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Ein ungewöhnlicher Ausgang am Innerschweizer Schwingfest

Christian Stucki prägt als Berner Gast das innerschweizerische Schwingfest in Ruswil. Am Ende jubeln aber drei Schwinger, weil er sich im Schlussgang gegen Joel Wicki kaum bewegt. Doch alles der Reihe nach.
Claudio Zanini
Die drei Sieger beim Innerschweizerischen, von links: Christian Schuler, Joel Wicki, Christian Stucki mit Siegermuni Quercus – ein äusserst seltenes Bild. Bild: Philipp Schmidli (Ruswil, 1. Juli 2018)

Die drei Sieger beim Innerschweizerischen, von links: Christian Schuler, Joel Wicki, Christian Stucki mit Siegermuni Quercus – ein äusserst seltenes Bild. Bild: Philipp Schmidli (Ruswil, 1. Juli 2018)

Wenn sich über 200 Männer auf sieben Plätzen in einer Bruthitze einen ganzen Tag versuchen, ins Sägemehl zu drücken, plötzlich zwei von ihnen so etwas wie einen Final bestreiten, in dem keiner von ihnen gewinnt, aber plötzlich drei von ihnen als Sieger ausgerufen werden, ja, dann fühlen sich Aussenstehende wohl nicht ernst genommen, wenn man ihnen sagt, dass das alles Sinn mache.

Natürlich hoffen Veranstalter und Verbände nicht auf einen solchen Ausgang. Und natürlich hat sich dieser auch nicht abgezeichnet, als sich Christian Stucki und Joel Wicki im Schlussgang gegenüberstanden, da sie in den ersten fünf Gängen am meisten Punkte gesammelt hatten – Stucki sogar noch einen Viertelpunkt mehr als Wicki, weil er viermal mit der Maximalnote gewann, Wicki nur dreimal. Der Berner überzeugte mit Entschlossenheit, seine Siege fuhr er meist nach wenigen Sekunden ein.

Im Schlussgang sahen wir jedoch einen anderen Christian Stucki (33). Einer, der wusste, dass er dank seinem Vorsprung auch mit einem Unentschieden das Fest gewinnen kann. Der Koloss liess zwar ein bisschen an sich rütteln, sich aber nicht vom Entlebucher Ausnahmetalent düpieren. Es sei nicht «extrem viel gegangen» von seiner Seite, räumte Stucki hinterher ein. Und gab zu, sich so verhalten zu haben, wie man es eben in Schwingerkreisen nicht gerne sieht. «Ich habe sehr passiv geschwungen», sagte Stucki.

Doch was in der Schule gilt, das gilt auch im Schwingen: Mit Passivität holt man selten gute Noten ab. Stucki also bekam anstelle einer 9,00 eine 8,75 für den Gestellten reingedrückt. Sein Kontrahent aber, Joel Wicki, schwang gewohnt angriffig und wurde mit einer 9,00 belohnt. So hatte er den eingehandelten Rückstand auf Stucki von einem Viertelpunkt also wettgemacht.

Der Grund, warum Christian Schuler nach dem Schlussgang von der Speakerin ebenfalls in die Arena zitiert wurde, ist simpel. Schuler gelang im sechsten Gang gegen Erich Fankhauser die Note 10. Damit schloss er zu den 58,50 Punkten von Stucki und Wicki auf. Also hatten wir drei Sieger. Das gab es bisher nur einmal am Innerschweizerischen, nämlich 1948 in Sarnen.

Joel Wicki (unten) gegen Christian Stucki im Schlussgang. (Bild: Philipp Schmidli)
Joel Wicki (rechts) gegen Christian Stucki im Schlussgang. (Bild: Philipp Schmidli)
Joel Wicki (unten) gegen Christian Stucki im Schlussgang. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Schuler (rechts) gegen Stefan Arnold im 5. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Joel Wicki (links) und Christian Stucki bejubeln nach dem Schlussgang den Festsieg. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Schuler, Joel Wicki und Christian Stucki (von links) freuen sich über den Festsieg. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Stucki bedankt sich beim Publikum. (Alexandra Wey/Keystone)
Die Schwingarena in Ruswil. (Alexandra Wey/Keystone)
Volle Tribünen in der Schwingarena. (Alexandra Wey/Keystone)
Matthias Sempach (links) gegen Christian Bucher im 6. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Sven Schurtenberger (oben) gegen Alex Schuler im 6. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Zwilchhosen «warten» auf ihren Einsatz.
(KEYSTONE/Alexandra Wey)
Andreas Ulrich (links) gegen Benji von Ah. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Schuler (oben) gegen Erich Fankhauser im 6. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Benji von Ah hält sich die Hand vors Gesicht. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)
Matthias Sempach (links) gegen Werner Suppiger im 5. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Joel Wicki jubelt nach seinem Sieg im 4. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Stucki mit einer blutenden Wunde auf der Stirn. (Bild: Philipp Schmidli)
Andi Imhof (rechts) jubelt nach dem Sieg gegen Adrian Wetzstein im 6. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Stucki (oben) gegen Reto Noetzli im 4. Gang. (Bild: Philipp Schmidli)
Matthias Sempach konnte mit den Besten nicht ganz mithalten. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)
21 Bilder

