Jahrzehnt noch anders, als die Stürmer etwa Stéphane Chapuisat, Alex Frei oder Kubilay Türkyilmaz hiessen.

Das Nationalteam verändert zusehends sein Gesicht

Der angesprochene Wandel des Schweizer Teams ist durchaus bemerkenswert. 1994, nach einer Durststrecke von 28 Jahren, qualifizierte es sich wieder für eine WM. Damals war die Kadergrösse noch auf 22 Spieler beschränkt, lediglich vier Profis verdienten ihr Geld im Ausland – Adrian Knup, Alain Sutter, Chapuisat und Ciriaco Sforza liefen in der Bundesliga auf. Sechs Spieler waren damals im FC Sion unter Vertrag und die Walliser hoch im Kurs, und auch der FC Luzern war mit Martin Rueda und Thomas Wyss vertreten.

1996, als die Schweiz erstmals überhaupt an einer EM-Endrunde teilnahm, liefen sechs Nationalspieler im Ausland auf, mit England (Marc Hottiger/Everton) und Frankreich (Marco Grassi/Rennes) kamen neue Arbeitgeber-Destinationen hinzu. Danach gab es ein vielleicht letztes eigentliches sportliches Tief, ehe 2004 bei der EM in Portugal bereits zwölf Spieler bei ausländischen Vereinen unter Vertrag standen. Und damit mehr als die Hälfte des nunmehr 23-köpfigen Aufgebots. Dieser Trend zog sich weiter, 2010 stiessen 16 Spieler aus dem Ausland zum Team, und heute, wo der Markt offener denn je ist und beispielsweise die prosperierende Premier League für Durchschnittsspieler Unsummen ausgibt, gibt es nur noch Lang in der Super League. Stattdessen sind die Internationalen bis in die Türkei, Portugal oder Kroatien verteilt, und Petkovic sagt: «Wir haben so viele Legionäre wie noch nie. Das heisst, wir arbeiten gut.»

Wenn man das WM-Aufgebot betrachtet, das in Russland Geschichte schreiben und endlich die Sehnsucht nach dem Viertelfinaleinzug stillen soll, ist die positive Entwicklung dieser Nationalmannschaft naheliegend. Zumal sie Heimat ungleich talentierterer junger Spieler wurde mit fremdländischen Wurzeln, und weil sie längst von einer gezielten Nachwuchsförderung profitiert, die ihren Ursprung 1993 nahm; damals stieg die Credit Suisse als Hauptsponsor ein mit der Bedingung, die Hälfte des finanziellen Engagements in die Jugend zu setzen.

Der Teamgeist muss funktionieren für das Gelingen der WM

Es ist ein Mix aus den verschiedensten Charakteren, wie die Spielerporträts zeigen, eine bunte Truppe, die am 11. Juni an die WM fährt. «Wir haben eine gute Mischung», sagt Petkovic, der als treue Seele gilt gegenüber jenen, die ihn nicht enttäuschen. Der Tessiner sagt auch, und das ist es, was bei ihm eben zählt: «Vielleicht sind jetzt nicht die 23 aktuell besten Schweizer Einzelspieler nominiert, aber sicher die Gruppe, die sich am besten ergänzt, nicht nur auf dem Platz, sondern auch ausserhalb. Schliesslich wollen wir ja ein paar Wochen gemeinsam verbringen jetzt.» Mit ihnen will sich Petkovic keine Grenzen setzen, wie er unlängst betont hat – und will Spiel für Spiel nehmen. Mal sehen, wie viele Partien es werden. Und wo das Limit ist.

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