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Eine Erlösung, aber noch kein Stammplatz für Martschini

Wenn Lino Martschini bei der WM trifft, herrscht offensives Flugwetter. Und doch hat der 26-jährige Zuger Stürmer den Stammplatz nach dem 9:0 gegen Italien noch nicht auf sicher.
Klaus Zaugg, Bratislava
Werbung in eigener Sache: Lino Martschini nach seinem Treffer zum 3:0. (Bild: Melanie Duchene/Keystone (Bratislava, 11. Mai 2019))

Werbung in eigener Sache: Lino Martschini nach seinem Treffer zum 3:0. (Bild: Melanie Duchene/Keystone (Bratislava, 11. Mai 2019))

Schon optisch ist zu erkennen, dass Bratislava 2019 anders ist als Moskau 2016. Lino Martschini war 2016 zum ersten Mal für eine WM aufgeboten worden. Aber in Moskau konnte er sich nicht durchsetzen. Nach vier Partien (und einem Assist) musste er auf der Tribüne Platz nehmen. Das Urteil: dominant in der heimischen Liga. Aber nicht gut genug, um auf höchstem Weltniveau mit den bösen Hunden zu bellen.

Nun hat der Flügel des EV Zug zum zweiten Mal eine WM-Chance erhalten. In Moskau trat er noch frisch rasiert an. Hier in Bratislava spielt er mit Bart. Schon das ist ein Zeichen, dass er sich an raueres Hockey gewöhnt hat: Der Bart ist nämlich während der Playoffs gewachsen, die für Zug bis in den verlorenen Final gegen den SC Bern geführt haben. Und für Martschini gleich weiter ins WM-Team. «Ich hatte keine Zeit mehr zur gründlichen Rasur», erklärt er seinen Bart.

Andrighetto steht am Dienstag zur Verfügung

Auch auf dem Eis wirkt die Zuger Zaubermaus (168 cm) beim WM-Auftakt hockeytechnisch männlicher. Er erzielt das 3:0. Es ist sein erster WM-Treffer. Die Erlösung. Seine Formation ist an zwei Treffern beteiligt. Auf den Aussen­bahnen fegen Martschini und Grégory Hofmann, in der Mitte dirigiert Philipp Kuraschew, der Junior, der gegen Italien erst seine vierte Partie gegen Erwachsene gespielt hat. Er bucht einen Assist. Die Frage ist nun: Kann Martschini seinen Platz im WM-Team behaupten? Zumindest für die Partie heute gegen Lettland (20.15 Uhr, SRF zwei) ist seine Position nicht gefährdet. Aber dann kommt Sven Andrighetto. Der NHL-Stürmer steht ab der dritten Partie gegen Österreich am Dienstag zur Verfügung – und wird natürlich eingesetzt. Wer muss für ihn Platz machen? Diese Frage wird am Sonntag beantwortet. Trifft Martschini auch gegen die Letten, bleibt er im Team. Wenn nicht, muss er bangen. Er ist ein Stürmer für die offensive Kür. Nicht für die defensive Pflicht.

Das «Trauma WM-Start» ist überwunden. Für Martschini und für seine Mitspieler. Viermal hintereinander hatten die Schweizer im Startspiel gegen den Aufsteiger Punkte abgegeben. Und nun war die Ouvertüre gegen Aufsteiger Italien ein Spektakel sondergleichen. Traum statt Trauma. Wie ist das möglich? In erster Linie ist es eine Kopfsache. Die Schweizer haben diese Partie nicht nur mit der kontrollierten Arroganz der Grossen hinter sich gebracht. Sie haben sie mit einer erfrischenden Spielfreude geradezu ­zelebriert. Mit Direktpässen das Spiel ­beschleunigt. Mit Kombinationen als «Alpen-Russen» begeistert und Szenenapplaus geerntet.

Der höchste Sieg seit 1952 in Oslo

So viel Spektakel. So viel Sorglosigkeit. So viel spielerische Leichtigkeit. Gar eine «unerträgliche Leichtigkeit des Seins» nach dem Roman des tschechischen Autors Milan Kundera? Nein. Es war Kopfsache, das «Trauma WM-Start» zu überwinden. Nun ist es Kopfsache, aus diesem Traumstart keine falschen Schlüsse zu ziehen. Wer sich so gut auf das Startspiel einstellen konnte, wird auch für die zweite Partie die richtige Einstellung finden.

Dieses 9:0 ist der höchste Sieg auf höchstem Niveau seit dem 12:0 gegen Finnland 1952 in Oslo. 61:19 Torschüsse zeigen die krasse, beinahe absurde und statistisch grösste Überlegenheit der Schweizer seit Einführung der offiziellen Schusszählungen an einer WM.

Die Russen haben sich beispielsweise im Startspiel gegen Norwegen (5:2) mit 27 Torschüssen begnügt. Ist dieses 9:0 also ein Muster ohne Analysewert für die weiteren Partien? Nein. Es gibt Gründe, die zu grossen Hoffnungen Anlass geben. Erstens: Die Stimmung ist vortrefflich, die Spielfreude ansteckend, das Selbstvertrauen gross (und berechtigt). Zweitens: Kevin Fiala (drei Tore, ein Assist) ist an der Seite des genialen Mittelstürmers Nico Hischier ein Offensivspieler, der bei diesem Turnier auch in den «richtigen» Partien die Differenz machen kann.

Drittens: Die Ausgeglichenheit ist vielversprechend. Jede der vier Formationen hat mindestens einen Treffer erzielt. Viertens: Die offensive Feuerkraft der Schweizer ist bemerkenswert. Ja, die neun Treffer sind gegen eine Operetten-Verteidigung erzielt worden. Aber das schmälert nicht den Wert der Offensivleistung. Das 9:0 und die 61:19 Torschüsse sind eine Kombination aus der Qualität der Schweizer und der Schwäche der Italiener.

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