Innerschweizerisches Schwingfest Ruswil

Aufladen, bis der Koloss untergeht

Zwar sind alle drei Sieger gleichberechtigt, doch Christian Stucki wurde auf Rang 1a platziert, darum ging der Muni mit dem abenteuerlichen Namen Quercus an ihn. Es ist als Zückerchen zu verstehen nach einem erwartet happigen Programm, das der Berner Gast abzuspulen hat. Nebst drei Eidgenossen hatte er letztlich mit Marcel Bieri und Joel Wicki auch die beiden stärksten Teilverbandskranzer der Innerschweiz auf dem Notenblatt.

Es ist Usus im Schwingen, dass Auswärtige grosszügig beladen werden in der Hoffnung, dass sie irgendwann untergehen. Das geht allen so, wenn sie in anderen Verbandsgebieten antreten. Christian Stucki hat das im letzten Jahr am Innerschweizerischen auf dem Flugplatz in Alpnach erfahren. Den Sieg hätte er schon damals verdient gehabt, aber auch ein Koloss wie Stucki kann nicht allen Widerständen standhalten. Dort war es Sven Schurtenberger, der Buttisholzer, der ihn bereits im Anschwingen stellen konnte. Danach bekam er so was wie ein Best-of der Innerschweizer Szene zugeteilt, bis er schliesslich den Schlussgang verpasste. Doch in diesem Jahr landete Stucki einer dieser raren Gäste-Siege. Das passierte in den letzten 40 Jahren nur dreimal.

Doch die Schmach aus Innerschweizer Sicht blieb trotz des Co-Sieges eines Berners aus. Das lag zum einen am 21-jährigen Joel Wicki, der seinem Leaderstatus im eigenen Verbandsgebiet Nachdruck verlieh, der Experten nun auch mit seiner verbesserten Bodenarbeit verblüffte und mit seiner explosiven Schwingweise das Publikum entzückte. Es ist sein dritter Kranzfestsieg in dieser Saison. In der offiziellen Jahreswertung des Eidgenössischen Verbands sind mit Christian Stucki, Matthias Aeschbacher und Armon Orlik nur drei Schwinger leicht besser.

Das andere Glanzlicht war die Leistung von Christian Schuler (30), der das Innerschweizerische nach 2016 zum zweiten Mal gewann. Der Rothenthurmer stellte im zweiten Gang gegen einen schwächeren Gegner, nach drei Gängen waren knapp 20 Schwinger besser klassiert als er, keiner rechnete mehr mit ihm, am Schluss stand auch er zuoberst. Vielleicht sollte man das alles gar nicht erklären, sondern nur der Rangliste glauben. Sie lügt auch im Schwingsport nie.

Innerschweizerisches Ruswil LU. 125. Innerschweizer Fest (202 Schwinger, 12 500 Zuschauer). Schlussgang: Christian Stucki (Lyss) gegen Joel Wicki (Sörenberg) nach 12 Minuten gestellt. Rangliste: 1. Stucki, Wicki und Christian Schuler (Rothenthurm) je 58,50. 2. Andreas Ulrich (Gersau) 58,25. 3. Sven Schurtenberger (Buttisholz) 57,75. 4. Damian Egli (Steinhuserberg), Roman Fellmann (Winikon), Mike Müllestein (Steinen) und Reto Nötzli (Pfäffikon SZ), je 57,25. 5. Stefan Binggeli (Neuenkirch), Urs Doppmann (Romoos), Marco Fankhauser (Hasle), Philipp Gloggner (Ruswil), Guido Gwerder (Illgau), Michael Gwerder (Brunnen), Matthias Herger (Bürglen), Thomas Hurschler (Grafenort), Lutz Scheuber (Büren NW), Joel Ambühl (Hergiswil LU), je 57,00. 6. Alex Schuler (Rothenthurm), Stefan Arnold (Attinghausen), Marcel Bieri (Edlibach), Andi Imhof (Attinghausen), Werner Suppiger (Wauwil), Reto Fankhauser (Hasle), Marco Richmuth (Cham), je 56,75. 7. Raphael Arnold (Bürglen), Remo Betschart (Walchwil), Reto Gloggner (Ettiswil), Ivan Rohrer (Sachseln), Erich Fankhauser (Hasle), Pascal Nietlispach (Hünenberg See), Ralf Schelbert (Bisisthal), Mario Schneider (Schönenberg an der Thur), Florian Gnägi (Aarberg), Martin Zimmermann (Ennetbürgen), je 56,50. – alle mit Kranz. Ferner: 8. Benji von Ah (Giswil) 56,25. 11. Domenic Schneider (Friltschen) 55,50. 14. Bruno Gisler (Rumisberg) 54,75. 15. Matthias Sempach (Alchenstorf) 54,50.

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