Ein Traum geht zu Ende, einer lebt noch

Der HC Kriens-Luzern will am Sonntag gegen GC Amicitia Saisonsieg Nummer 3. Und Kreisläufer Filip Gavranovic 100 Prozent Erfolgsquote.

Roland Bucher
Drucken
Teilen

Im letzten Frühjahr, als die alte Saison, in welcher der HCK so fabulös auftrumpfte, frühzeitig zu Ende ging, drängte Filip Gavranovic auf einen neuen Zweijahresvertrag. Trainer Goran Perkovac opponierte, im Wissen, dass sein kroatischer Kreisläufer dann zu Hochform aufläuft, wenn er unter Hochdruck steht: «Deshalb haben wir die Mini-Vertragsvariante gewählt. Aber: Wenn er abruft, was er kann, dann werden wir noch viele Jahre an ihm Freude haben», betont er. Gavranovic, Abwehrhüne und abschlussstarker Offensivmann in Personalunion, willigte ein: «Ich bin in Kriens als Mensch und als Handballer glücklich. Deshalb bin ich geblieben.»

Filip Gavranovic ist glücklich in Kriens, auch wenn der Bundesliga-Zug wohl abgefahren ist.

Filip Gavranovic ist glücklich in Kriens, auch wenn der Bundesliga-Zug wohl abgefahren ist.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 2. September 2020)

Dabei hatte der in Bjelovar aufgewachsene 1.98-Meter-Recke, als er vor sechs Jahren auszog, in Bregenz anheuerte, später bei Pfadi zur fixen Grösse wurde, doch einen ganz anderen Traum. «Wenn du ein junger Handballer bist und Talente hast, dann träumst von der Bundesliga», gesteht er, «und mit jeder Saison die vergeht, merkst du, dass es vielleicht doch nicht ganz realistisch ist.» Resigniert habe er, was den ganz grossen Sprung anbetreffe, zwar nicht: «Aber ich bin ein realistisch denkender Mann.» Und deshalb: «Kriens ist eine Super-Adresse, wirklich. Ich kann mir vorstellen, hier hängen zu bleiben – auch privat.» Zusammen mit seiner Partnerin Isabelle natürlich, die ihn bei jedem Heimspiel aus dem Fanblock unterstützt.

Auch am Sonntag, wenn es gegen Amicitia geht (Krauerhalle, 17.00 Uhr). Die Zürcher grüssen als Schlusslicht, hinterliessen am Donnerstag bei der 27:28-Niederlage gegen Pfadi Winterthur aber einen vorzüglichen Eindruck: «Ein unbequemer Widersacher», erklärt er, «wir müssen höllisch aufpassen.» Kriens seinerseits wirkte beim 30:29-Auswärtssieg bei Bern-Muri, zu welchem Gavranovic acht Treffer beisteuerte, müde: «Bis am Sonntag sind wir erholt und es gibt kein Wenn, kein Aber: Wenn wir unseren Ansprüchen als Spitzenteam gerecht werden wollen, dann müssen die beiden Punkte her.»

Noch besser wolle er es machen als in Bern, sagt Gavranovic, er strebe an, das zu erfüllen, was Perkovac, sein Chef, von ihm erwarte: «Keine Fehler in der Defensive, 100 Prozent Quote im Abschluss.» Am Donnerstag waren es 80 Prozent: «Ich bin erst zufrieden, wenn ich im Abschluss perfekt bin.»

Auf der Suche nach dem Feinschliff

Der Traum, sich für Europas höchste Liga zu empfehlen, den hat er aufs Hinterbänkchen gelegt, ein anderer Traum lebt: «Wissen Sie was? Ich glaube tatsächlich, dass Kriens das Rüstzeug besitzt, Meister zu werden.» Dazu benötige es noch diese und jene Feinabstimmung. Zum Beispiel mit Neo-Regisseur Lapanje: «Er ist ein sehr guter Handballer, und wir kommen uns in den Spielansichten von Woche zu Woche näher.» Gavranovic und Lapanje: das Krienser Zukunfts-Traumduo?

Mehr zum Thema